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Das Jahr der Handschuhe II

Thrumming

Der zweite Monat im Jahr der Handschuhe hat mich weit reisen lassen, an einen Ort, den ich bisher nur aus dem Flugzeugfenster gesehen habe: Neufundland.

Offizieller Name der kanadischen Provinz ist “Newfoundland and Labrador”, da schlägt das Hundemenschenherz direkt zweimal hoch! Und auch wenn der Labrador ein recht dünn behaarter, aber oft von Speckröllchen gewärmter Geselle ist, der Kollege Neufundländer zeugt mit seinem Pelz vom harschen Klima seiner Heimatgegend.

Wer Haustieren ein dickes Fell anzüchtet, der wird meist auch erfinderisch wenn es um menschliche Funktionskleidung geht, das gilt auch für die Neufundländer. Um warme Hände zu behalten, haben sie sich eine eigene Methode ausgedacht um Handschuhe zu isolieren: Thrumming.

Eingestrickte Fäden machen ein schönes Muster und halten die Hände warm

Auf den ersten Blick sieht das aus wie ein sehr einfaches Fair Isle Muster, das von jemandem mit schlechter Fadenspannung gestrickt wurde. Aber Thrumming ist ganz anders!

Ich finde für diesen Begriff keine eindeutige Erklärung, denn direkt übersetzt heisst es surren, brummen, aber auch mit einer Gitarrensaite Geräusche machen, oder an einer Gitarre zupfen… und zupfen könnte das Stichwort sein:

Die vielen hellen Herzchen / Läuse auf den Handschuhen sind einzeln eingestrickte Fäden. Traditionell wird dafür immer ein Büschel aus einem Fleece Rohwolle “gezupft” und eingearbeitet. Auf der Innenseite bilden die Büschel dann eine flauschige Schicht, die mit Handschweiß, Wärme und Bewegung schnell verfilzt. So werden die Fäustlinge annähernd wind- und wasserdicht – optimal für das örtliche Klima.

weiche Handschuhe strickenFür den deutschen Winter wäre das aber zu warm geworden, vor allem da mein Hund bei Nässe den Spaziergang sehr kurz hält (erwähnte ich mal, dass Madame einen äußerst ausgeprägten Willen hat?).

Also habe ich die Methode etwas abgeändert: Statt Rohwolle habe ich Merinodochtgarn in viele kleine Fäden zerschnitten und eingestrickt. So konnte ich die Länge und Dichte etwas besser regulieren. Außerdem fand ich die Idee von extra weichem Merino an den Händen ansprechender, denn unsere “Handarbeiterhände” sind schließlich etwas sensibler als der durchschnittliche kanadische Waldarbeiter zugeben würde, oder?

Für den Außenhandschuh habe ich ganz genau ein Knäuel vom Troll Garn verstrickt – auch das 100% Merino, so dass sich die Innenseite gut daran festfilzen wird. Falls du dir auch ein Paar stricken möchtest, hier gibt es ein Strick Kit – falls der angedrohte Wintereinbruch noch kommt bist du mit 5er Nadeln vielleicht sogar noch rechtzeitig fertig. Das eigentliche Thrumming ist ganz einfach, und wie es geht zeige ich dir in meinen Instagram Stories.

Und da mir der Schalk im Nacken saß, und ich noch einen Riesenberg an Farbproben auf kurzen Dochtgarnfäden (von einem inzwischen insolventen Hersteller) hier herum liegen hatte, habe ich auch eine knallbunte Version gestrickt:

Hier habe ich ein doppeltes Bündchen aus Nisse gestrickt, damit es auch bei der prallen Füllung eng anliegend ist. Von innen sieht das dann völlig durchgeknallt aus, und ist leider für den heimischen Winter viel viel viel zu dick:

Trotzdem habe ich den zweiten schon auf den Nadeln, vielleicht kürze ich auch die Fäden nachträglich noch, mal sehen.

