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Von rund zu flach III – Sage

Vor annähernd zwei Jahren ist mir Sage im damals druckfrischen Büchlein mit der Windswept Collection von Marie Wallin aufgefallen. Mir war klar, das Teil muss her!

Vom vollkommenen Größenwahn besessen habe ich direkt die passenden Farben bei meiner Rowan Order mitbestellt. Bis Ende Januar lagen die Knäuel seitdem traurig im Lager und warteten auf ihren Einsatz. Denn zum Zeitpunkt meiner Bestellung hatte ich noch nie größere Muster in mehreren Farben gestrickt. Dass eine windschiefe Mütze nicht genug Übung für dieses Riesenprojekt sein würde, das war mir gottseidank klar.

In der Zwischenzeit habe ich mit größeren und kleineren Projekten meine Fair Isle Skills ganz ordentlich verbessert, und zum Glück auch sonst so einige Lektionen gelernt. Man muss davon ausgehen dass Sage ansonsten niemals fertig geworden wäre.

Im Endeffekt war das mehrfarbige Stricken das geringste Übel. Seit ich erst einmal die passende Handhaltung für mich gefunden hatte, macht es für mich kaum mehr einen Unterschied ob ich einen oder zwei Fäden gleichzeitig hantiere. Allerdings gilt das nur für rechte Maschen. Rückreihen sind möglich, aber wenig erstrebenswert. Schlicht und einfach des Komforts wegen. Denn man sieht das Muster nicht, muss dran denken den Chart rückwärts zu stricken, überall sind die Flottierfäden im Weg, und und und. Dazu die Problematik mit der Fadenspannung, und nebenbei noch auf die Farbdominanz achten. Da endet bei mir das entspannte Stricken, und ich werde zum Choleriker.

Um das Kleid in Runden stricken zu können, musste ich mir wieder den Aufbau der Klamotte überlegen:

Sageschema
Das Original Schema aus der Anleitung habe ich eigentlich nur nach unten verlängert, und die Ärmel ganz weggelassen

Auch im Original wird Sage von unten nach oben gestrickt, also vom Bündchen zum Ausschnitt. Der erste Teil war also wieder ganz leicht umzudenken: Addiere die Maschenanzahl für Vorder- und Rückenteil, schließe zur Runde, und ab geht’s. Bei der Hälfte der Maschen habe ich einen Markierer gesetzt um hinten und vorne leicht erkennbar zu haben. Da mein Sage keine Nähte haben würde, brauchte ich auch keine Nahtzugaben. Daher habe ich mir überlegt, dass etwa ein Zentimeter pro Seite, pro Teil beim Nähen verloren gegangen wäre (also insgesamt 4 Zentimeter). Anhand der Maschenprobe habe ich berechnet wie viele Maschen das sind, und habe sie weggelassen. Das war großzügig berechnet, da ich wusste dass Größe M bei mir etwas groß ausfallen würde. Beim Chart musste ich dann darauf achten, dass ich mir meinen eigenen Startpunkt einzeichne, damit das Muster auch über die verringerte Maschenanzahl aufgeht.

Einmal so weit gekommen habe ich eine Weile genügsam vor mich hin stricken können. Taschen einfügen – kein Problem, eigentlich wie in der Anleitung. Die Abnahmen für die Taille, immer schön am Rand, an Vorder- und Hinterteil gleichzeitig, für die Zunahmen danach das gleiche Spiel zurück.

Erst bei den Armlöchern kam meine wirkliche Veränderung.

Sageschema2In einigen Projekt Notizen bei Ravelry kann man nachlesen, dass die ein oder andere an dieser Stelle doch zum hin-und-her stricken übergegangen ist. Das kam für mich nicht in Frage. Meine Maschenprobe fürs rundgestrickte Muster war einfach viel fester, ein Übergang wäre am Maschenbild deutlich zu erkennen gewesen.

