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Von Kraken und ganz kleinen Fischen

Datenkrake DSGVO Datenschutz
Bildquelle: Twenty20

Vielleicht ist es dir schon aufgefallen… es ist auffallend ruhig in der Kreativ-Blog-oshphäre im Moment…und es ist:

Die Ruhe vor dem Sturm.

Auf uns Blogger kommt ein Unwetter zu. Ein Tief mit dem Namen DSGVO.

Fünf Buchstaben nur, aber leider mit einer schieren Unmenge an Buchstaben dahinter, nämlich Gesetzestexten. Es handelt sich nämlich um das neue Datenschutzmonster der EU.

Es folgt ein langer Beitrag, ganz ohne Wollfotos.
Ich bitte dich trotzdem ihn zu lesen und danach zu entscheiden wie wir in Kontakt bleiben.

Versteh mich nicht falsch.
Datenschutz ist mir sehr wichtig.

Das beginnt bei mir persönlich. Mein privates Facebookprofil, zum Beispiel, ist mit maximaler Privatsphäreneinstellung geschützt, ich bitte darum auch erneut um Verständnis, dass ich Freundschaftsanfragen nur von Leuten annehmen, die nach prä-digitalem Verständnis meine Freunde sind.

Deine Privatsphäre ist mir genauso wichtig. Ich würde dich nie über private Informationen aushorchen, in meinem Freundeskreis wird eher belächelt dass ich möglichst keine zu direkten Fragen stelle – ich möchte keine persönlichen Informationen haben, die mich nichts angehen.

Was hingegen „das Internet“ über uns weiß ist wirklich beeindruckend. Kennst du die Story vom Target und dem schwangeren Teenager? Die Supermarktkette hat anhand des Shopping Verhaltens eines Mädchens schon mit Baby- und Schwangerschaftsartikeln geworben, bevor sie überhaupt von der Schwangerschaft wusste. Big Data ist überall. Facebook weiß angeblich wenn zwei Menschen eine Beziehung anbahnen. Aus meinem alten Job weiß ich, dass wir verdammt gute abschätzen konnten, ob dir eine Klamotte passt oder nicht – anhand deiner vorherigen Retouren. Das sind alles wirklich hilfreiche Informationen, und in vielen Fällen erleichtert uns diese ewige Auswertung sogar extrem unser Leben.

Trotzdem (oder gerade deshalb) ist es absolut richtig, dass die EU sich einsetzt um unser aller Daten zu schützen. Ich möchte nicht, dass ein so genaues Profil über mich vorliegt, dass ich eigentlich gar nicht mehr zur Bundestagswahl gehen muss. Ich möchte weiterhin Informationen von allen Parteien erhalten. Ich möchte nicht, dass meiner Krankenkasse verraten wird, wenn ich Dr Google nach einem Symptom befrage. So ätzend ich die AfD finde, ich möchte trotzdem nicht, dass Facebook meinen Newsfeed anhand meines Nutzerprofils so anpasst, dass ich nur noch „meine Wahrheit“ sehe und den braunen Mist weg-gefiltert bekomme.

Und genau deswegen habe ich im ersten Moment nickend zur Kenntnis genommen: Die EU will den großen Datenkraken an den Kragen, nichts mehr mit gesetzloses Neuland, unser Internet bekommt Regeln. DSGVO Regeln.

Das dumme daran, ist das dumme drumherum, oder:
Gut gemeint ist das Gegenteil von Gut.

Blöderweise sind auf EU Ebene Leute für uns zuständig, die lauter Gutes im Sinn haben, aber eher keine digital natives sind. Und in ihrer Regulierungswut haben sie richtig Mist gebaut.

Denn die DSGVO beschränkt jetzt das Miteinander von dir und mir. Massiv. So sehr, dass ich kurz davor war alles hinzuschmeissen. Denn dank der DSGVO werden wir Blogger / kleine Shopbetreiber mit schwammig formulierten Gesetzen angehalten unsere Seiten als Fort Knox zu programmieren.

Dummerweise sind wir ja aber meist keine Rechtsanwälte mit Zweitkarriere im Web-Coding. Unsere Seiten sind meist auf Plattformen wie WordPress basiert. Und das funktioniert so:

Wir haben ein Grundgerüst für eine Seite, und können uns diverse Zusatzfeatures kaufen / umsonst runterladen, die dann unsere Beziehung mit dir als Leser formen. Wenn du mir einen Kommentar hinterlässt geht das über so ein Plug-in, deine Bestellung auch, und wenn du meinen Newsletter abonnierst, dann ist ein drittes Plug-in am Werke.

Nach der neuen Gesetzeslage muss ich ab dem 25.5. sicherstellen, dass deine Daten nicht über das notwendige Maß (bei einer Bestellung brauche ich deine Adresse, das ist klar) gespeichert werden und mit deiner IP Adresse verknüpft sind. Dumm nur: Das geht mit der bisherigen Funktion der Seite nicht. Für einen Kommentar im Blog musst du deine eMail Adresse angeben, deine IP sieht das Plugin auch, und du schreibst wahrscheinlich als ehrlicher Bürger ins Namensfeld auch dass du Lieschen Müller heisst. Wenn jetzt nur ich weiss, dass Lieschen Müller unter der eMail adresse lieschen@mueller-mail.de zu erreichen ist, und ihr Computer unter der IP xyz eingeloggt war, dann wäre das kein Problem. Aber ob im Hintergrund der Programmierer des Plugins das jetzt auch weiß? Das weiß ich nicht.

Das gleiche Spiel gilt beim Newsletter. Du meldest dich an, denn du möchtest ja regelmäßig hören wenn ich etwas neues schreibe. Nur: Das geht in Zukunft erstmal nicht mehr.