Falls es dir nach so einer bunten Version ist, ich kann mir vorstellen, dass man das Langyarns Smilla gut dafür verwenden könnte…

Ach und die Neufundländer nutzen diese Technik wohl auch um sich Pantoffeln und Mützen zu stricken. Am Kopf möchte ich auf gar keinen Fall so ein Filzgewirr haben, aber die Pantoffeln reizen mich für den nächsten Winter schon… Bis zum nächsten Weihnachten kann der Neffe ja laufen, und braucht dann warme Puschen.

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Das Jahr der Handschuhe I

Lovikka

Das erste Paar für mein Jahr der Handschuhe ist fertig.

Geographisch hat mich der Januar nach Nordschweden geführt, in den Lebensraum der Rentiere und Braunbären. Hier wohnen auch die Ureinwohner Skandinaviens, die Sami, deren Nationalfarben im traditionellen Lovikka Design ein Denkmal gesetzt wird.

Vor zwei Jahren habe ich schon einmal über die Handschuhe aus dem Ort Lovikka geschrieben, hier kannst du es nachlesen. Ein Jahr später habe ich bei Siv Garn für meine eigene Variante bestellt – und wieder ein Jahr später bin ich nun endlich dazu gekommen mein Paar zu stricken. Nächstes Jahr kommt dann vielleicht das passende Wetter?

Denn aktuell ist es wirklich nicht kalt genug für diese Flauschwunder. Auch wenn die Lovikka Vantar überraschend leicht sind (100g reichen sogar für die Männergröße), sind sie richtige Thermohandschuhe.

Das liegt einerseits am traditionell doppelten Schaft.
In meiner Version habe ich mit der althergebrachten Machart etwas gespielt, und habe die Konstruktion so eingesetzt, dass Schnee nur schwer an der Krempe vorbei in die Handflächen rutschen kann.

Für den Daumen habe ich die Afterthought Methode gewählt und mit seitlich geneigten Abnahmen eine bewegungsfreundliche Handform gestrickt.

Selbst mit diesen kleinen Finessen sind meine Lovikka Fäustlinge für ambitionierte Anfänger geeignet, denn wie immer verweise ich im Muster zu Technikerklärungen – entweder in Marisa’s Grundlagenwerk “Masche für Masche“, oder Tutorials im Internet.

Wenn die Handschuhe fertig gestrickt sind, werden sie mit einer rauen Bürste aufgeflauscht (oder grausam gesagt: verfilzt). Dabei darf man nicht zimperlich sein. Mich hat es sogar ganz schön ins Schwitzen gebracht. Wobei das auch an dem grippalen Infekt liegen mag, den ich seit Weihnachten mit mir rumschleppe.

Zu guter Letzt wird dann der Schaft bestickt.

Meine Handschuhe habe ich in den traditionellen Farben blau, gelb und rot verziert. Und auch wenn sich bei den meisten Anleitungen eine deutlich reduziertere Stickerei durchgesetzt hat, auf den Effekt der etwas kleinteiligeren Arbeit wollte ich nicht verzichten.

Dabei sieht es viel komplizierter aus, als es letztendlich ist. In der Anleitung habe ich Schritt-für-Schritt aufgezeichnet, wie du auch dieses Muster aufbringen kannst. Du kannst meine Lovikka Fäustlinge mithilfe des Garnpakets genau nachstricken – die Anleitung enthält die Größen 5 Jahre, 8 Jahre, Dame oder Herr.

Und weil ich – trotz Kathi’s Versicherungen – leichte Bauchschmerzen bei der traditionellen Farbgebung habe, gibt es direkt auch noch eine marineblaue Variante 😉

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Chains and WIPs excite me

Kennst du das Lied S&M von Rihanna?

Hat jetzt erstmal wenig mit meinem Stashproblem zu tun, aber es gibt diese Textstelle, bei der ich immer wähle mich zu verhören:

Rihanna singt ” ’cause I may be bad, but I’m perfectly good at it. Sex in the air, I don’t care I like the smell of it. Sticks and stones may break my bones, but chains and whips excite me.

Bei Sticks and stones denke ich persönlich ja an die Stricknadeln von Holz und Stein, und chains und whips steht doch sicher für gehäkelte Luftmaschen und WIPs (Works in Progress), oder? Jedenfalls assoziiere ich dieses Lied immer mit meinen WIPs, und um die geht es hier heute.

