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Kennst du die Regia Premium Garne, auch “Krönchenwolle” genannt?

Sockenwolle, aber mit dem gewissen Extra, von Seide über Cashmere oder Yak zu Bambus. Alle Krönchengarne haben einen Anteil Luxus-Fasern.
Anfang des Jahres habe ich mit einem Probeknäuel der neuen Cashmere* Qualität herumgespielt, während ich gerade ein Buch über meine Namensvetterin (?) Sophia Duleep Singh, Prinzessin des Punjab und Patenkind von Queen Victoria gelesen habe.
Im Maschenfein Podcast hatte ich kurz zuvor gehört, dass Schachenmayr alle Designs mit Krönchenwolle nach Schlössern benennt, und mein Gehirn kam ins Rattern:

Wäre es nicht total naheliegend, eine Kollektion an Anleitungen zu entwerfen, die von relativ unbekannten, historischen Prinzessinnen / Königinnen / Adligen inspiriert sind?
Ladies, die im Geschichtsunterricht eher nicht vorkommen, aber bei genauem Hinsehen halt doch ziemliche Badasses sind?
Und so entstand die Idee für die “Regia Royale Rebellinnen“.

Für die nächsten Monate habe ich eine Reihe an noblen Damen aus der ganzen Welt herausgesucht, und jeden Monat wird es ein Design und einen Blogbeitrag geben, in dem ich dir die ungewöhnlichen Frauen und ihre Geschichten vorstelle, erzähle wie meine Verknüpfung von Person und Strickstück, Material und Methoden kommen.

Und den Anfang macht:

Sobekneferu aus Altägypten

Sobekneferu Pharaonin SockenZu Ehren der ersten verbrieften regierenden Pharaonin, habe ich mir ein Paar Sneakersocken ausgedacht.

Gestrickt habe ich aus Regia Premium Bamboo*.

  • Erstens weil noch Sommer ist, und Sneaker-Woll-Socken klingt erstmal wie ein Oxymoron. Bambus ist kühl auf der Haut, ein typisches Sommergarn.
  • Zweitens weil Bambus auch am Nil entlang wächst, ein beliebtes Baumaterial durch die Geschichte ist, und gerne für Gitterwände gebraucht wurde/wird, bei denen mit durchbrochenen Mustern Licht und Schatten zu eigenen Bauelementen werden.

Das passte gut zu meiner Eingebung von einem einfachen Lochmuster, das sich über den Fußrücken bewegt. Sommerlich, leicht, vielleicht sogar eher Mückenschutz als Wärmequelle?

Und wenn du doch lieber warme Füße magst, mir gefällt meine Yak Version* in 7504 auch sehr gut.

Der geriffelte Effekt der Ab- und Zunahmen erinnert mich an den Rücken eines Krokodils, wenn es träge im Nil planscht und auf Beute lauert.
Die Farbe 070 “grasgrün”* war also schnell klar, denn wer erinnert sich nicht mehr an Schnappi, das kleine Krokodil vom Nil? Eindeutig grün. Bambus auch, eindeutig grün.

Und wer ist jetzt diese royale Rebellin?

Tja, wir bleiben beim Krokodil. Denn Sobekneferu bedeutet “die Schönheit des Sobek”, und Sobek war der krokodilköpfige Gott der pharaonischen Macht und der Fruchtbarkeit.
Eins vorneweg, mit der Fruchtbarkeit hat es in diesem Fall nicht so geklappt, denn Sobekneferu war die letzte Vertreterin ihrer Dynastie – der zwölften – und als sie nach vier Jahren Herrschaft starb, endete mit ihr ein Zeitalter.

Regiert hat Sobekneferu zwischen 1806 & 1802 v.Chr., also langlangher.
Sie war wohl die Tochter des Pharao zwei vor ihr, ihr direkter Vorgänger eventuell ihr Stief- oder Halbbruder.
Da sie sich als “Tochter des Pharao von vor einigen Jahren” und nicht als “Schwester von dem Pharao an den ihr noch frischere Erinnerung habt” bezeichnete, gehe ich davon aus dass keine große Geschwisterliebe bestand, und die beiden auch nicht – wie sonst häufig in den pharaonischen Familien – miteinander verheiratet waren.