Ein Blog lebt vom Kontakt mit seinen Lesern, aber bis die Rechtsprechung wirklich klar sagt, wie eng die DSGVO ausgelegt wird, solange kann ich leider keine Newsletter mehr verschicken.

Wir erinnern uns: Das ganze sollte die Datensammelwut der Digitalkonzerne eindämmen. Tut es aber nicht.

Denn die haben selbst programmierte Seiten, mit Heerscharen an Tricksern, die auswerten mit wem du gerade Händchen hältst. Vom DSGVO werden die ziemlich genau NULL eingeschränkt.

Wir kleinen Blogger und Webshops müssen jetzt aber mit einer Abmahnwelle epischen Ausmaßes rechnen. Die Strafen sind drakonisch. Dabei will ich dir doch nur über’s Stricken erzählen, dir Tipps und Tricks weitergeben und dir schöne Garne und Muster zur Verfügung stellen.

Das wirklich verkorkste an der Sache ist jetzt: Ich muss dir raten mir über Facebook, Instagram oder Bloglovin‚ zu folgen um weiterhin über neue Beiträge informiert zu werden. Denn Newsletter gehen ja erstmal nicht mehr. Die Abhängigkeit von den großen Datenkraken ist also durch die DSGVO nur noch ausgeprägter.

Schei***

Die Good News am Ende: Ich habe dieses Chaos zum Anlass genommen und angefangen mich wirklich ins Eingemachte meiner Seite reinzufuchsen. Was andere für mich programmiert haben beginne ich erst langsam nachzuvollziehen, aber die Lernkurve der letzten Wochen war extrem steil. Ich hätte gut ohne gekonnt, denn eigentlich wollte ich mich mit MEINEM Fachgebiet (Wolle & Stricken) beschäftigen, aber wir wollen das Positive sehen. Ich habe also zum Beispiel endlich die Seite auf https:// umgestellt. (Ganz alleine…ich bin so stolz!) Damit stelle ich sicher, dass niemand deine  – wie Nora so fein sagte – „konspirativen Garnkäufe“ mitbekommt. Putin erfährt erst von Instagram dass dein nächster Pullover lila wird. Hoffentlich kann er mit der Spannung leben 😉

9 Gedanken zu „Von Kraken und ganz kleinen Fischen

  1. Liebe Fia, ich finde es ganz toll, dass Du Dir soviel Mühe machst, um in Kontakt zu bleiben. Ich bin ein großer Fan von Blogs und habe überhaupt nichts am Hut mit Facebook und Co. Hoffentlich gelingt es mit dem „in Kontakt bleiben“.

    1. Liebe Susanne,
      beim „in Kontakt bleiben“ bist jetzt du gefragt – schau einfach regelmäßig mal rein?
      Vielleicht finde ich ja auch bald die Möglichkeit auch nach dem 25.5. Newsletter anbieten zu können…

  2. Na toll, jetzt weiß die ganze Welt von meinem konspirativen Garnkäufen! 😉

    1. Jetzt ja! 🙂
      Aber noch ist es ja unser Geheimnis was da demnächst auf deinen Nadeln landet…

  3. Liebe Fia,
    das hast Du schön geschrieben und es beschreibt genau mein Dilemma. Ich habe einen kleinen Blog, nichts besonderes, aber dieses „Monster“ stellt mich echt vor die Überlegung alles hinzuschmeißen. Am Schlimmsten finde ich, dass einem niemand eine wirklich konkrete Antwort geben kann. Und mal ganz ehrlich, klar sollen Daten geschützt werden, aber wenn ich im Netz unterwegs bin, weiß ich, dass ich Spuren hinterlasse – und: wer an meine Daten will, kommt auch dran. Besonders die großen Unternehmen. Muss man es da kleinen so schwer machen???

    Ich wünsche Dir trotzdem ein schönes Pfingstwochenende und freu mich auf die nächsten Insta-Stories…

    LG Stephi

  4. Hallo Fia,
    wie ich schon bei Facebook schrieb, finde ich, dein Beitrag bringt es genau auf den Punkt. Ich habe ihn daher in meinem Blog verlinkt, ich hoffe, es ist dir recht (https://berit-charlotte.de/2018/05/samstagsplausch-oder-was-ist-noch-los-ausser-dsgvo/). Sonst sag kurz Bescheid, dann entferne ich den Link.
    Liebe Grüße und ein ruhiges Pfingstwochenende
    Berit

    1. Danke dir, natürlich ist das recht 🙂
      Hoffe du hast den heutigen Tag mit gutem DSGVO Gefühl erreicht?

      1. Hallo Fia,
        gestern hatte ich noch einen leichten Panikanfall (ich sollte nicht so viel im Internet surfen), aber eigentlich habe ich alles nach bestem Wissen erledigt. Und WordPress hat am vergangenen Wochenende ja auch noch das Update mit der Änderung der Kommentarfunktion herausgegeben.
        Jetzt warten wir erst mal ab.
        Liebe Grüße
        Berit

        1. Hallo Berit,
          ich habe die absolute Hoffnung, dass dieser Wahnsinn durch Rechtsprechung bald klarere Regeln bekommt. Wir machen ja nichts böses, und das erkennt mit etwas Nachdenken auch jeder Richter. Bis dahin versuche ich so gut es geht alles abzudecken, mich aber auch nicht verrückt machen zu lassen. Schlimm finde ich halt, dass die Verordnung genau an denen vorbei geht, die sie eigentlich treffen sollte und die gutwilligen trifft. Auf der anderen Seite war es halt auch mal gut wirklich drüber nachzudenken ob alle Plugins so komplett notwendig waren…

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