Sollen wir direkt eintauchen in die erste Bestandsaufnahme?

Den Anfang macht das WIP mit der kürzesten Halbwertszeit: Die Fäustlinge für Lamana

Lamana Fäustlinge MagazinWie schon im letzten Jahr arbeite ich auch diesen Sommer mit Lamana an neuen Anleitungen, die dann planmäßig im nächsten Magazin landen. Letztes Jahr waren es der Doubleface Schal, das Lace-Tuch, das große Dreieckstuch und der Pullover. Dieses Jahr habe ich ein Lacekleid, ein ganz schlichtes Kleid (für unter das Lacekleid, aber auch für sich) und Fäustlinge entworfen. Offensichtlich fällt mir zu vielen unterschiedlichen Formen und Techniken etwas ein. Auf Instagram konntest du schon Blicke auf Kleider und Fäustlinge werfen. Vielleicht landet auch noch ein vierter Entwurf im Magazin, aber bei solchen Papierformaten muss man ja immer abwägen ob der verfügbare Platz für den notwendigen Umfang einer Anleitung ausreicht… es bleibt also spannend.

Zurück zu den Fäustlingen. Die Idee haben wir glaube ich schon im April besprochen, dann mit den Farben hin und her überlegt, im Mai konnte ich mit der eigentlichen Arbeit beginnen. Mein Plan war ein Paar (nicht zu komplizierte) Fäustlinge mit einem Innenfutter in Kontrastfarbe, ein klein wenig Fair Isle, einfache Techniken raffiniert eingesetzt. Und genau das ist es geworden.
Leider fällt es mir immer schwer das Stricken von Musterteilen zu delegieren, da ich häufig beim Probestück merke dass eine andere Technik sinnvoller wäre, oder mir ein Muster doch noch nicht 100% gefällt. Da bin ich irgendwo auf der Skala zwischen Kontrollfreak und Perfektionist. Dementsprechend sind die Fäustlinge hier auf meinen Nadeln. Aber falls du auch testen möchtest, den Bausatz inkl. Testanleitung gibt es im Shop.

Lamana Fäustlinge StandMein Stand: Das Innenfutter aus Milano braucht für die eine Hand noch einen Daumen, der zweite Außenhandschuh aus Como ist schon auf den Nadeln. Es ist mein erstes Experiment mit den neuen Tweedfarben von Como, und ja doch… ich finde das sieht sehr cool aus. Besonders weil sich die Farben der Tweednoppen so schön mit Innenfutter und Sternen ähneln.

Stash-Effekt

Kommen wir zum eigentlichen Ziel dieser Übersicht, die Berechnung des Stash-Effekts:

Gesamtverbrauch Garn: ca 86g
Davon aus dem Stash: 0g – das Garn kam frisch von Lamana
Reste in den Stash: ca 39g
Nettoeffekt auf Stash: Leider + besagte ca 39g.

Davon entfallen etwa 25g auf Como (19g schwarz, 6g tweedgrau), 14g Milano. Aber sobald die Nadeln wieder frei sind ist wenigsten ein WIP weniger vorhanden, und die vollendeten Fäustlinge ziehen (auf Zeit) zu Lamana um. Also irgendwie wird das Arbeitszimmer doch leerer 🙂

 

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Skandinavischer Stricksamstag #36

Immer wieder samstags…kommt das schlechte Gewissen.

Es ist im Moment so viel zu tun, an allen Fronten. Nicht mal zum stricken komm ich so richtig. Also so richtig, richtig. Zum bloggen halt auch nicht, weil ich es nie schaffe tagsüber die Fotos zu schießen. Es ist ein Elend.

