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Skandinavischer Stricksamstag #33

*husthust*

zwei Wochen ohne, ich weiß. Und das obwohl eigentlich alles fertig war. Es gab diesmal auch kein Tiefdruckgebiet, das meinem Handyempfang den Garaus gemacht hätte, eher im Gegenteil. Es war so herrlich und warm im schwedischen Wald, es fehlte wirklich die Motivation um 30 Minuten in den nächsten Ort zu fahren um in einer dunklen Bibliothek die Bilder hochzuladen. Ich habe lieber am See gelegen, geplanscht und gestrickt. Außerdem hatte ich Besuch von den schwedischen Leih-Eltern und Freunden. (Sonst bin ich fast nur noch mit nicht-Geheimsprachlern in Schweden, und das macht die Gespräche immer etwas umständlich…schwedisch zur einen Seite, englisch am Tisch, deutsche Erläuterungen zu anderen Seite. Da sind Gespräche zwangsläufig oberflächlicher. Umso mehr konnte ich „meine“ Schweden jetzt genießen.)

Aber zum Thema:

Diesmal geht es wieder um ein Buch, und wieder um Koften. Und das Buch heißt wieder Kofteboken. Es ist aber ein anderes als letztes Mal.

koftebokentitel
kofteboken – den store koftejakten

Dieses Koftebok ist wahrscheinlich mein aller-aller-aller-liebstes Strickbuch überhaupt. Es ist für meinen Geschmack einfach vollständig gelungen.

– Das wichtigste: Mir gefallen natürlich viele der Koften.

– Dazu kommt: Die Bilder sind total stimmig. Eine tolle Idee finde ich auch die alten schwarz-weiß Fotos aus der Familie, die wunderbar darstellen, dass Koften einfach zu Norwegen gehören.

– Es gibt einiges an Hintergrundinformationen über Koften allgemein, aber auch über einzelne Modelle und wie man eine Kofte pflegen sollte.

– Die Anleitungen sind gut geschrieben.

– Und als i-Tüpfelchen: Die Haptik des Hardcovers und des festen Papiers ist toll!

eins der alten Bilder
eins der alten Bilder

Dieses Koftebok wurde von seinen Autorinnen selbst verlegt, und man merkt wirklich wie jedes kleine Detail mit Herzblut bedacht wurde. Denn die Autorinnen sind wirklich kofteverrückt.

Die eine, Liv Sandvik Jacobsen, hat in ihrem Blog eher aus Versehen einen Run auf Koften in Norwegen angestachelt. Eigentlich geht es in ihrem Blog zwar um Einrichtung, das Leben auf dem Land, Familie etc., aber auf einem ihrer Bilder hatte sie eine Kofte vom Flohmarkt über eine Stuhllehne gehängt. Zack kamen die Zuschriften: Weißt du wie das Muster zu dieser Kofte heißt? Wo hast du sie her? Hast du die selbst gestrickt? Ist das ein Erbstück?

Ja und so machten sich Liv und ihre Leser auf die „große Koftejagd“, sie trugen Bilder von Koften zusammen, spürten Anleitungen auf, kramten fast vergessene Teile vom Dachboden wieder hervor. Daraus ist dann die „Koftegruppa“ bei Facebook entstanden, durch die mein Newsfeed jeden Tag von Bildern wunderschöner Koften überflutet wird.

Angestachelt durch den Erfolg der Koftejagd tat sich Liv mit der dänischen Strickdesignerin Lene Holme Samsøe zusammen um ein Anleitungsbuch für Koften zu schreiben. Dafür haben sie alte Muster genommen und auf neue Garne und neue Techniken umgeschrieben.

kofteboken1Wie gesagt, man erkennt dass Liv Sandvik Jacobsen das mit den Fotos drauf hat. Und gerade dass auch mal nicht direkt strickbezogene Bilder dabei sind, verleiht dem Buch eine Art Bildband-Charakter. Wer bei diesem Buch keine Lust auf Koften kriegt…tja… also macht doch was ihr wollt 😉

Übrigens bin ich mit meiner Meinung nicht alleine, denn obwohl das Buch ohne Marketingbudget eines großen Verlags auskommen muss, es ist eins der meistverkauften Strickbücher der letzten Jahre. Find ich toll, absolut bewundernswert wie die beiden das hingekriegt haben! Und auf Livs Blog kann man sehen, dass sie nebenbei noch ein Kind bekommen hat und mit ihrem Mann einen verfallenen Bergbauernhof wieder herrichtet. Hut ab!

