Es ist Socktober!

Der perfekte Zeitpunkt um dir mein neues Spielzeug vorzustellen:

Die Ashcroft Makers 3D Printed Circular Sock Machine

Und damit du es überhaupt durch diesen sehr sehr langen Post schaffst: 
Den gesamten Socktober lang gibt es im Shop 10% auf die Kategorie "Socken Stricken". Einfach beim Chech-Out den Gutschein Code:   Socktober2020 eingeben.

Vor einem halben Jahr, also im tiefsten Corona Lockdown, habe ich mal wieder meine Kisten voll Sockenwolle angestarrt. Mensch, Mensch, Mensch… was sich da angesammelt hat. Ob ich das in meinem Leben noch mal weggestrickt bekomme? Oder zumindest bis zum nächsten Umzug?

Dazu der ständige Bedarf nach neuen Socken von allen Seiten.

Ich habe ja wirklich erfreulich viele Fans von Wollsocken um mich rum. Und denen würde ich am liebsten allen welche schenken… aber wie sagten schon Fischmob (allerdings über eine Putzfrau):

“Die bräucht’ ja Tausend Hände, und sicherlich bis zur Jahrtausendwende!”

Die Zahl meiner oberen Extremitäten scheint aber auf n=2 beschränkt, und auch mit medizinischem Fortschritt sehe ich mich nicht bis ins Jahr 3000 stricken. Außerdem wünschen sich fast alle möglichst glatt rechts gestrickte Socken. Weil die am besten in die Schuhe passen.

Versteh ich, find ich aber auch nicht soooooo spannend zu stricken. (Wobei ich ja routinierter Schlauch-im-Gehen-Stricker bin, siehe hier.)

Seitdem ich mal bei Amy vom Stranded Podcast von ihrer Sockenstrickmaschine gehört habe, poppt daher immer wieder der Gedanke auf. Das wär’s doch. Glatt rechts gestrickte Socken ohne Ende, Wollbestände gehen runter, Platz in der Wohnung rauf, alle sind happy. Und so googlete ich alle paar Monate, landete wieder mal auf den einschlägigen Seiten, und endete mit:

NEIN.

Über 1500€ für eine Sockenstrickmaschine…(plus Zoll). Der Ökonom in mir rechnet da ganz hart nach und denkt sich: Da musst du auch über 1500€ viel Nutzen raus ziehen. Das sind ne Meeeeeeenge Socken.

Aber im April bin ich dann auf eine neue Option gestoßen: Finn von Ashcroft Makers produziert in einem 3D Drucker. So kann sie die CSM (circular sock machine) schon für ungefähr 1/4 des Preises der amerikanischen Luxusvariante anbieten.

Und im tiefsten Corona Wahnsinn habe ich zugegriffen…

Naja… also zugreifen kann man es nicht wirklich nennen. Denn bis ich das Teil in den Händen hielt war es auf einmal Juli. 3 Monate später also. Aber fein. Gut Ding will Weile haben.

Aber so gut war es dann erstmal gar nicht.

Erster Eindruck: Gute Güte! So viel Müll! 3D gedrucktes ist wohl nicht besonders belastbar, und so schickte mir Finn mindestens genauso viel Volumen an Noppenfolie wie eigentliches Produkt. Und mit meinen zwei Zylindern (60 & 72 Maschen) kommt da einiges zusammen

Schon beim Auspacken haben wir eine Liste begonnen: “Dear Finn, we have notes…” (wir haben da Anmerkungen).

Die Maschine muss an einer Tischplatte o.ä. festgeschraubt werden. Genau wie für meinen Garnwickler etc. habe ich eine Ikea Leiter genommen. Die kann mit Aufbau in die Ecke geschoben werden, und ich muss nicht jedes Mal auf- und abbauen.

Die Bedienungsanleitung war Murks, nur dank Youtube haben wir es überhaupt hingekriegt. Und als wir den Zylinder wechselten fing das eigentliche Drama erst an. Nichts ging mehr ohne Widerstand, das Gerät sprang und zickte, Maschen fielen, ich fluchte. Auf dann ging auch der kleinere Zylinder nicht mehr. Und jedes Mal, wenn wir wieder einen Versuch starteten, und kurbelten bis die Maschine blockierte, mussten wir das komplette Restknäuel durch die winzige Garnzufuhr friemeln.

