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Skandinavischer Stricksamstag #5

Hei og god dag!

In dieser Rubrik möchte ich euch Einblicke in die „Strickszene“ im Norden geben, euch Bücher, Blogs und Instagrammer, Tricks und Trends aus den Gefilden meiner zweiten Heimat vorstellen.

Was mich dazu beruft? Nun, mir wurde eine doppelte Staatsbürgerschaft in die Wiege gelegt (NO / DE), ich habe in Schweden und Norwegen gelebt (spreche beide Landessprachen), habe eine „Leihfamilie“ in Schweden, und verbringe gerne Zeit bei ihnen und in den Wäldern um unser Ferienhaus in Skåne.

If you like it then you should’a put a glove on it

Diese leicht abgewandelte Textzeile von Beyoncé Knowles soll uns heute nach Skandinavien führen. Klingt vielleicht komisch – ist aber so.

Und zwar möchte ich euch diese Woche die Stricktradition eines einzelnen kleinen Orts in Norwegen vorstellen: Selbu.

Vielleicht habt ihr schon mal von Selbumustern gehört? Wahrscheinlich nicht unter dem Namen, aber die achtblättrige Selbu-Rose kennt wohl jeder als eins der typischen Norwegermuster, und hat bisher darin einen Stern gesehen:

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Diese Rose/Stern ist in abgewandelten Formen die Grundlage der Selbumuster. Erstaunlicherweise kann man die Entstehung dieser Muster auf eine einzelne Frau aus Selbu zurückführen, Marit Emstad war die erste die ein Muster für Selbuhandschuhe entwickelt hat – die FAZ hat übrigens einen interessanten Artikel über Tradition und Emstads Leistung gebracht.

In prä-Internet Zeiten hatten Marit Emstad und die Damen ihres Orts ein ziemliches Wissensmonopol was die Muster für Selbuhandschuhe anging. So konnten die Frauen in Selbu sich ein gutes Zubrot verdienen, indem sie Handschuhe für den Handel herstellten.

Die Frauen entwickelten immer mehr Variationen der Handschuhe, und es entwickelte sich ein Brauch, dass zu Hochzeiten den Männern von ihren Frauen ein spezielles Paar gestrickt wurde. Die Handschuhe wurden so zu richtigen „Liebesbeweisen“, da wurden Initialen oder ganze Namen untergebracht oder wichtige Daten verewigt.

In einer Woche ist Valentinstag…wenn ihr euch ranhaltet schafft ihr noch eins dieser tollen Muster für eure Auserwählten zu stricken? Es müssen ja nicht direkt Fingerhandschuhe werden, Fäustlinge sind ein schönes Projekt für eine Woche.

Mein Paar habe ich im Herbst aus dunkelblauer und weißer Regia Sockenwolle gestrickt. Das macht sie herrlich widerstandsfähig und man sieht ihnen die tägliche Hundeleinenreibung bisher noch nicht an. Sogar männliche Komplimente gab’s dafür schon zu Hauf, außerdem schon mehrere Wunschanmeldungen…aber das wäre ja Polygamie 🙂

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Gratulera med dagen

Hipp Hipp Hurra Norge!

Blick aus meiner alten Wohnung

Der 17. Mai ist in Norwegen der Verfassungstag, denn heute vor 101 Jahren wurde in Eidsvoll das norwegische Grundgesetz verabschiedet.

Hierzulande kann man sich kaum vorstellen welch ein Volksfest jedes Jahr für die Verfassung veranstaltet wird: Die Menschen tragen größtenteils ihr „Bunad“, die traditionellen regionalen Trachten, und es werden lange Festzüge durch die Innenstädte veranstaltet – in Oslo geht es am Palast vorbei, wo die Königsfamilie in Bunad vom Balkon den Zug bewundert. Das Ganze ist wirklich ein grandioses Volksfest mit einem Meer von Flaggen! Man beglückwünscht sich zum Feiertag wie zum Geburtstag mit: Gratulera med dagen! (Gratuliere zum Tag!)

Warum sich die Norweger jedes Jahr wieder über ihre Verfassung so sehr freuen können?

Geschichtsexkurs

Nun…dazu muss man verstehen dass die Geschichte lange kein Siegerblatt an Norwegen ausgegeben hatte: In den Wirren des Mittelalters wurde fast der gesamte Adel durch eine Pestepidemie ausgelöscht, auch der König. Daraufhin ging man eine Union mit Dänemark und Schweden ein, die im 16. Jahrhundert endete. Dann geriet man unter dänische Herrschaft, dann 1814 wieder unter schwedische. Wie so oft gefiel es der Bevölkerung unter Fremdherrschaft nicht gut.

