Ein Monat Sage

Es sind jetzt genau vier Wochen um in denen ich (unter anderem) am Sage stricke. Zwischendurch habe ich einen Teststrick für einen Männerpulli eingeschoben – Details folgen sobald das Muster veröffentlicht ist – und noch das ein oder andere Projekt bearbeitet. Im Moment sieht es an der Front echt ganz gut bei mir aus. Vier Projekte belegen meine Nadeln, das ist nicht mehr weit von der Optimal-Wunsch-Vorstellung von 3 aktiven Projekten auf einmal entfernt…nur lächerliche 33% zu viel, ne? 😉

Aber zum Thema:

SageWoche3-2

Seit dem letzten Update ist Sage um einen weiteren halben Musterrapport gewachsen. Da ich den Tunika-Schnitt des Originals in ein Kleid verlängert habe, habe ich jetzt erst mit den Abnahmen der Anleitung begonnen. Die Runden sollten also kürzer, ergo schneller werden. Bisher merke ich davon aber nicht viel.

Mein Tempo ist etwas gedrosselt worden, da ich bei meinem Ausflug nach Berlin nur einige Knäule mitnehmen konnte. Zugfahrt hin und das Stricktreffen mit Marisa in der Snuggery, und ich hatte noch genug Farben für zwei Stunden am nächsten Tag…also Socken angeschlagen. (Nur diesem Umstand ist mein Überschreiten der magischen 3er Grenze geschuldet, ich kann quasi nix dafür)

Zurück daheim habe ich den Turbo eingelegt, musste aber beim Stricktreff mit Tüt’s Julia feststellen dass ich mich irgendwo verzählt hatte. Zwei Runden rückwärts gestrickt, kein Thema. Leider bin ich überhaupt kein geduldiger Mensch, für mich ist Fortschritt in Zeitlupe zurückzuspulen ein absoluter Nervenkrieg.

Auch dieser Stolperstein ist überwunden, es stellt sich aber direkt ein neuer in den Weg: Wieso macht man einen Chart mit dreiunddrölfzig verschiedenen Markierungen für Abnahmen an Armen sowie gefühlt Bauch, Beinen & Po, kann aber nicht einmalen wo die verflixten Taschen hin sollen? Stattdessen im Text kryptische Textaufgabe: Bis ** stricken, dann Abnahme, wiederholen xmal nach y Reihen, dann zmal nach weiteren y Reihen, jetzt Taschenfutterlappen einfügen.

Quelle: Pinterest

Quelle: Pinterest

Wie gesagt…mangelnde Geduld, ich hab’s jetzt einfach vom Bild abgeguckt…ob die Taschen eine Reihe oder zwei zu hoch oder zu tief sind stört eh keinen großen Geist.

Die männliche Herangehensweise

Beim Thema Taschen muss ich gerade mal einem lieben Freund danken. Bereits ganz am Anfang habe ich unter der Aufsicht eines alten Schulfreunds bei unserm regelmäßigen Gin & Tonic Abend am Sage gearbeitet. Wie Männer so sind, es wurden interessierte Fragen gestellt, nur halt zu Themen die bei den meisten Frauen an 100. Stelle kämen. Statt Passform, Fasermischung, Nadelstärke etc. interessierte ihn die Funktionsweise des Nadelmaß, der “Rechenschieber” am Maschenprobenmessgerät und so. Haben wir besprochen, ich glaube bald fängt er an zu stricken um die Aerodynamik von Stricknadeln zu optimieren.

Gestern jedenfalls unterhielten wir uns über Gott und die Welt, als ich auf die Idee kam ihn die Anweisungen zur Taschenplatzierung interpretieren zu lassen. Und sagte im Nebensatz: Ich glaube nicht dass ich es schaffe die Taschen nachher unsichtbar einzunähen. Reaktion pragmatischer Mann: Ja kann man denn nicht einfach Beutelchen stricken?

Tadaaaaaaaaaah! Beutelchen! Ja! beuteltasche2

Da wir diese Diskussion gegen 3 Uhr früh und nach besagtem Gin & Tonic hatten, entschied ich mich erstmal eine Nacht darüber zu schlafen. Und wachte auf mit der Erkenntnis, dass ich a) Beutelchen und b) warme Beutelchen stricken würde. So dass ich quasi eingebaute Handschuhe im Sage haben kann. *Frostbeulen Fia freut sich* Kurzzeitig habe ich noch über seitliche Taschen sinniert, dann aber entschieden dass meine Variante Sage schon genug Steeks bekommt (voraussichtlich vier). Es bleibt bei der Platzierung aus dem Originalmuster.

Da die Taschen innen liegen müssen sie nicht zwingend im gleichen Material und Muster gestrickt werden wie das eigentliche Kleid. Allerdings sollten sie schön dünn sein, damit sie nicht durchdrücken. Aus diesem Grund habe ich mich für eine Kombination entschieden: Ich stricke die Beutelchen aus Regia Sockenwolle (dünn aber belastbar, die Tasche muss auch mal den Schlüsselbund ertragen), und einem dünnen Probefaden für mein Mohairgarn Nornir. Diesen Faden hatte ich bei der Farbauswahl bekommen, um den Effekt ausprobieren zu können. Die Kombination aus beidem ist flauschig und warm, aber eben auch stabil und dünn.

beuteltasche

Wenn man die Tasche jetzt neben das Kleid legt könnte man meinen ich sei völlig verrückt geworden, aber der große Geist und so. Irgendwann heute habe ich dann die Vision gehabt, wie meine Nachfahren eines Tages meinen Schrank leer räumen, und auf Sage stoßen. Ich hör schon ein: “Omma hatte echt Spaß anne Freud'”** 🙂

SageWoche3

Und die noch vollkommen Nachkommen-lose Omma hatte heute richtig Spaß anne Freud, es war nämlich so traumhaftes Wetter, dass ich mit einer Walkdecke auf der Terrasse stricken konnte. Gefolgt von zwei Stunden Gartenarbeit. Nach den scheinbar endlosen Regenmonaten verabschiedet sich der Februar versöhnlich. Und mit Sage lege ich noch einen Endspurtbeitrag zur Auf den Nadeln Februar Aktion bei Maschenfein.

Bis zum nächsten Sonntag mit Sage, dann hoffentlich beim verzweifelten Überlegen wie man Ärmelsteeks am besten bastelt. Zur Unterhaltung frag ich mal im männlichen Freundeskreis nach technischen Lösungen.

** Ich erwarte irgendwie dass meine Nachkommenschaft Platt spricht. Warum weiß ich nicht.