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X Mitts

Fingerlose Handschuhe mit X

Sind bei dir die Tage auch so farblos im Moment?

Berlin zeigt uns – wie jeden Winter – die kalte, dunkle und ungemütliche Schulter. Gefühlt wird es nicht hell, die einzige Farbe ist grau, und nicht mal der Hund hat Lust seine Runden zu machen.

Bretone gähnt Tongue out TuesdayUm nicht dem Trübsinn zu verfallen ist jedes Mittel recht, aber ganz besonders brauche ich Farbe für die gute Laune. Wie gut dass ich mir im Herbst einen Strang Wolle aus dem Stash gegriffen habe, und drauf los gestrickt habe. Denn als Ergebnis habe ich ein Paar gute-Laune-Fingerlinge für mich, ein Paar als Weihnachtsgeschenk, und eine Anleitung für dich.

Gestatten: Die X-Mitts.

Was eigentlich als kleine Fingerübung für eine Zugfahrt begann ist zu einem wahren Meisterstück, und wahrscheinlich schon jetzt mein meist-getragenes Strickstück aller Zeiten geworden:

Prio eins hatte natürlich die Passform.

Erfahrungsgemäß brauche ich für den Alltag einfach Handschuhe, mit denen ich alles machen kann. Ständiges An- und Ausziehen ist mit Hund, Handy und Handtasche einfach nicht drin. So kam es bisher immer, dass ich tolle Handschuhe gestrickt und dann doch nicht getragen habe. Die x Mitts trage ich dagegen tatsächlich seit Wochen jeden Tag. 

Prio zwei: Reversibilität!

Häh? Wendbarkeit.

Von Anfang an gefiel mir die Innenseite der Handschuhe fast genauso gut wie die Außenseite. Doch mit keiner gewöhnlichen Konstruktion wollte es so aussehen und gelingen, dass auch der Daumen optimal sitzt & beidseitig hübsch anzusehen ist.

Der erste Versuch scheiterte kläglich.

Zum Glück habe ich eine ähnlich besessene Prototypentesterin, und nach etlichen Tüfteleien an zwei Testobjekten hat es dann alles hingehauen. Die Lösung ist nichts für blutige Anfänger, aber wenn du bereit bist der Anleitung genau zu folgen, lernst du eine vermutlich komplett neue Konstruktion kennen. Inzwischen zeigt der Alltagstest sogar, dass wir die Mitts genau gleichmäßig auf links und rechts tragen… denn beim Ausziehen zieht man sie fast automatisch auf links, so genau sitzen sie.

Prio drei: Spaß anne Freude

Das i-Tüpfelchen an einem Design ist natürlich immer, wenn es richtig Spaß macht danach zu stricken. Die Mitts sind so ein Projekt. Die Kombinationsmöglichkeiten der Garne sind schier endlos.

Du hast ein Knäuel verrücktes Verlaufssockengarn im Stash? Raus damit und auf die Nadeln! Kombiniert mit einer einfarbigen Sockenwolle kommt es erst richtig zum strahlen.

Dir liegt es eher etwas ruhiger, wohlmöglich hast du selbst bei diesem Wetter nichts gegen Grau in Grau? Aber Handschmeichler sollen sie sein? Wie wäre es mit Milano wie mein zweites, verschenktes Paar? Oder eine Luxusvariante in Cardiff Small?

Du willst die Handschuhe auch beim Straße fegen tragen? Kein Thema, such dir doch einfach zwei Farben vom robusten Sisu aus, oder probiere eine Kombi aus Regia und einem Zauberball! Vielleicht hast du aber auch einfach ein paar Garnreste in passender Stärke, und kannst mit den insgesamt 250m Garnverbrauch etwas Stash abbauen.

Das Tollste: Das eigentliche Muster ist super einfach. Du kannst dich komplett auf die Konstruktion konzentrieren, und damit du sicher keine Schwierigkeiten hast gibt es (wie inzwischen immer bei meinen englischen Mustern) für jeden Stolperstein einen Link mit Tutorials.

Die Hauptsache ist nur, dass du deine Maschenprobe im Auge hast! Denn für den optimalen Sitz brauchen die Fingerlinge auf jeden Fall “negative ease”, sollen also beim Tragen etwas gedehnt werden. Meine 2,5mm Nadel ist dabei nur eine Richtschnur, alle Testerinnen mussten signifikant fester stricken als sie es gewohnt waren. 

Die Anleitung für die Mitts gibt es bei Ravelry und auf loveknitting, ich freue mich darauf vielleicht bald dein Paar als Ravelry Projekt zu sehen?