Nun aber zu den Anleitungen:

Der Fokus in diesem Buch liegt auf Strickjacken mit Rundpasse. Das ist einfacher zu stricken (allerdings höchst unkonventionell), und es fällt bei vielen besser als die kastige Form des traditionellen Norwegerpullis. Es gibt aber auch Pullover und Jacken mit eingesetzen Ärmeln.

Meiner Meinung nach sollte man sich mindestens genauso intensiv mit der Form der gewünschten Kofte auseinandersetzen wie mit dem Muster. Denn Rundpassen können schnell mal den Eindruck von Hängeschultern machen (bzw. verstärken). Eingesetzte Ärmel können ein breites Kreuz dafür noch mal eckiger wirken lassen. Da sollte man sich von der eigenen Körperform leiten lassen.

barnkofteMir grummelt es ja immer im Magen dass so wenige Strickbücher auch schöne Muster für Männer bereithalten. Anders im Kofteboken. Und auch für Kinder (zum Teil ab einem Jahr) gibt’s allerliebste Jacken und Pullis. Sortiert sind die Anleitungen grob nach Motiv, also Viereck, Blumen, Sterne etc. Aber so richtig streng ist das glaub ich nicht, denn es gibt auch Mischmaschmuster, auf den – Achtung! – mehrere Motivarten vertreten sind (s.o.) … wie man so Norwegermuster halt kennt.

hjemmetskofte1

Mir hat es der Pullover „Hjemmets Kofte“ angetan. Der wird übrigens auf dem Bild von Liv selbst gezeigt, mitten in den Blaubeeren. Komischerweise sehe ich beim Blaubeersammeln immer eher aus wie ein Waldschrat, aber vielleicht wird mir dieser Pulli nächstes Jahr diese gewisse nordische Eleganz verleihen, während ich auf allen Vieren durch die wilden Beeren robbe?

Die Projekte aus dem Koftebok gibt es auch bei Ravelry zu sehen, und das Buch wird von denen hier auch nach Deutschland versandt.

Leider gibt es das Buch noch in keiner Übersetzung. Aber mit ein wenig Fantasie und Google Translate kommen geübte Strickerinnen bestimmt trotzdem ans Ziel. Ansonsten ist das Buch auch toll für den Couchtisch zum blättern und träumen. Wenn ich ein wenig mehr Zeit hätte, ich würde so gerne eine deutsche Übersetzung machen!

 

10 Gedanken zu „Skandinavischer Stricksamstag #33

  1. Moin Sophia,
    da juckt es in den Fingern und ich träume von wunderschönen Farben, fantastischen Mustern, der norwegischen Landschaft, Muße, Ruhe und Zeit. Aber die wird kommen … Hjemmets kofte – einfach nur schön. Vor 25 Jahren habe ich mal einen Norweger für den damals 3jährigen Raphael in pink – seiner damaligen Lieblingsfarbe – und blau gestrickt. Das Garn dazu habe ich seinerzeit sogar in Norwegen gekauft. Viele Pläne für die Zukunft …
    Gehab‘ Dich wohl und genieße die Zeit. Sei herzlich gegrüßt von Ulla
    P.S.: Übersetzen – eine supergute Idee!

    1. das klingt auf jeden Fall nach einem prima Kinderpulli, so einer an dem Erinnerungen hängen. Wir hatten solche in rot und später dann alle den gleichen in weiß zum Skifahren. Mal sehen ob ich die Tradition nicht mit einem Paar norwegisch inspirierter Socken für alle wieder aufleben lassen kann 😉
      Zum übersetzen komm ich ja vielleicht demnächst an den Abenden in Hotels?

  2. Kannst du bitte eine Übersetzung machen? Ich nehm den Hund solange 😀
    Nein Quatsch 😉 Aber wenn das mit dem Knit Along was wird, dann musst du mir bitte helfen, ja?