Also gut, es ist kein Elend. Das wäre übertrieben. Denn es macht mir ja alles total Spaß. Und dass ich hier gestern so gebannt am Rechner saß und Muster bearbeitet habe, das ist nun wirklich das Gegenteil von Elend. So konzentriert war ich am Werke, dass ich total die Zeit vergessen habe. Auf einmal war es dunkel und ich hatte keine Bilder für den Blog gemacht. Dabei stand das ganz groß auf meiner to-Do Liste…vermaledeite frühe Dunkelheit in diesen Tagen 🙂

Naja, aber anstelle von Blogfotos gibt es halt ein neues Muster. Und zwar haben sich beim letzten Mal auf meinen Testaufruf für die bunten Handschuhe ein paar fleißige Strickerinnen gemeldet. Und mit den hilfreichen Hinweisen konnte ich dann das Muster auch guten Gewissens bei Ravelry reinstellen. Dafür einen lieben Dank!

katharinas fargerik
Katharina @katharinaknits hat eine dunkle Variante gestrickt. Link zu ihrem Blog im Bild

Das Muster hat jetzt einen norwegischen Namen bekommen: Fargerik – Farbenfroh. Denn die Form ist traditionell norwegisch. Also ein Thema für den Samstag:

Bevor ich selbst angefangen habe Muster zu schreiben habe ich mir kein Bild davon machen können was eigentlich dahinter steckt. Als einigermaßen kreativer Mensch mit gewissen Computer-Skillz stellte ich mir das so vor:

Eingebung.
Umsetzung.
Tippen
Fertig!

Ja, also… wie soll ich sagen… das stimmt so nicht ganz. Die Eingebung nehmen wir mal als gegeben (und glaub mir, die kommt auch nicht auf Bestellung). Die Umsetzung ist auch noch recht klar. Aber dann.

Mit Tippen & Fertig ist echt nicht. Denn das was ich unterbewusst im Umsetzungsschritt mache, das muss ich auch erstmal a) richtig erinnern und b) für andere verständlich erklären. Also habe ich mir immerhin schonmal angewöhnt Notizen zu machen wenn ich was neues ausprobiere. Hilfreich, aber auch noch lange kein verständliches Muster (vor allem da meine Sauklaue eigentlich den Beruf des Arztes vermuten lässt).

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Und da kommen die Testerinnen ins Spiel. Wenn ich meine Notizen abgetippt habe gebe ich sie gerne an Carina. Die hat Adleraugen und sieht sofort wo ich Fehler im Chart habe oder wo Zahlen nicht aufgehen. Dass sie das dann auch noch total verlässlich macht – der Wahnsinn! Carina, du bist meine Miss-Muster-Marple, und dafür danke ich dir!!!

Sobald Carina’s mentaler Test durch ist kann ich dann den nächsten Schritt gehen und die Notizen an experimentierfreudige Damen schicken. Und mit deren Hinweisen und Kommentaren gewappnet kann ich mich dann hinsetzen und die Worte um meine Idee finden.

carnavalmitten

Bei einem Tuch oder Kleinkram ist es mit den Worten dann ja getan. Tippen und das Dokument ein wenig schön gestalten. Fast alle meiner Muster sind so aufgebaut, dass man mit mehr oder weniger Wiederholungen die Größe des fertigen Teils beeinflussen kann – Fargerik übrigens auch.

lamana_06_25s

Etwas komplizierter war da der Entwurf für den Pullover im Lamana Magazin. Denn da wollen Kleidergrößen bedacht sein. Und dafür braucht man ein paar Mathegrundkenntnisse. Nix dramatisches, mit einer Maschenprobe, einer Maßtabelle und dem Dreisatz kommt man meist hin, aber tun muss man es trotzdem.

Im Moment befinde ich mich an genau diesem Punkt für ein großes Projekt, das auch irgendwann ein optimales Samstagsthema wird. Noch geheim, aber du weisst ja… immer wieder samstags 🙂

PS: Diese Woche hat Carina noch ein Muster für mich begutachtet und korrigiert. (Sie ist wirklich ein Schatz!) Falls du Lust hast den Nachfolger von Dimasq zu testen, sag doch Bescheid!

Du solltest das zweifarbige stricken in Runden, und Zunahmen beherrschen, außerdem feste Maschen häkeln können, und den Mut haben unter Anleitung in den Gestrick zu schneiden – also steeken.