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März Handschuhe: Die Marktfrau Rudolph

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Stichfest Blog stricken Handschuhe Marktfrau Klappe FäustlingZum Ende des Monats ist das dritte Paar im Jahr der Handschuhe fertig geworden, und es ist in vielerlei Hinsicht besonders:

Die Marktfrau Rudolph

Marktfrauenhandschuhe stricken Stichfest Blog Im Januar und Februar habe ich mich ja an Traditionen von anderen Ländern orientiert, im März habe ich eher das Prinzip “Form follows Function” für eine Eigenentwicklung verfolgt.

Als hätte ich das Temperatur Auf und Ab geahnt, hatte ich für diesen Monat eine Übergangslösung auf meinem Plan: Quasi ein Handschuh der warm und kalt kann.

Marktfrauenhandschuhe klappe stricken stichfest BlogDas lässt sich am besten mit Marktfrauenhandschuhen erreichen, also diesen Fäustlingen mit wegklappbarer Spitze, so dass man bei Bedarf die Finger frei hat, aber auch zwischendurch wieder aufwärmen kann.

Die Form (Fäustling mit Klappe), folgte also der Funktion (warm & kalt), und die Methode ergab sich aus beiden plus etlichen Kniffen für die Optik und weitere Funktionen.

marktfrauenhandschuhe fäustlinge stricken klappe stichfest blog wolle handschuheDas Bündchen wird mithilfe der zweifarbigen Vikkelbraids am Handgelenk schön stabil, so dass auch bei viel Bewegung nichts verrutscht.
Entlang des Daumen ziehen sich zwei Rennfahrerstreifen, die an der Spitze zu einer Schlaufe werden. Diese Schlaufe wiederum kann auf dem Handrücken am kontrastfarbenen Knubbel befestigt werden – bei geöffnetem Handschuh ist die Klappe auch wirklich nicht im Weg. Der Knubbel erinnert in meiner Farbkombination an die rote Nase von Santa’s Lieblings-Rentier, zusammen mit der Form landen wir also bei der Marktfrau Rudolph 😉

marktfrauenhandschuhe stricken klappe fäustlinge wolle stichfest blogDiesmal muss ich mir mit Anleitung und Garnpaket etwas mehr Zeit nehmen, denn ob die vielen Sondertechniken wirklich verständlich erklärt sind muss noch getestet werden. Die Methoden sind sicher nichts für Anfänger, aber manchmal müssen sich auch “Strickgenies” austoben dürfen.

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Das Jahr der Handschuhe II

Thrumming

Der zweite Monat im Jahr der Handschuhe hat mich weit reisen lassen, an einen Ort, den ich bisher nur aus dem Flugzeugfenster gesehen habe: Neufundland.

Offizieller Name der kanadischen Provinz ist “Newfoundland and Labrador”, da schlägt das Hundemenschenherz direkt zweimal hoch! Und auch wenn der Labrador ein recht dünn behaarter, aber oft von Speckröllchen gewärmter Geselle ist, der Kollege Neufundländer zeugt mit seinem Pelz vom harschen Klima seiner Heimatgegend.

Wer Haustieren ein dickes Fell anzüchtet, der wird meist auch erfinderisch wenn es um menschliche Funktionskleidung geht, das gilt auch für die Neufundländer. Um warme Hände zu behalten, haben sie sich eine eigene Methode ausgedacht um Handschuhe zu isolieren: Thrumming.

Eingestrickte Fäden machen ein schönes Muster und halten die Hände warm

Auf den ersten Blick sieht das aus wie ein sehr einfaches Fair Isle Muster, das von jemandem mit schlechter Fadenspannung gestrickt wurde. Aber Thrumming ist ganz anders!

Ich finde für diesen Begriff keine eindeutige Erklärung, denn direkt übersetzt heisst es surren, brummen, aber auch mit einer Gitarrensaite Geräusche machen, oder an einer Gitarre zupfen… und zupfen könnte das Stichwort sein:

Die vielen hellen Herzchen / Läuse auf den Handschuhen sind einzeln eingestrickte Fäden. Traditionell wird dafür immer ein Büschel aus einem Fleece Rohwolle “gezupft” und eingearbeitet. Auf der Innenseite bilden die Büschel dann eine flauschige Schicht, die mit Handschweiß, Wärme und Bewegung schnell verfilzt. So werden die Fäustlinge annähernd wind- und wasserdicht – optimal für das örtliche Klima.

weiche Handschuhe strickenFür den deutschen Winter wäre das aber zu warm geworden, vor allem da mein Hund bei Nässe den Spaziergang sehr kurz hält (erwähnte ich mal, dass Madame einen äußerst ausgeprägten Willen hat?).

Also habe ich die Methode etwas abgeändert: Statt Rohwolle habe ich Merinodochtgarn in viele kleine Fäden zerschnitten und eingestrickt. So konnte ich die Länge und Dichte etwas besser regulieren. Außerdem fand ich die Idee von extra weichem Merino an den Händen ansprechender, denn unsere “Handarbeiterhände” sind schließlich etwas sensibler als der durchschnittliche kanadische Waldarbeiter zugeben würde, oder?