Außerdem kann ich Steeking! Und wer steeken kann braucht eigentlich keine linken Mustermaschen mehr. Zumindest wenn man nicht mit total rutschigem Garn strickt.

Wie im letzten flach-zu-rund Beitrag gilt es ja, die notwendigen Löcher für Kopf und Arme in den “Körperschlauch” zu bekommen.

Dafür wird die in der Anleitung geforderte Anzahl Maschen für die Armlöcher abgekettet. Also eigentlich doppelt so viele, denn ich habe ja gleichzeitig Vorder- und Hinterteil bearbeitet und das Armloch auf beiden Seiten formen müssen.

In der nächsten Runde wird ganz normal das Muster gestrickt, bis man zu den abgeketteten Maschen kommt. Jetzt werden Steekmaschen angeschlagen. Das sind einfach Maschen, die das Loch überbrücken, und nachher zerschnitten werden. Ich habe jeweils 7 Maschen angeschlagen, davon wird immer die erste und die letzte links gestrickt, damit eine klare Trennung zum eigentlichen Kleidungsstück da ist. Außerdem nutze ich später die “purl bumps” um die Maschen für die Bündchen aufzunehmen – das ist aber Spezialwissen.

ArmlochSageAm rechten Bildrand kann man erkennen, dass sich zwischen abgeketteten Maschen und Steekkante ein Loch gebildet hat. Die Steekmaschen erkennt man daran, dass die linken Randmaschen zwei Rillen bilden, und die Farben hier immer abwechselnd gestrickt und nicht im Muster sind.

Auch für den Ausschnitt habe ich das gleiche System genutzt. Die Maschen für die Kante still legen und mit 7 Maschen überbrücken. Sage hat dadurch am Ende eher die Form eines Trichters gehabt:

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Die Maschen auf der Rundnadel vorne bilden später die Unterkante für das Bündchen am Ausschnitt

Als ich an den Schultern angekommen war, habe ich die Maschen der Vorderseite mit denen der Hinterseite durch Maschenstich / Kitchener Stitch verbunden. Dann habe ich die Steekmaschen mit einer Häkelkante abgesichert, wie man das macht habe ich hier schon mal beschrieben. Und mit aufgeschnittenem Ausschnitt ist dann auch wieder ein Kleidungsstück zu erkennen…

sagenachschnitt

Cool oder?

Wie Sage dann fertig aussieht habe ich euch ja schon hier und hier gezeigt.

Übrigens: Da ich für mein persönliches Sage alle Farben bereits so lange vorher geordert hatte, habe ich noch alle Originalfarben aus der Anleitung zur Verfügung gehabt. Inzwischen ist die Farbe Hedgerow (das grün) nicht mehr im Programm. Da ich jeweils eine Verpackungseinheit ins Lager gelegt hatte, habe ich jetzt die übrigen Knäule in den Shop gestellt. Falls sich also jemand jetzt ein eigenes Sage zutraut: Hier geht’s lang zum Felted Tweed DK. Das Muster bekommt ihr hier, direkt von Marie Wallin.

 

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Sage am Sonntag #7

Dass ich mir im Mai Gedanken zu meinen Winteroutfits mache, das hat es ehrlich gesagt noch nicht gegeben. Aber jetzt wo Sage fertig ist, und hier auf einem Kleiderbügel hängt und mich anlacht, da kann ich nicht anders: Während ich die Wintersachen in die hinteren Schrankecken räume, halte ich immer mal wieder ein Teil ans Sage dran und stelle Kombinationen zusammen.

Das komische ist: Sage ist ein Wechselbalg! Mit weißer Bluse und schlichten Ballerinas wird es zu einem konservativen Büro Outfit, während es mit einem Longsleeve in petrol und passenden Schuhen gut zu einer Verabredung mit meinen Mädels getragen werden kann. Ehrlich gesagt bin ich positiv überrascht. So viele Farben und Muster in einem Teil können ja sehr sehr schnell zu verrückt für ein Alltagsteil werden. Und ich werde von allzu knalligen Klamotten auch gerne mal erschlagen, also ich fühle mich total verkleidet und fühle mich gar nicht wohl in meiner Haut. Aber nicht in Sage!