Mit der Verfassung erklärten die Norweger auch ihre Unabhängigkeit…ohne Erfolg. Erst 1905 gelang mit Unterstützung des deutschen Kaiser die Abspaltung von Schweden. Allerdings besetzten die Nazis im zweiten Weltkrieg das Land erneut. Insgesamt ist Norwegen also wirklich noch nicht viel unabhängig gewesen – da hat man natürlich eine ganz andere Wertschätzung.

Norsk Strikk

Auch wenn ich den 17. Mai dieses Jahr nicht in großer Runde gefeiert habe, so will ich euch zur Feier des Tages einige norwegische Strickinspirationen geben:

1. Das Koftebok! (Das Norweger Pulli Buch)

Das hier wird meine Sommerlektüre. Bei Instagram habe ich schon viele nachgestrickte Modelle aus dem Koftebok gesehen. Leider habe ich noch keine Möglichkeit gefunden es nach Deutschland liefern zu lassen, aber seit einigen Monaten zähle ich die Tage bis ich im Sommer mein eigenes in den Händen halte. Auch wenn ihr kein norwegisch sprecht, die Muster sind ja universal verständlich.

2. Pinneguri

Vielleicht erinnert ihr euch an meinen Thistle
Schal von vor einigen Monaten? Das Muster stammt von Pinneguri (a.k.a Ann Myrhe). Bei Ravelry gibt es noch viele, viele andere Muster von ihr. Außerdem hat sie ein Buch über norwegische Handschuhe geschrieben (Noch so eine Idee für ein Mitbringsel). Ich bewundere wirklich wie irre produktiv sie ist, so viele Muster (und Muster schreiben dauert echt lange)!

3. Pickles.no

Heidi & Anna von Pickles betreiben ein Wollgeschäft in Oslo, und diesen Webshop. Die Muster gibt es auf norwegisch und englisch, und eigentlich gibt es immer eine Größe gratis – quasi zum ausprobieren. Mein aller-aller-erstes mehrfädiges Projekt war die Mütze „From Norway with Love„. Das Muster ist super geschrieben, leicht verständlich und absolut Fair-Isle-anfängertauglich.

4. Paelas

Stricken für Kinder macht richtig Spaß! Klar – es ist schnell fertig, und Kinder sehen hammerniedlich in Strick aus. Das wissen auch die Ladies von Paelas, und entwerfen so richtig schöne Stricksachen für Kinder von 0-6. Hier hat handgestrickter Kinderpulli nichts mehr von den kratzigen Oma-Geschenken von früher, hier gibt’s skandinavischen Chic für lütte Leute.

5. Marte Helgetun

Wie Ann Myrhe ist auch Marte Helegetun unglaublich produktiv und bietet eine Riesenauswahl an eigenen Mustern an (meist auch schon auf Englisch). Hier sind weniger traditionelle norwegische Strickmuster das Thema, sondern wieder der klare skandinavische Stil. Es gibt Anleitungen und Garnpakete, sowohl für Kinder, als auch für Erwachsene. Leider ist nur das About me der Webseite auf englisch übersetzt, ihr müsst euch also ein wenig durchraten. Aber auch hier sprechen die Bilder ihre eigene Sprache.

Vielleicht bin ich voreingenommen, aber ich finde es beeindruckend was so ein kleines Land an Kreativität hervorbringt. Und daher:

Hipp Hipp Hurra Norge!!

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Auf den Nadeln März

Die Zeit rennt…

Huihuihui, da ist es schon Mitte März! Im Moment fliegt die Zeit wirklich an mir vorbei. Halber Monat rum, es wird Zeit für meinen Monatsüberblick / Beitrag bei Maschenfein:

America, the beautiful…

Anfang des Monats war ich etwas über eine Woche in den USA, die Hochzeit einer Freundin rief nach mir. (Mein Strumpfband war übrigens zu klein, aber es war in der Brauthandtasche bei allem dabei. Den enormen Muskelzuwachs vom regelmäßigen Hiking hatte ich nicht eingeplant.)

Abseits der Feierlichkeiten, der Aufregung, und den vielen Gesichtern aus der Vergangenheit, haben ein strickender Freund und ich die Zeit für Feldforschung genutzt. Schon lange vor Abflug hatten wir die Garnläden der Metropolregion Atlanta online ausgespäht, und uns für Yarning for Ewe als Ausflugsziel entschieden. Eigentlich wollten wir auch noch eine Alpakafarm etwas weiter nördlich ansteuern, haben aber wegen Schneewarnung dann doch lieber im warmen Zuhause gestrickt.

haulNatürlich konnte ich es nicht lassen, und habe zwei Stränge Wolle kaufen müssen…und zwei Ausgaben von PomPomQuarterly. Tom hat ein wunderschönes Sockengarn gekauft, das ich ihm nachträglich etwas neide. Aber der Farbverlauf war einfach zu perfekt für ihn, die beiden waren für einander bestimmt.