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Skandinavischer Stricksamstag #35

Vottedagen

Gestern war Vottedagen (“Wottedahgen”), der Handschuhtag. Jaaaaaaaaaaa, ich kann mir denken was du dir jetzt denkst: Es gibt einen Tag für alles. Bestimmt auch einen Wollsockentag, den Tag des Strickpullis, oder oder oder. Irgendwelche Interessenverbände verkünden ja immer mal einen Tag als “den Tag des…” und keinen interessiert’s.

Stimmt.

In diesem Fall ist es ein klein wenig anders. Und zwar basiert der Vottedag auf dem altnordischen Kalender, dem Primstab. Der teilt das Jahr nach Mondphasen auf und zeigt die Feiertage als Runen und Symbole an. Dieser Kalender kennt jedenfalls ganze zwei Jahreszeiten: Sommer und Winter. Wer schon mal länger in Skandinavien war wird sagen: Passt doch gut! Allerdings sind auf dem Stab beide Jahreszeiten gleich lang, und das kann man vom skandinavischen Sommer meist nicht sagen 😉

Jedenfalls wird zum Jahreszeitenwechsel der Stab umgedreht um die zweite Jahreshälfte anzuzeigen. Und das erste Symbol auf der Winterseite des Primstabs ist ein Handschuh:

standard_primstav_2
Ich gebe zu, man braucht Fantasie um den Handschuh als solchen zu deuten. (Quelle: https://snl.no/primstav)

Wettertechnisch passt der Vottedag dieses Jahr relativ gut, beim nächtlichen Spaziergang mit Mo trage ich wirklich schon wieder Handschuhe. Und zwar meine Fingerhandschuhe mit Selbumuster, die ich ziemlich genau letztes Jahr um diese Zeit gestrickt habe…wobei es da noch deutlich wärmer war.

Selbuhandschuhe

Diese Handschuhe habe ich bis in den April hinein wirklich jeden Tag getragen (zumindest nachts), von daher kommt das mit dem halbes Jahr Winter / Handschuhwetter erschreckend gut auch für Westfalen hin! Grundsätzlich liebe ich diese nächtlichen Touren mit Madame, denn hier draußen kann ich Sterne gucken wie sonst nur im schwedischen Wald. Es braucht halt nur die passende Garderobe…

Eine “Bauernregel” sagt übrigens, dass das Wetter am Primstabdrehtag (also gestern) für den ganzen Winter bleibt. Bei uns war das ganz ordentlich, kalt zwar, aber trocken. Damit kann ich leben. Bitte nicht noch so ein verregneter Winter mit Überflutungen wie letztes Jahr.

Gestrickte Handschuhe haben in den skandinavischen Ländern eine größere Bedeutung als bei uns, einige Traditionen habe ich euch in diesem Rahmen schon vorgestellt: Selbu, Lovikka, Nålbinding, Tvåändsstickning, und das sind nur einige der typischen Varianten.

Eine besonders engagierte Freundin des Handschuhs ist Ann Myrhe aka Pinneguri, die mit einigen anderen Strickerinnen eine Handschuhmannschaft (vottelauget) gegründet hat. Gemeinsam haben die Damen schon zwei Musterbücher für Handschuhe geschrieben, jeweils zum Oberbegriff “Märchenwald” (eventyrskogen). Auf die Initiative von Ann und dem Vottelaug wurde der vottedag dann auch bei Instagram unter dem Hashtag #vottedagen2016 gefeiert. Schaut euch mal die tollen Beiträge an!

Und? Hab ich dir Lust auf eigene selbstgestrickte Handschuhe gemacht? Dann ran an die Nadeln! Ich empfehle Sockenwunder und klassische Regia Strumpfwolle – schön und robust! Falls es was bunteres sein soll, vielleicht magst du meine Anleitung für diese bunten Handschuhe teststricken?

carnavalmitten

Wenn du zwar total Lust auf Handschuhe, aber noch ein wenig Berührungsängste mit der Technik hast, dann kann ich dir nur den Handschuhkurs von Marisa bei Makerist ans Herz legen. Da ich bei ihr deutlich trockenere Themen (Finance) gelernt habe, und ihren Maschenprobenkurs so unendlich super finde, lege ich meine Hand ins Feuer dass dieser Kurs auch sein Geld wert sein wird!

