Hast du früher auch gerne eine Höhle aus deiner Bettdecke und den Kissen gebaut, und dort gelesen?

Ich kann mich persönlich nicht daran erinnern wirkliche Konstruktionen gebaut zu haben, sondern einfach nur dass ich den Lärm von drei Brüdern aus meinem Reich aussperren wollte, mir die Decke über den Kopf gezogen habe, ein paar Kissen drumherum, damit Platz für Lampe, Buch und Luft blieb, fertig war meine Ruhezone.

Ein Blick auf Pinterest zeigt eine etwas andere Ausprägung: Das “Blanket Fort”, frei übersetzt eine Deckenburg.

Erwachsene bauen mit / für Kinder/n (die sind offenbar keine notwendige Bedingung, das innere Kind reicht aus), richtige Zelte aus Decken, Teppichen, Laken, Besenstielen und Kissen. Teilweise sind diese Kuschelhöhlen für Übernachtungsparties im Garten, teilweise aber auch semi-permanent im Kinderzimmer aufgebaut. Teilweise ähneln die Konstruktionen schon Bedouinenzelten, richtig mit Lampions und Sitzkissen.

Fast ein bisschen schade, dass ich damals nicht auch so tolle Zelte gebaut habe. Aber ich glaube der Sinn und Zweck sind der gleiche: Ein Geborgenheitsgefühl, umgeben von weichen Stoffen und gedämpftem Licht. Ein Ort zum Wohlfühlen und Kraft tanken.

Von daher macht es wohl Sinn, dass Sylvia McFadden ihr quadratisches Riesentuch “Blanket Fort Shawl” genannt hat. Warm, wohlig und groß genug um darin einen blöden Tag zu verschlafen.

Mir ist das Design um Weihnachten herum bei Ravelry über den Bildschirm gekommen. Eigentlich hatte ich vorgehabt für meine Nichte – die im Februar erwartet wird – ein eigenes Muster zu entwerfen, aber hier passte einfach alles:

Das Tuch wird in Worsted-Weight Garn gestrickt, also relativ dick. Das hatte ich für das Winterbaby sowieso angepeilt. Das Lace Muster finde ich dabei toll, denn es sieht einerseits etwas mädchenhaft aus, ohne zu verspielt zu sein, und andererseits hält es beim Stricken die Spannung aufrecht.

Bei der Garnwahl musste ich etwas über meinen Schatten springen, und praktische Gesichtspunkte über persönliche Befindlichkeiten stellen: Ich habe mit Superwash Garn gestrickt. Genauer gesagt mit Rowan Pure Wool Worsted.

Grundsätzlich habe ich einige Gründe, warum ich Superwash wenn möglich/sinnvoll vermeide, dazu aber ein andermal mehr Details. In diesem Fall mussten meine Wünsche hinter der Lebensrealität zurückstehen:

In der Schweiz gibt es für Angestellte kleinerer Unternehmen nur sehr begrenzte Elternzeit, dafür aber die Möglichkeit die Kleinsten bereits einige Wochen nach der Geburt in Tagesbetreuung zu geben. Nun ist die werdende Mutter nicht die erfahrenste Wollwäscherin, und die Tagesbetreuer/innen haben sicher auch anderes zu tun, als ständig Milchflecken von Babydecken sanft einweichen zu lassen. Wenn mein Werk also ein langfristigeres Deckenfort für die Kleine sein soll, dann muss es ohne viel Tamtam mit in die Maschine können.

Für meinen Neffen habe ich damals diese Decke aus Lamana Como gestrickt, das kann auch bei 30° in die Maschine, allerdings waren die betreffenden Eltern auch lange mit ihm zuhause und haben Nachhaltigkeit und Liebe zum Material über Bequemlichkeit stellen können – und ich habe glücklich zur “richtigen” Wolle gegriffen.

Was beide Decken gemein haben: Sie sind quadratisch, und groß genug um sie auch als Tuch zu tragen. Das finde ich total praktisch, denn so kann die Mama unterwegs die Decke um den Hals und das Baby am Bauch tragen. Am Ziel angekommen, gibt es direkt eine angewärmte Liegefläche für den Zwerg, die auch noch praktischerweise nach Mama riecht.