Ursprüngliche Garnzufuhr. Einmal drin muss der Faden komplett durchgezogen werden, auch zum Ribbeln. 400m Garn können SEHR lang erscheinen. 

Finn war zum Glück unglaublich offen für Feedback, wir schrieben über zwei Wochen hin und her, tauschten Fehlermeldungen & Verbesserungsvorschläge gegen Tipps wie es vielleicht noch zu retten sei. Aber am Ende lenkte ich ein und schickte das defekte Teil zurück nach Schottland.

Die neue Befestigung ist statisch gesehen viel viel viel besser. Die Kurbelbewegung hat beim alten Modell so viel Kraft auf die (Kunststoff-)Schraubzwingen ausgeübt, dass diese nach kürzester Zeit schon Materialermüdungserscheinungen zeigten. Leider funktioniert diese Befestigung nicht mehr mit der Leiter.

Und dann kam vor zwei Wochen die Maschine wieder. Und sieht auf einmal anders aus, denn Finn hat unser Feedback direkt umgesetzt, die Bedienungsanleitung ist neu, die Konstruktion deutlich stabilisiert, und insgesamt nutzerfreundlicher gemacht.  Alle unsere “Notes” sind umgesetzt! Die neue Bauart federt beim Kurbeln weniger nach, das Material wird weniger beansprucht.  Und wenn was schief läuft, hat man jetzt die Möglichkeit das Knäuel aus der Maschine zu lösen, ohne das gesamte Knäuel durch den Garnkanal zu ziehen… (und glaub mir, dabei fallen einem Flüche ein, bei denen darf dich niemand hören.)

Neue Garnzufuhr. Kleine Veränderung, Riesen Effekt!

Mit der neuen Maschine kurbelt es sich jetzt gelassen, außerdem hat Finn die Anschlagmethode vereinfacht und mir direkt die passenden “Sock Bonnets” mitgeliefert. Eine deutliche Verbesserung des Anfangs – dafür ein etwas längerer Prozess am Ende.

Das Gewicht zieht den Schlauch nach unten, und sorgt dafür, dass die Nadeln oben eine neue Runde dranstricken können. Die Befestigung verlangt etwas Geduld und Fingerfertigkeit, muss außerdem immer wieder nachgezogen werden. Hier gibt es auch bei der neuen Version noch Verbesserungspotential.

Und? Empfehle ich jetzt allen sich in die Warteliste für 2021 einzutragen?

Nö.

Also die CSM ist ein feines Spielzeug. Und wir kurbeln aktuell fleißig die Sockenwolle zu Schläuchen. So viel, dass ich mir sogar schon ein Knäuel neue Ringelwolle genehmigt habe *urgh*. Aber Spitzen, Fersen & Bündchen sind weiterhin Handarbeit. Statt Knäuel liegen hier jetzt also körbeweise Sockenschläuche und warten auf Vollendung. Also auch weiterhin keine rekordverdächtige Sockenfertigung. Aber darum ging es ja auch nicht. Insgesamt geht es natürlich trotzdem schneller. Einfach Wollsocken kaufen ginge aber noch schneller. Und wäre noch auf Jahre billiger als Garn + Maschine + Arbeitszeit.

Außerdem: Trotz der vielen Verbesserungen ist die 3D CSM ein Kunststoffding, das einer Menge Reibung ausgesetzt ist. Sie ist empfindlich gegen Sonne und Wärme, hält keine Stürze oder heftige Stöße aus. Eher nix für einen Haushalt mit Kindern, Bewegungslegasthenikern (wie mich), oder stürmische Haustiere.

Wenn ich meine Sockenschläuche bisher immer auf dem Sockenwunder gestrickt habe, dann ging das nebenbei, ich konnte nebenbei alles andere machen. Das ist mit der CSM nicht drin. Das Teil rattert wir eine antike Nähmaschine. Und auch die Augen müssen immer drauf sein. Denn bisher haben wir noch keinen Schlauch ohne mindestens 20 gefallene Maschen hinbekommen. Und die müssen sofort wieder hochgehoben werden. Mit einer Mini Häkelnadel geht das ganz gut. Aber statt nebenbei, dafür langsam, braucht die CSM echte Arbeitszeit, gutes Licht und Aufmerksamkeit.