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Bei den aktuellen Temperaturen konnte ich mich partout nicht in eins der geplanten Winteroutfits zwängen, aber ein Beweisfoto musste schon sein.
Es ist noch reichlich Platz im Kleid, sollte es mal einen harten Winter geben ist auch ein Pullover drunter eine Option. Das ist übrigens der Hauptgrund für meine Entscheidung die Ärmel aus dem Original wegzulassen: In dieser Fassung ist Sage für Herbst bis Frühjahr als Schicht im Zwiebellook einsetzbar.

Da so viele Farben im Gestrick vorkommen, kann man mit Strumpfhosen, Shirts und Blusen experimentieren…fast alles passt irgendwie dazu. Auch eine Kurzarmbluse kann ich mir gut drunter vorstellen. Wir werden sehen, was der Winter bringt.

Alles in allem bin ich wirklich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Dass der Weg etwas beschwerlich war habe ich ja zur Genüge festgehalten. Für meine Begriffe habe ich mit meinen Änderungen das stricken deutlich vereinfacht, daher zeige ich euch in der kommenden Woche ein paar Techniken, mit denen man viele Anleitungen von unnötigen Schwierigkeiten befreien kann indem man rundstrickt.

 

Was beim nächsten Mal noch anders würde

Bündchen

Die nach Anleitung gestrickten Bündchen unten und an den Taschen. An Ausschnitt und Armen war ich schon schlauer, denn die zweifarbigen Bündchen sind tendenziell überhaupt nicht dehnbar, eher fester als das eigentliche Kleid. Nur durch rigoroses Dämpfen habe ich die Bündchen flach gezwungen. Und trotzdem wellen sie sich schon wieder. Momentan überlege ich Gummifäden einzunähen, denn auf Dauer werden die nicht besser.

Farben

An ein paar Stellen habe ich aus Versehen zu falschen Farben gegriffen. Das sieht gar nicht schlecht aus, und da würde ich beim nächsten Mal noch etwas mehr “Fehler” machen.

sagefinished2Maße

Zwischendurch hatte ich einige Bedenken, ob mir das Kleid am Ende passen würde. Die Ab-und Zunahmen habe ich ja wirklich genau nach Anleitung gemacht. Erst durchs dämpfen bin ich genau auf die Maschenprobe gekommen, vorher wirkte alles etwas knapp. Gestrick aus felted Tweed ist ohne dämpfen einfach sehr dicht und fest, ergo enger. Nächstes Mal würde ich die Taille noch ein wenig stärker betonen, denn im Moment könnte ich noch eine relativ fortgeschrittene Schwangerschaft im Sage unterbringen. Gerade von hinten sieht man, dass der Stoff noch Falten werfen kann…

Garnmenge

Der angegebene Garnverbrauch im Muster ist für meine Variante deutlich zu großzügig. Klar, ich habe die Ärmel weggelassen, aber dafür habe ich einen kompletten Musterrapport unten dran gehängt. Trotzdem habe ich insgesamt 4 Knäuel überhaupt nicht gebraucht und von fast allen Farben noch Reste. Wenn es mich wieder zu einem solchen Großprojekt treibt bin ich daher schlauer: Mit so vielen Mustern überall ist die Farbpartie der einzelnen Farben wirklich nicht wichtig. Man könnte also beruhigt erstmal nur ein Knäuel jeder Farbe kaufen, gemächlich vor sich hin stricken, und immer erst bei Bedarf Nachschub heranholen.