Zum Projekt:

Ich habe fast genau 500g verstrickt – Die Anleitung gibt die empfohlene Menge als 990 Yards an, und das kommt mit 5 Knäuel à 219 Yards sehr gut hin.
Ganz entgegen meiner üblichen Tendenzen habe ich mich fast zu 100% an die Anleitung gehalten. Meine einzige Änderung war, dass ich deutlich kleinere Nadeln genommen habe. Und das obwohl ich ja eh schon als (stich)fest strickend bekannt bin.
Wieso?
Das leidige Superwash Thema.
Eins ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Superwash wächst und wächst und wächst. Das erste Mal in der Wäsche, zack mindestens ne Nummer größer. Dazu leiert es auch noch über die Lebensdauer aus, aber das schlimmste ist die erste Wäsche.
(Ich bin ja eh schon Verfechter der Maschenprobe, aber wer Superwash einfach mal so nach Gefühl verstrickt und nachher in seinem Pulli zu ertrinken droht, der hat es fast schon verdient ;-))

Meine “Maschenprobe” war eine Decke aus dem gleichen Garn, die ich vor einigen Jahren gestrickt habe. Anhand meiner Notizen von damals habe ich beschlossen, dass mir das Gestrick nach Wäsche (jaaaaa, Maschenproben muss man waschen, damit sie überhaupt was aussagen) am besten von einer 4mm Nadel gefiel, also 0,5 mm kleiner als in der Anleitung empfohlen. Aber das Original ist ja auch nicht aus Superwash Garn gestrickt.

Obwohl ich das Ganze wirklich gut durchdachte hatte, kamen auch mir zwischendurch Zweifel. Das Gestrick wurde bombenfest, ein Baby hätte sich auf den Abnahmen im Lacemuster blaue Flecken liegen können, es wirkte fast als hätte ich sehr feste Knoten ins Muster integriert. Der Rand war so fest, dass er richtig Stand hatte. Wenig kuschelig…

Doch die Wäsche und ein paar Stunden auf den Spannmatten haben mir Recht gegeben. Quadratisch, weich und locker fallend – genau wie es sein soll. Jetzt stimmt auch die Maschenprobe mit der Anleitung überein. Hätte ich diese Maschenprobe vor der Wäsche gehabt, dann müsste die Nichte demnächst unter einem löchrigen Lappen ohne Form liegen.

Ach ja, quadratisch. Da kommen wir zu den drei Dingen, die ich bei einer weiteren Decke anders machen würde:

  1. Die Garnwahl (wenn sinnvoll) anpassen. Bergamo oder Alpakka Ull würden sich super eignen, beides Mischgarne aus Wolle & Alpaka ohne Superwash Ausrüstung. Wolle macht leicht, Alpaka warm, beide sind sehr angenehm auf der Haut, und beide lassen sich steeken, denn:
  2. Das nächste Blanket Fort würde rund gestrickt und geschnitten. Die immer länger werdenden Rückreihen in glatt links haben richtig genervt. Ich würde es machen wie bei meiner Kjell Decke, und die Blende über dem Steek wäre auch wieder ein schönes Detail.
  3. Der letzte Abschnitt der Decke wird kraus rechts gestrickt. Das finde ich im Nachhinein stilistisch nicht so schön, vor allem ist es aber ein kleiner Fallstrick: Das kraus rechte dehnt sich nicht so sehr in die Breite wie das Lace Muster, das Tuch trotzdem ins Quadrat zu spannen ist mehr Krampf als nötig. Wenn ich diesen Teil nochmal so stricken würde (unwahrscheinlich), dann würde ich hier mindestens eine halbe Nadelstärke hochgehen.

Insgesamt finde ich die Anleitung aber wirklich toll, das Muster ist so einfach, dass ich nach kürzester Zeit blind vor’m Fernseher stricken konnte. Die Anweisungen sind klar und deutlich, sowohl als Chart als auch ausgeschrieben, und eignet sich auf jeden Fall für Anfänger und sicher als erster Versuch mit englischen Mustern.

Für die Nichte ist es hoffentlich für eine ganze Weile eine Deckenburg zum geborgen fühlen. Und ich plane schon mal das Erwachsenen Garten-Blanket-Fort für den Sommer. Mit Lampions, Gin Bar und Strickecke 😉