Wenn es läuft, dann läuft es. Man beachte allerdings die immer griffbereite (blaue) Häkelnadel zum Maschenauffangen, und das umgewickelte Garn. Direkt vom Knäuel ist nur mit einem zweiten Paar Hände gut zu machen, das beste Ergebnis habe ich mit einem Strang direkt von der Haspel erzielt. Oberhalb der Maschine (hier alte Version) liegt auch der Anschlagkorb, zu dem wir kein tolles Verhältnis aufgebaut haben 🙂

Für 100g haben wir jetzt den Rekord von ungefähr 30Minuten aufgestellt. Also reine Kurbelzeit. Denn vor der Kurbel ist nach dem Wickler – ääääh, will heissen: Die Fadenspannung muss so konstant wie nur eben möglich gehalten werden. Und die “Wollkotze”, die am Anfang der stramm gewickelten Industriegarne kommt, die sorgt für ein unregelmäßiges Strickbild und viele viele übersprungene Maschen bei der Maschine. Daher wickle ich die Knäuel jetzt immer erst um, damit der Faden lockerer abrollt. Am besten hat man dann noch ein zweites Paar Hände, das den Faden zwischendurch korrigiert. Also rechnen wir mal pro 100g Schlauch mal 45m Arbeitseinsatz.

Die neue Version CSM mit Sock Bonnet – ich mag diese Methode lieber als den (auch mitgelieferten) Anschlagkorb.

Das Spielzeug ist also nur etwas für dich, wenn du:

  1. Einen Riesen Stash an Sockenwolle zu verstricken gedenkst.
  2. Glatt rechte Socken mit Afterthought Ferse* richtig toll findest.
  3. ein fortgeschrittenes Technikverständnis hast.
  4. mindestens fortgeschrittenes (Technik-)Englisch sprichst.
  5. nicht weitsichtig bist. (Winzige Maschen in Bewegung beäugen kannst).
  6. eine Mini-Häkelnadel am Mann / der Frau hast.
  7. von 5. & Dauer-Geratter keine Migräne bekommst.
  8. keine Wollsocken für 10€ auf dem Weihnachtsmarkt kaufen willst.
* Es ist wohl auch möglich mit der CSM eine Ferse mit verkürzten Reihen direkt mitzustricken, aber so experimentierfreudig bin ich (noch) nicht.

Und wenn diese 8. Punkte zutreffen, und du genug Geld für die (immernoch teure) Maschine hast, dann warte noch eine Sekunde!

Aus der Maschine kommen noch keine fertigen Socken…

Überlege dir genau, ob du vielleicht lieber ein größeres Sparschwein besorgst, und noch eine Weile auf das  Luxusteil (mit ordentlicher Lagerkiste) aus Amerika sparst. Und parallel einen Suchalarm bei Ebay einstellst, der dir sagt, falls eine gebrauchte Maschine auf den Markt kommt. Oder vielleicht mit deinem Stricktreff zusammenlegst, und ihr kauft gemeinsam?

Denn ganz ehrlich: Das Teil braucht Platz, ist relativ empfindlich, und man braucht es wirklich nicht ständig im Einsatz zu haben. Ich könnte mir gut und gerne ein stabileres Exemplar mit mehreren Gleichgesinnten teilen.

Nicht falsch verstehen: Ich bin jetzt happy mit meinem 3D Maschinchen. Und sie ist ihren Preis auch absolut wert (jetzt wo sie funktioniert). Aber ich erkenne im Nachhinein auch, warum das Luxusteil so einen heftigen Preis wert ist. So eine Sockenmaschine ist ein echt ausgefeiltes Stück Technik. Und wenn man sich dafür begeistern kann macht es echt Spaß, dem ewigen Auf- und Ab der Nadeln zuzusehen.

Wenn unten der Sockenschlauch zum Vorschein kommt ist aller Groll vergessen.

Wenn du allerdings einen 3D Drucker Fan in deinem Leben hast, oder sonst einen Technikfan, der eventuell mehr Socken verschleisst als der Durchschnitt und etwas zu seinem Fußwohl beitragen würde (aber nicht soweit gehend dass er/sie selber das Sockenstricken anfängt), dann ist das Maschinchen eventuell eine gute Idee für die Arbeitsteilung. Auch ältere Kinder hätten sicherlich Spaß anne Freud’. Ich könnte mir das Gerät auch gut im LYS um die Ecke vorstellen, kauf dein Garn, strick dir direkt nen Schlauch. Und mein Bruder mit Yeti-Füßen (48!!!) wird sich in Zukunft das Wunschgarn aussuchen dürfen und dann direkt an Weihnachten selber kurbeln dürfen.