Oder: Ich bin doch kein Strick D-Zug

Dieser Beitrag wurde anhand eines PR Samples bebildert, daher: Werbung*

Mein Name ist Sophia, und ich leide am Second Sock Syndrome.

Weisst du bestimmt schon, aber ich spreche es lieber nochmal aus, denn für die heutige Geschichte ist das maßgeblich.

Es ist so: In den letzten Monaten habe ich dank des Herbst Socken KALs von den Dreien vom Blog (Die Damen 1, 2 & 3), dem Schachenmayr Hygge Socken KAL, regelmäßigen Tatort Sockensessions mit Lutz, und wirklich vielen Bahnfahrten (eigentlich gar nicht mehr Ding) richtig an meinem Problem gearbeitet (Was wiederum mein Ding ist, denn ich hasse dass mir zwischendurch die Puste ausgeht).

Zum Beginn des letzten (S)Ocktober hatte ich 7 (in Worten: SIEBEN) einzelne Socken herumfliegen. Davon sind tatsächlich nur noch zwei übrig, und noch weitere fünf Paar habe ich von Anfang bis Ende durchgehalten – hauptsächlich weil ich sie verschenken wollte.

Mit meinem Sockenwunder und meiner Afterthought-Ferse bin ich inzwischen wirklich flott. Wenn ich viel unterwegs bin, stricke ich locker nebenbei zwei Socken die Woche runter… in jeder kleinen Wartepause strick ich mal hier mal da eben schnell drei oder vier Maschen, lege es wieder auf den Schoß, und wiederhole das ganze. Steter Tropfen macht auch nen Socken, und man merkt erstmal, wie viel Zeit die Nichtstricker da draußen vollkommen ungenutzt verstreichen lassen müssen!

Leider ist es nur so: Bis der erste Socken fertig ist habe ich ungefähr dreiunddrölfzig neue Ideen und will sofort ALLE davon ausprobieren. Und der Schweinehund bellt mir zwischen den Socken zu: Ach komm schon, wir probieren erst die neue Idee, den zweiten Socken stricken wir demnächst mal schnell zwischendurch.

Ja genau. Passiert eh nicht, stattdessen habe ich bis dahin zwei Einzelsocken und bin von mir selbst unendlich genervt.

Letzte Woche habe ich dank schier unendlich vielen Fahrten im ÖPNV mal wieder Socken fertig (guck mal hier) und brauchte ein neues Sockenprojekt für unterwegs. Anfang nächsten Monats hat einer meiner liebsten Menschen Geburtstag, ein Paar mit Liebe gestrickte Socken fehlen ihm auf jeden Fall, es gibt also eine Deadline. Die Garnwahl hat mir Lana Grossa mit einem Überbrückungspaket für die Wartezeit bis zur H&H erleichtert*: Cashmere Meilenweit in dunkelgrau, das passt zu ihm – der würd’ schließlich auch meilenweit für mich laufen ;-). Und da das Garn in 50g Knäueln kam, eignet es sich das Projekt auch für meine Schweinehund-Austricks-Technik…

Also jetzt der Versuch zwei Socken gleichzeitig zu stricken, oder auf Englisch:

Two-at-a-Time Socks

Bei dieser Technik strickt man – wie der Name andeutet – beide Socken auf einmal, mit dem Magic Loop auf einer Rundnadel mit langem Seil. Da gibt’s doch was von Ratiopharm, Quatsch, von HiyaHiya, nämlich das ultimative Nadelspitzen-Set für Socken. Damit stricke ich seit Monaten Tücher und Pullis, aber back to the roots damit!

Da ich gerne das Garn restlos aufbrauchen möchte, also die Beinlänge vom Garn abhängig mache, habe ich mit der Spitze angefangen. Dafür mache ich den Judy’s Magic Cast On und stricke meine normale Spitze falschherum (also Zunahmen statt Abnahmen) auf zwei Nadeln des Nadelspiels.


Am Ende der Zunahmen gehen die Spitzen dann auf die Rundnadel, dabei muss man drauf achten, dass man die Reihenfolge beachtet: Sohle Socke 1, Sohle Socke 2, Oberseite Socke 2, Oberseite Socke 1. Zwischen Sohle und Oberseite von Socke 2 guckt die Schlaufe vom Magic Loop heraus. An jedem Socken hängt ein Knäuel Garn.
Soweit zur Theorie.