Für den Außenhandschuh habe ich ganz genau ein Knäuel vom Troll Garn verstrickt – auch das 100% Merino, so dass sich die Innenseite gut daran festfilzen wird. Falls du dir auch ein Paar stricken möchtest, hier gibt es ein Strick Kit – falls der angedrohte Wintereinbruch noch kommt bist du mit 5er Nadeln vielleicht sogar noch rechtzeitig fertig. Das eigentliche Thrumming ist ganz einfach, und wie es geht zeige ich dir in meinen Instagram Stories.

Und da mir der Schalk im Nacken saß, und ich noch einen Riesenberg an Farbproben auf kurzen Dochtgarnfäden (von einem inzwischen insolventen Hersteller) hier herum liegen hatte, habe ich auch eine knallbunte Version gestrickt:

Hier habe ich ein doppeltes Bündchen aus Nisse gestrickt, damit es auch bei der prallen Füllung eng anliegend ist. Von innen sieht das dann völlig durchgeknallt aus, und ist leider für den heimischen Winter viel viel viel zu dick:

Trotzdem habe ich den zweiten schon auf den Nadeln, vielleicht kürze ich auch die Fäden nachträglich noch, mal sehen.

Falls es dir nach so einer bunten Version ist, ich kann mir vorstellen, dass man das Langyarns Smilla gut dafür verwenden könnte…

Ach und die Neufundländer nutzen diese Technik wohl auch um sich Pantoffeln und Mützen zu stricken. Am Kopf möchte ich auf gar keinen Fall so ein Filzgewirr haben, aber die Pantoffeln reizen mich für den nächsten Winter schon… Bis zum nächsten Weihnachten kann der Neffe ja laufen, und braucht dann warme Puschen.

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Das Jahr der Handschuhe I

Lovikka

Das erste Paar für mein Jahr der Handschuhe ist fertig.

Geographisch hat mich der Januar nach Nordschweden geführt, in den Lebensraum der Rentiere und Braunbären. Hier wohnen auch die Ureinwohner Skandinaviens, die Sami, deren Nationalfarben im traditionellen Lovikka Design ein Denkmal gesetzt wird.

Vor zwei Jahren habe ich schon einmal über die Handschuhe aus dem Ort Lovikka geschrieben, hier kannst du es nachlesen. Ein Jahr später habe ich bei Siv Garn für meine eigene Variante bestellt – und wieder ein Jahr später bin ich nun endlich dazu gekommen mein Paar zu stricken. Nächstes Jahr kommt dann vielleicht das passende Wetter?

Denn aktuell ist es wirklich nicht kalt genug für diese Flauschwunder. Auch wenn die Lovikka Vantar überraschend leicht sind (100g reichen sogar für die Männergröße), sind sie richtige Thermohandschuhe.

Das liegt einerseits am traditionell doppelten Schaft.
In meiner Version habe ich mit der althergebrachten Machart etwas gespielt, und habe die Konstruktion so eingesetzt, dass Schnee nur schwer an der Krempe vorbei in die Handflächen rutschen kann.

Für den Daumen habe ich die Afterthought Methode gewählt und mit seitlich geneigten Abnahmen eine bewegungsfreundliche Handform gestrickt.

Selbst mit diesen kleinen Finessen sind meine Lovikka Fäustlinge für ambitionierte Anfänger geeignet, denn wie immer verweise ich im Muster zu Technikerklärungen – entweder in Marisa’s Grundlagenwerk “Masche für Masche“, oder Tutorials im Internet.

Wenn die Handschuhe fertig gestrickt sind, werden sie mit einer rauen Bürste aufgeflauscht (oder grausam gesagt: verfilzt). Dabei darf man nicht zimperlich sein. Mich hat es sogar ganz schön ins Schwitzen gebracht. Wobei das auch an dem grippalen Infekt liegen mag, den ich seit Weihnachten mit mir rumschleppe.

Zu guter Letzt wird dann der Schaft bestickt.

Meine Handschuhe habe ich in den traditionellen Farben blau, gelb und rot verziert. Und auch wenn sich bei den meisten Anleitungen eine deutlich reduziertere Stickerei durchgesetzt hat, auf den Effekt der etwas kleinteiligeren Arbeit wollte ich nicht verzichten.

Dabei sieht es viel komplizierter aus, als es letztendlich ist. In der Anleitung habe ich Schritt-für-Schritt aufgezeichnet, wie du auch dieses Muster aufbringen kannst. Du kannst meine Lovikka Fäustlinge mithilfe des Garnpakets genau nachstricken – die Anleitung enthält die Größen 5 Jahre, 8 Jahre, Dame oder Herr.

Und weil ich – trotz Kathi’s Versicherungen – leichte Bauchschmerzen bei der traditionellen Farbgebung habe, gibt es direkt auch noch eine marineblaue Variante 😉