Von ihrer Herrschaft ist nicht viel bekannt, außer die Nilstände, die wurden immer artig notiert, denn von der Höhe der jährlichen Nilflut hing fast die gesamte Nahrungsversorgung des Reichs ab.

Ansonsten wissen wir nur, dass sie die erste eigenständige Regentin von Ober- und Unterägypten war, und – etwas untypisch – ihre Namen auch nachträglich nicht aus den Königslisten gelöscht wurden. Das haben die Jungs im Reich am Nil später nämlich gerne gemacht wenn ein “Unfall” der Geschichte ihnen eine weibliche Herrscherin verschafft hatte.
Nach deren Tod wurden sie meist schnell ausradiert, nicht dass sich diese Idee rumsprechen würde…
Frauen auf dem Thron, da wird ja die Sphinx in der Pfanne verrückt!

Insgesamt muss sie also eine mindestens durchschnittliche Herrscherin gewesen sein, denn wenn der erste Versuch einer Frau an der Macht nach hinten losgegangen wäre, man stelle sich die Klatsch-Papyri jener Zeit vor…

Und wie sah die Krokodil-Schönheit aus?

Keine Ahnung.

Denn leider sind aktuell alle Sobekneferu Büsten, die mit ihrem Namen beschriftet sind, kopflos.
Eine einzige Darstellung mit Gesicht wurde ihr zugerechnet, aber die ist leider im zweiten Weltkrieg in Berlin verschollen.

Bild Sobekneferu Büste

Quelle: Wikipedia

So viel dann auch zum gern genutzten Argument, dass altertümliche Kunst besser in den Museen der “entwickelten Welt” aufgehoben ist, weil man bei uns so gut auf alles aufpasst.

Ägypten: fast viertausend (in Zahlen: 4.000) Jahre mit heiler Büste,

Deutschland: Uuuups. Also die deutsche Gründlichkeit meinten wir mehr so sprichwörtlich. Immerhin, fast 50 Jahre! Aber no hard feelings, wir haben immerhin nen schwarz-weiß Foto davon gemacht…guckt’s halt eh mal die Ohren…eher so ne 4/10, tendenziell auch etwas kräftig…”Schönheit” des Sobek ist da wohl auch etwas weit hergeholt… wir haben uns dann lieber schützend über die Nofretete geworfen, weil dit war ja mal ne richtich eene Schönheit, wa?

Über das Design:

Die Anleitung zu den Sobekneferu Socken kannst du bei Ravelry oder Lovecrafts bekommen, sie ist für EU Schuhgrößen 36 – 43, solange du dich artig an die Maschenprobe hältst.
Und aus einem 100 g Knäuel kannst du sogar zwei Paar stricken.

Im Pdf sind Tutorials verlinkt, so dass du auch als ambitionierter Sockenneuling mit dem Muster klarkommen kannst.

Für die einzige – zugegebenermaßen – komplizierte Methode biete ich eine Alternative an, aber ich finde das winzig kleine Kontrastdetail im Bündchen allerliebst.


Außerdem sitzt es etwas besser als die anfängerfreundlichere Methode.
Probier’s doch einfach mal, wenn du vorher einen Sicherheitsfaden einziehst kannst du ganz ohne Risiko zurückribbeln falls es absolut nicht klappt mit dem fummeligeren Bündchen.

Apropos Bündchen… siehst du auch die Krokodilzähne vom schönen Sobek?

Und falls du bis hierher noch den Ohrwurm vom Schnischnaschnappi hast, dann gebe ich dir hier das Gegengift:
Wieder ein Ohrwurm, wieder seichtes Liedgut, aber mit Max Raabe und seiner “Bar zum Krokodil” wirkt man vielleicht kultivierter?