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Ein Knäuel voller Buntes

Habt ihr auch so eine magische Anziehung zu bestimmten Garnen?

Canaval

Mich zieht es immer wieder in Richtung von knallbunten Strängen, gerne Sockenwolle, gerne handgefärbt. Frisch gekauft schmachte ich den Strang an, freue mich über die völlig verrückten Farben, und bilde mir ein Socken in dieser Farbe entweder selbst zu tragen, oder verschenken zu können.

Manchmal geht das auch gut. Beim wickeln stellt man auf einmal fest dass es gar nicht sooooooo wild ist, oder man kennt da jemanden mit genau der Hauptfarbe als absolute Lieblingsfarbe. Manchmal stellt man aber auch fest: Das war ne doofe Idee.

Ist mir kürzlich wieder so gegangen. Und zwar:

manosmalvin
Das war Malvin

Vergangenen Winter hatte meine Mutter mir einen Strang Manos del Uruguay Sockenwolle geschenkt. Die Farbe hieß Malvin, der Strang sah irgendwie dunkelblau mit einem gelben Fleck aus, stellte sich dann aber als eine total tolle Mischung aus goldgelb, petrol, lila, und blau raus. Das entstandene Paar Socken hat mich so umgehauen, dass ich direkt noch einen Strang haben wollte… also kaufte ich mutig einen in Farbe Carnaval. Viel pink, etwas rot, ein wenig pfirsisch, orange und auch etwas blau.

Zugegeben, jetzt wo ich das so schreibe…ja das klingt eher wie die Beschreibung eines ganz fiesen Drogenrauschs als nach Socken. Gewickelt sieht es toll aus, knallbunt, fröhlich und mädchenhaft (s.o.). Die Maschenprobe hat mich dann allerdings wieder gar nicht vom Hocker gehauen. Irgendwie zu ungleichmäßig.

manosmalvinII
Malvin war so schön!
Carnaval ist nicht so meins
Carnaval ist nicht so meins

Leider hat das erste Paar Socken aus Manos dann auch nur vier mal anziehen überlebt. Die Sohle besteht aus mehr Loch als Material. Lektion gelernt: Auch wenn es Sockenwolle heißt, Poly-Anteil hat und als Socke toll aussieht – Alegria ist nicht für Socken an Menschen geeignet, die sich tatsächlich auf den Füßen fortbewegen… Das ganze bei einem wirklich stolzen Preis übrigens. Kurz gesagt: Seit ein paar Monaten lag hier ein Strang extrem bunte, für Socken nicht geeignete Sockenwolle rum und grinste mich blöd an. Grrrrrrr.

Meine erste Rettungsidee war, ein Paar Broken Seedstitch Socks zu stricken. Da wird ein Farbverlaufsgarn als Kontrast empfohlen, das Paar vom letzten Sommer war super, das Muster strickt sich im Schlaf – also los! Als Hauptfarbe Regia in flanell, robust, waschmaschinentauglich, grau ist ne gute Farbe für Socken, prima.

CarnavalBSS

Man mag es kaum fassen, aber irgendwie ist das Carnaval im grau untergegangen. Ein wenig bremsen -jaaaa – aber erdrücken wollte ich das Garn ja nun auch nicht. Um gar nicht zur Geltung zu kommen war es einfach zu teuer, dann könnte ich es lieber als Kugel ins Regal legen.

carnavalmitten

Aber man ist ja kreativ und probiert hin und her, und siehe da: es entsteht ein Muster für Fäustlinge. Ganz einfach, ne tolle Übung für Fadenspannung bei zweifarbigen Arbeiten. Nebenbei bemerkt bekommen Handschuhe meist weniger Reibung als Socken, also hoffe ich auf Langlebigkeit.

Hat vielleicht noch jemand ein Knäuel knallbuntes (und ein ruhiges) im Schrank und noch keine Idee zur Verwendung? Außerdem Interesse das Muster auszutesten? Dann gern bei mir melden!

Und da sich der zweite Handschuh noch in der Mache befindet verlinke ich hier zu Marisa’s auf den Nadeln Juni

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Skandinavischer Stricksamstag #8

Hei og god dag!