    1. 🙂 Na klar helf ich! Aber dank Loppa dürftest du schon gut vorgebildet sein…

  3. Also gut! Jetzt hast du mich soweit: Bin dabei beim Knitalong! Wiolakofte für mich (also eher eine moderne Interpretation der Jacke als nur reine Tradition, ich hoffe das zählt auch) und da ich wahrscheinlich Monate für die Garnbeschaffung dazu brauche, erhöhe ich noch mit einer Embla-Jakke für Oskar und einer dazu passenden Emblatunika für Sofia- also für meine Sofia!
    Was sagst du?

    Liebe Grüße, Kathi

    1. Wow!!! Suuuuuper!!! Wiola finde ich auch total toll, und Embla für die Lütten wird ja der Hammer… Was für Garne schweben dir vor?

  4. Ich fand ja die Original-Wiola am Anfang total toll, aber inzwischen finde ich sie etwas zu bunt- für mich. Ich denke ich mache die Wiola mit dünnem Garn aus dem Buch mit Sandnes Mini Alkappa und Tynn Merino in verschiedenen Blau-Grautönen mit Lime…daher ewig lange Garnbeschaffung. Wahrscheinlich muss ich auf mehrmals bestellen, außer du hast jetzt sagenhafte Kontakte zu Sandnes 🙂

    Bei den Emblas würde ich ja gerne was zusammen-passendes machen, aber das ist gar nicht so einfach. Bei der Tunika MUSS Gullfasan rein und ich finde die Originalfarben schon schön, habe nur Angst, daß Sofia darin zu blass aussieht – wobei eine weiße Jacke für Oskar halt gar nicht geht- lieber braun graublau, natur. Mal sehen!

    Und weil mir ja siedendheiß eingefallen ist, daß ich mit nem 2. Kind auch einen 2. Adventskalender brauche, mache ich noch 2 Kinderjulevotter in bunt MIT Gullfasan (Also Gold/Silber) drin und schnappe mir meinen in Originalfarben wieder zurück! Sofia will Altrosa, grau, lila mit Silber und Oskar kriegt irgendwas in Hippsterfarben viellicht Espresso, Senf, Jeansblau oder so, mit Kupfer- ist ja auch gerade Hipp! Ich würde am liebsten sofort anfangen, aber Oskar zahnt gerade und ich bin ein müder Mama-Zombie und komme nicht mal zum Farben raussuchen…bläääh! Ich zähle die Tage bis zum Yarncamp!

    1. Sandnes geht klar 😉 sprechen wir am WE mal drüber.
      Und den Adventskalender für die Kinder musst du jawohl nicht mehr überlegen? Eindeutiges MUSS!

  5. Hallo Fia,
    Dein Blog ist richtig toll und ich schmökere jede Woche darin…
    Bin auch ganz verliebt in Kofteboken und Kofteboken 2, aber meine Strickkenntnisse sind eher mittelmäßig, von meinem Norwegisch will ich da erst gar nicht reden. Dank Deinem Makerist Kurs mit der Kinderkofte, weiss ich jetzt wie ich diese Art stricken muss und Sohnemann ist an kühleren Tagen sehr schick und warm eingepackt, nur bei z.B. Sørlandskofte (Kofteboken 2, S. 10%) bin ich aufgeschmissen. Willst da nicht auch noch ein Makerist Kurs machen? Oder hast Du einen Tipp welche deutsche Anleitung ich als „Vorlage“nehmen könnte, damit ich das Prinzip lerne?

    Eine Übersetzung der Bücher, da schließe ich mich den anderen an, wäre der Wahnsinn!

    Schöne Grüße,
    Randi

    1. Hallo Randi,
      wie toll dass dein Sohn schon eine Läusekofte hat, mein Neffe bekommt auch diesen Winter seine erste 🙂
      Ich hab mir gerade mal die Anleitung für die Sørlandskofte angesehen – und jaaaaaa, das ist nicht ganz so einfach beschrieben.
      Aber eigentlich ist es ganz leicht: Du fängst oben am Kragen an und nimmst immer wieder Maschen zu, so dass du einen großen Kreis strickst. Diese Rundpasse wird später unterteilt und du strickst erst Körper, dann Ärmel von oben nach unten weiter.
      Auf diese Weise sparst du dir die Ärmel-Steeks und kannst alles an einem Stück stricken.
      Diese Form der Schultern stehen vielen Frauen sehr gut, nur bei sowieso schon hängenden Schultern würde ich absolut davon abraten.
      LG
      Sophia

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