Praxis:

Joa. Ich habe im Zug etwas vor mich hingestrickt, und gemerkt dass meine Idee für’s Muster für dieses Garn Mist war. Also ribbeln. Auch zwei gleichzeitig. Das war fast noch mehr Mist als das Muster, aber schlußendlich war ich wieder am Ende der Spitzen. Dann habe ich entschieden für meinen ersten Versuch auf ein Fremdmuster zurückzugreifen, schön einfach, damit ich mich auf die Methode konzentrieren kann. Es ist dann Petty Harbour von Rayna Curtis geworden (gibt’s gratis bei Ravelry, auf Englisch, nein ich kann das jetzt nicht eben übersetzen, sind aber wirklich nur rechte und linke Maschen, trau dich!). 

Gefällt mir jetzt richtig gut. Garn und Muster harmonieren, absolut männertauglich, nicht aufgeregt, aber auch nicht langweilig zu stricken.
Auch wenn ich bisher nur die Hälfte der Fußteile fertig habe, maße ich mir ein Urteil an:

Kann man machen. Hat definitiv seine Einsatzbereiche:

Das Second Sock Syndrome killt es per Definition. Super. Genau mein Ding. Man muss auch nicht immer den zweiten Socken an den ersten halten um zu sehen wie weit man ist. Mega! Außerdem stricken sich die linken Maschen viel besser als auf dem Sockenwunder.

Leider bin ich aber unendlich viel langsamer.

Nicht weil die Nadeln doof wären, ich stricke mit so spitzen Nadeln viel viel schneller als mit dem wirklich stumpfen Sockenwunder, aaaaaaaaaaaaber:

Magic Loop unterbricht meinen Strickflow. Und zwar massiv. Das ständige Gezerre und Geschiebe, dabei den Arbeitsfaden hängen lassen, dann wieder hochnehmen, und dann erst geht es weiter. Aaaargh. Mein Geduldsfaden!!!!

Außerdem geht mein eben mal schnell nebenbei ein paar Maschen halt nicht. Man strickt quasi in Reihen. Jede Reihe ist genauso lang wie eine Runde des Sockens, in meinem Fall gerade 72 Maschen. Mittendrin mal eben in die Tasche stopfen und zur Anschluss UBahn laufen ist raus, das geht beim Sockenwunder, hier aber nicht. Stattdessen muss man in der Mitte der langen Reihe auch noch den Arbeitsfaden wechseln, damit man nicht aus Versehen die zwei Socken aneinander fest strickt… Also müsste man unterwegs vor dem Beginn jeder Reihe hochschauen, im Kopf überschlagen ob bis zum nächsten Halt noch eine Reihe drin ist, und gegebenenfalls zwei Stationen mit müßigen Händen fahren. Wie ein Nichtstricker… ist das zu fassen? Und der einzige Vorteil am Bahnfahren ist auf einmal auch noch dahin!!!

Du siehst: Ich find die Technik grundsätzlich prima. Und für den nächsten Pulli von unten werde ich auf jeden Fall die Ärmel so stricken! Da werden die Zunahmen automatisch gleichhoch und alles ist prima symmetrisch, klasse! Auch für Handschuhe ist das bestimmt ne gute Methode.

Aber für Socken? Bestimmt irgendwann wieder. Sisu kommt ja auch in 50 g Knäueln, und ich habe hier auf dem Schreibtisch ein ganzes Heft mit Sisu Socken und Handschuh Anleitungen, für die ich nächste Woche Strickpakete einstellen werde. Alle komplizierteren Muster, die sowieso nicht für unterwegs wären, bei denen die Geschwindigkeit eh gedrosselt ist, oder Muster bei denen das stumpfe Sockenwunder an seine Grenzen stößt, all so etwas könnte ich mir mit dieser Technik echt gut vorstellen.

Trotzdem werde ich weiterhin immer ein Paar Socken auf den Mini Rundnadelchen in die Handtasche stecken. Für die Kurzstrecke. Oder wenn das Coffee Date am Telefon hängt. Oder wenn’s einfach mal wieder länger dauert. (Snickers macht nämlich dick. Socken nicht.) Bis dahin sind aber erstmal diese hier auf meinen Nadeln, daher geht’s damit zu Marisa’s Link up–> hier.

*Das ist ein PR Sample, ich habe also für das Garn nicht bezahlt. Ich wurde aber auch nicht bezahlt um irgendetwas darüber zu schreiben. Meine Meinung ist nicht käuflich, und als Garnshop-Betreiber muss/darf ich öfters mal kostenlos Garne ausprobieren um mein Sortiment zu entscheiden. Es geht in diesem Beitrag nicht um das Garn, sondern um die Technik, trotzdem kennzeichne ich es als “Werbung”, da die Rechtslage bei diesen Dingen gefühlt die Konsistenz von Wackelpudding hat.