In dieser Rubrik möchte ich euch Einblicke in die “Strickszene” im Norden geben, euch Bücher, Blogs und Instagrammer, Tricks und Trends aus den Gefilden meiner zweiten Heimat vorstellen.

Was mich dazu beruft? Nun, mir wurde eine doppelte Staatsbürgerschaft in die Wiege gelegt (NO / DE), ich habe in Schweden und Norwegen gelebt (spreche beide Landessprachen), habe eine “Leihfamilie” in Schweden, und verbringe gerne Zeit bei ihnen und in den Wäldern um unser Ferienhaus in Skåne.

Von den unzähligen Möglichkeiten die Hände zu wärmen… Episode XXVII: Die Lovikka Fäustlinge

Jaaaa, ich weiss…es ging bereits hier und hier um nordische Handschuhe, gibt es denn kein anderes Thema? Naja, doch, aber nicht diese Woche. Denn diese Woche gab es ein Jubiläum, das für diese Rubrik dann eben doch einen weiteren Handschuhbeitrag rechtfertigt: Die Erfinderin der Lovikka Handschuhe – Maria Erika Olofsdotter Kruukka – wäre diese Woche 150 geworden. Sogar Google hat dieses Jubiläum mit einem Extra Doodle gewürdigt:

Das Google Doodle zum Jubiläum
Das Google Doodle zum Jubiläum

Zu bestimmten Anlässen verändert Google seinen Schriftzug auf der Startseite und passt ihn dem Thema an. Die Zeichnungen und Elemente nennt man dann Google Doodle. Und zum 150. Geburtstag haben die Google Doodler am 22.02. eben Frau Kruukka und ihre strickerische Hinterlassenschaft ins Logo integriert.

Das finde ich schon ne wirklich coole Sache. Zwar war die Ehrung nur auf schwedische Google Aufrufe beschränkt, aber immerhin! Außerhalb von Schweden hätten sich vermutlich auch einige Leute am Kopf gekratzt…Rotkäppchen ist aber alt geworden…

Und was bitte hat Frau Olofsdotter Kruukka da bahnbrechendes erfunden?

Die Lovikkavantar – Lovikka Handschuhe

Vor einigen Wochen habe ich euch bereits erzählt, dass man die Entstehung der Selbu Muster in Norwegen auf eine Frau zurückführen kann. Nun mit den Lovikka Handschuhen ist es noch genauer, denn man kann sie sogar auf einen Vorfall zurückführen:

Maria Erika war mit einem Holzarbeiter in Lovikka in Nordschweden verheiratet. Eine fruchtbare Ehe, die beiden waren sehr kinderreich, sonst aber eher sehr arm. Um das Familieneinkommen aufzubessern strickte die Mutter viel auf Bestellung, so auch 1892, als ein Kunde sie um ein extra dickes Paar Handschuhe gebeten hatte. Offenbar hatte Maria Erika es etwas zu gut mit dem Herrn gemeint, die Handschuhe wurden so extra dick, dass sie viel zu fest und unbeweglich wurden. Kurzum, der Kunde wollte sie nicht. Aber einfach so ein Paar fertige Handschuhe wegwerfen, nur weil sie unbrauchbar sind…das kam nicht in Frage.

Stattdessen ging die schlaue Frau daher und hat die fertigen Handschuhe gewaschen und dann kräftig gebürstet. Das Ergebnis dürfte keine erfahrene Strickerin verwundern: Filz! Aber flexibler und fluffiger Filz, die Handschuhe ließen sich nach der Prozedur besser bewegen, sie waren dünner aber wunderbar kälteabweisend.

Allein für die Wärmeeigenschaften der Filzhandschuhe hätten sie sich in den kalten nordschwedischen Wintern durchgesetzt, aber auch vom Produktdesign verstand die Erfinderin-aus-Versehen etwas: Am Handgelenk der Lovikkavantar befestigte sie bunte Schnüre. Das sieht schön aus, hat aber auch praktische Gründe: Durch Zug an den Schnüren können die Fäustlinge zugezogen werden, und Schnee wird vom Eindringen abgehalten. Außerdem kann man sie nach der Benutzung gut an den Fäden zum Trocknen aufhängen.