Sooooo, das war’s mit der Sage am Sonntag Reihe. Hoffentlich kann das Ergebnis (und die kommende Hilfestellung) noch einige von euch ermutigen so ein Großprojekt anzustricken. Wie sagt man so schön: #knitfasterwinteriscoming. Zumindest irgendwann. Aber jetzt geht’s erstmal mit warmen Temperaturen und passenderen Themen weiter 🙂

 

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Sage am Sonntag #5

Endspurt

Ein kleiner Spoiler vorneweg: Voraussichtlich befinde ich mich in der letzten Woche, in der Sage noch “auf den Nadeln” ist. (Es sei denn wir zählen die Wollnadeln beim vernähen der Fadenenden noch dazu ;-))

Tatsächlich bin ich noch 3 (Mini-)Runden vom Abketten entfernt. Das könnte man in einer Stunde runterstricken. Werde ich auch heute Abend noch in Angriff nehmen. Seit vor Ostern bin ich leider nicht mehr dazu gekommen, denn inzwischen hat mein Sage monsterhafte Dimensionen angenommen, die mich aufs zuhause stricken beschränken. Aber es musste ja ein knielanger Sage für 180cm Mensch werden, dass der irgendwann in keinen Projektbeutel mehr passen würde war irgendwie klar. Zum Glück muss ich jetzt wenigstens nicht die Schulter Vorder-/Rückseite 4x einzeln stricken, sondern habe weiterhin alles auf einer Rundnadel.

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Um weiterhin in Runden zu stricken, habe ich die Armlöcher und den Ausschnitt vorn und hinten zwar abgekettet, bzw. stillgelegt, aber an ihren Stellen jeweils 7 Steekmaschen aufgenommen. Im Bild erkennt man die linken Maschen am Steekrand gut, aus denen werde ich später für die Kante Maschen aufnehmen. Das habe ich in meiner Stranded Dimasq Anleitung genauer erklärt.

Ganz neu für mich wird die Versäuberung der Steekkante sein. Bei Dimasq habe ich (wie schon bei Pinneguri’s Thistle Shawl) einen Rand angestrickt, den umgeklappt und dann angenäht. Könnte man hier theoretisch auch machen, aaaaaaaaaber: Bei einem Tuch ist mir die etwas wulstige Kante ganz recht, es fällt durch das zusätzliche Gewicht sehr schön. Bei den Armausschnitten muss ich erst noch sehen, wie ich zu einer Wollwurst unter den Armen stehe. Alternativ könnte man auch ein Webband nehmen, und damit die Steekmaschen an der Rückseite festnähen und versäubern.

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Für den Hals-Ausschnitt habe ich übrigens über 60 Maschen durch 7 Steekmaschen ersetzt, das beult natürlich enorm. Die unteren Ränder an Hals und Nacken sind nicht abgekettet, sondern nur stillgelegt. So wird das Halsbündchen auf jeden Fall schön gleichmäßig. Man muss nur die ersten Runden Nadelsalat überstehen.

Das Seil der aktiven Rundnadel ist inzwischen viel zu lang, ich mache eine Art Maxi-Magic-Loop um nicht wechseln zu müssen. Eigentlich könnte ich diese letzten Runden aber sehr gut auf einem Nadelspiel stricken. Aber für die 3 Runden komme ich auch noch mit dem 100cm Seil zurecht.

Bei Facebook bin ich Mitglied einer Fairisle und Musterstrickgruppe, da wird Sage aktuell auch noch (mindestens) 2x gestrickt. Die Bilder sind der Hammer! Das Muster ist offenbar sogar genau nach Anleitung zu bezwingen, man muss nur vielleicht etwas geduldiger sein als ich es bin. Dank rundstricken werde ich ja “nur” die Hälfte der Fadenenden zu versorgen haben, aber schon  damit werde ich den Geduldsfaden sehr sehr stramm gespannt halten.

 

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Sage am Sonntag #4

Ein Rock mit Taschen

Diese Woche hat beim Sage einige Veränderung gebracht:

Der Musterchart ist jetzt zweimal durchgestrickt.