In der Crafts-Abteilung beim Barnes & Noble Buchladen habe ich außerdem noch zwei Strickbücher gekauft, eins mit schottischen Strickmustern, und einmal das von Marisa gelobte Buch zu Maschenanschlägen und Abkettmethoden.

Von der Strickperspektive bin ich also höchst zufrieden mit meinem Ausflug nach Atlanta. Allerdings wünschte ich im Nachhinein, dass die Hochzeit und mein Umzug nicht so nah bei einander gelegen hätten. Mitten im Kisten auspacken und Möbel bauen bin ich abgereist, und ist es mir sehr schwer gefallen einigermaßen zur Ruhe zu kommen. Jetzt wieder ins Chaos zurückzukommen hat auch noch keinen Seelenfrieden gebracht. Hoffentlich bald.

Aktuell komme ich (offensichtlich) kaum ins Internet, bis die Telekom den Anschluss gelegt hat vergeht wohl noch etwas Zeit. Die Abende als nicht-bloggen-könnender-Eremit haben aber einen großen Vorteil: Ich habe Zeit um die Nadeln zu schwingen.

Abgekettet:

Seit dem letzten Monatsrückblick habe ich also folgendes geschafft:

fluff2

Fluffy

Der pinke Fledermauspulli (freihändig – Anleitung folgt) ist fertig und für gut befunden. In Atlanta habe ich in schon probegetragen, leider ohne Fotobeweis. Der folgt dann demnächst.

fluff

Mir gefällt das pinke Fluffelteil richtig gut, besonders der Kontrast zwischen locker und eng ist klasse!

Auf den Nadeln:

Ravello zur blauen Stunde

Mein top-down Pullover Ravello von Isabell Krämer wächst. Er durfte nicht mit nach Amerika, da ich Angst um mein heiß geliebtes Woolfolk Garn hatte. (Wie erwartet hatte ich keine Probleme mit den Stricknadeln im Flugzeug, aber so weit geht meine Risikobereitschaft dann doch nicht!)

Ravello

Vom Muster musste ich geringfügig abweichen, da Woolfolk eine andere Maschenprobe hat, als das Originalgarn in der Anleitung. Ich habe also deutlich mehr Streifen gestrickt, auch weil ich den Effekt des Musters bis unter die Brust haben wollte. Jetzt geht es nur noch in dunkelblau weiter, an den Ärmeln wird dann wieder geringelt.

Im Hintergrund seht ihr eins meiner tollen Geschenke vom Strickfreund in Amerika. Er wohnt ganz in der Nähe von Fringe Supply in Nashville, und ich habe den mega praktischen Beutel bekommen!! (Außerdem noch die Garnpyramide – ein lang gehegter Wunsch meinerseits, der an den Frachtkosten stockte. Jetzt wird es doch noch mein neues Arbeitszimmer schmücken!)

Hopper fra skyggen til skyggen

Um mich über den Wolken trotzdem zu beschäftigen, durfte ein neues Projekt her. Diesmal ist nur ein Knäuel Garn auf die Reise gekommen, und zwar ein Testkauf aus Amerika aus dem letzten Herbst. Ich bin ja immernoch offen für neue Garne im Shop, und probiere daher viel aus. Auch das Muster ist eine Herumspielerei von mir, die mir dann so gut gefallen hat, dass ich gleich ein ganzes Tuch damit stricke.

brokenshadow

Die Mischung aus Löchern, Linien, und geschlossenem Gestrick erinnert mich etwas an den lichten Schatten unter den Baumkronen einer Allee. Irgendwann hat mal mein Großvater aus Norwegen im Hochsommer über die Hitze geklagt, und verkündet, er werde jetzt nur noch „hoppe fra skyggen til skyggen“ (von Schatten zu Schatten springen). Wenn man das Tuch gegen das Licht hält, dann kann man auch mit den Fingern von Schatten zu Schatten hüpfen. Sobald der Hochsommer kommt werde ich also wie bestefar Schatten finden.

Kurz vor’m Anschlag:

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Noch in der Planungsphase befindet sich mein nächster Streich. Ich arbeite an einem Entwurf für ein zweifarbiges Tuch mit einem geometrischen, arabisch angehauchten Muster. Bisher experimentiere ich noch mit Excel an der theoretischen Maschenverteilung, bald dann die nächsten Trockenübungen in Maschenproben.

Noch GEHEIM!

Außerdem tüftele ich an einem Projekt, dass hoffentlich das „Schlüpfgeschenk“ für das Baby meiner schwedischen Gastschwester wird. Sehr zu meinem Entsetzen ist diese Schwangerschaft weitgehend unbemerkt an mir vorbeigegangen. Herzlichen Glückwunsch Jessica und Klas, ich freue mich wirklich sehr demnächst låne-moster zu werden!