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Lovikka Handschuhen bei Ravelry (Link im Bild)

Die neue Art der Handschuhe war so populär, dass die Erfinderin die Technik mehreren Frauen im Ort beibrachte, und der Verkauf zu einem echten Wirtschaftsfaktor wurde. Die Farbgebung der Schnüre ist übrigens kein Zufall, blau,grün, rot und gelb sind die Farben der Sami, der Urbevölkerung Nordschwedens.

Auf Ravelry gibt es eine ganze Vielzahl von Lovikka-inspirierten Anleitungen, dieses Handschuhmuster ist gratis und wirkt recht nah am Original. Leider haben scheinbar viele Anleitungen die Schnüre nur noch zur Deko angebracht. Nicht selbstgestrickt aber genauso warm gibt es übrigens auch Lovikkavantar hier zu kaufen, genau wie vielen anderen Schwedenkram.

Jetzt soll es erstmal genug sein mit skandinavischen Handschuhen, versprochen!

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Skandinavischer Stricksamstag #5

Hei og god dag!

In dieser Rubrik möchte ich euch Einblicke in die “Strickszene” im Norden geben, euch Bücher, Blogs und Instagrammer, Tricks und Trends aus den Gefilden meiner zweiten Heimat vorstellen.

Was mich dazu beruft? Nun, mir wurde eine doppelte Staatsbürgerschaft in die Wiege gelegt (NO / DE), ich habe in Schweden und Norwegen gelebt (spreche beide Landessprachen), habe eine “Leihfamilie” in Schweden, und verbringe gerne Zeit bei ihnen und in den Wäldern um unser Ferienhaus in Skåne.

If you like it then you should’a put a glove on it

Diese leicht abgewandelte Textzeile von Beyoncé Knowles soll uns heute nach Skandinavien führen. Klingt vielleicht komisch – ist aber so.

Und zwar möchte ich euch diese Woche die Stricktradition eines einzelnen kleinen Orts in Norwegen vorstellen: Selbu.

Vielleicht habt ihr schon mal von Selbumustern gehört? Wahrscheinlich nicht unter dem Namen, aber die achtblättrige Selbu-Rose kennt wohl jeder als eins der typischen Norwegermuster, und hat bisher darin einen Stern gesehen:

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Diese Rose/Stern ist in abgewandelten Formen die Grundlage der Selbumuster. Erstaunlicherweise kann man die Entstehung dieser Muster auf eine einzelne Frau aus Selbu zurückführen, Marit Emstad war die erste die ein Muster für Selbuhandschuhe entwickelt hat – die FAZ hat übrigens einen interessanten Artikel über Tradition und Emstads Leistung gebracht.

In prä-Internet Zeiten hatten Marit Emstad und die Damen ihres Orts ein ziemliches Wissensmonopol was die Muster für Selbuhandschuhe anging. So konnten die Frauen in Selbu sich ein gutes Zubrot verdienen, indem sie Handschuhe für den Handel herstellten.

Die Frauen entwickelten immer mehr Variationen der Handschuhe, und es entwickelte sich ein Brauch, dass zu Hochzeiten den Männern von ihren Frauen ein spezielles Paar gestrickt wurde. Die Handschuhe wurden so zu richtigen “Liebesbeweisen”, da wurden Initialen oder ganze Namen untergebracht oder wichtige Daten verewigt.

In einer Woche ist Valentinstag…wenn ihr euch ranhaltet schafft ihr noch eins dieser tollen Muster für eure Auserwählten zu stricken? Es müssen ja nicht direkt Fingerhandschuhe werden, Fäustlinge sind ein schönes Projekt für eine Woche.

Mein Paar habe ich im Herbst aus dunkelblauer und weißer Regia Sockenwolle gestrickt. Das macht sie herrlich widerstandsfähig und man sieht ihnen die tägliche Hundeleinenreibung bisher noch nicht an. Sogar männliche Komplimente gab’s dafür schon zu Hauf, außerdem schon mehrere Wunschanmeldungen…aber das wäre ja Polygamie 🙂