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Diesmal konnte ich schon aus der Erfahrung schöpfen, und wusste welche Farben Hintergrund und welche Musterfarbe sind. Danach konnte ich die Fadenhaltung anpassen um die Farbdominanztechnik bestmöglich einzusetzen. Ich meine dass die Muster diesmal besser zu erkennen sind. Das werde ich aber im Hinterkopf behalten und am fertigen und gedämpften Teil nachprüfen und vorzeigen. Von der Länge her habe ich jetzt einen Rock von Taille bis knapp übers Knie. Jetzt bleibt also noch der schmalere Torso.

Der Berg an Felted Tweed Knäueln ist schon deutlich geschrumpft.

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Die Taschen

Letzte Woche war mir die Idee zu einer anderen Taschenart eingeflüstert worden, und das hat wunderbar geklappt. Beide sind fertig und eingefügt. Der Mohairfaden macht sie toll flauschig, ich glaub ich muss aufpassen dass mir nicht an kalten Tagen andere Leute ihre Hände in die Taschen stecken 😉

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Farblich passen die Taschen natürlich gar nicht zum Rest von Sage, daher habe ich oben drei Runden cremefarbenes Felted Tweed angefügt, so sieht man von außen nix von meinem kleinen frivolen Taschengeheimnis…die Felted Tweed Runden habe ich außerdem auf der einen Hälfte links gestrickt, so dass sie am Kleid als rechte Maschen erscheinen und aussehen wie ein Teil vom Muster.

Um die Taschen wirklich schon als geschlossene Beutelchen zu stricken habe ich mir einen kleinen Trick ausgedacht, dazu wird es aber noch einen ausführlichen Post geben.

Aussichten: Heiter bis wolkenverhangen

Ab jetzt geht es eine Weile einfach geradeaus, ohne Zu- oder Abnahmen weiter, die Taille halt. Danach muss wieder etwas Platz geschaffen werden, außerdem kommen dann die Steeks für Ärmel, Ausschnitt, und die von mir ergänzte Knopfleiste im Rücken. Leider gibt es für die Zunahmen keine Markierungen im Chart, ich werde also den etwas kryptischen Anweisungen der Anleitung folgen müssen. Naja, man kann nicht alles haben.

Das alles könnte ich mit einem kleinen Spurt sicher in zwei bis drei Wochen fertig haben. Allerdings nur wenn ich nicht zur H&H fahren würde, meinen Garten nicht bewirtschafte, und sonst ein paar andere Freuden aus meinem Leben streichen würde…kurz gesagt: Ist nichts mit zwei drei Wochen, ich lass mir Zeit, braucht halt so lang es braucht. Nebenbei bemerkt ist es ja mit fertig stricken nicht getan:

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Zum ersten Einsatz kommt Sage also vielleicht erst in Richtung September / Oktober? Wenn es wieder kalt wird? Zum Beginn der nächsten Eiszeit? Bei der Auf den Nadeln Seite von Marisa wird man Sage jedenfalls noch ein paar Mal betrachten können…

The good news is:

Falls es hier noch jemanden in den Fingern juckt, und dringend für nächsten Herbst ein Sage her muss…seit letzter Woche ist es deutlich einfacher geworden ans Muster ran zu kommen. Die Erstauflage der Windswept Collection war ja innerhalb kürzester Zeit vergriffen, und noch so ein Heft zu bekommen war ein reiner Glücksfall über eBay und Konsorten. Doch seit neustem kann man bei Marie Wallin direkt eine on-demand Ausgabe bestellen. Will heissen: Das Buch wird auf Bestellung noch mal gedruckt, und wird dann per Post geliefert.

Und eine gute Nachricht für Sage-Ja-Sager habe ich auch noch: die in der Anleitung geforderte Farbe “Hedgerow” Grün ist aus dem Sortiment genommen, ich habe allerdings noch 7 Knäuel davon gebunkert, die sind im Shop erhältlich. Und soviel ich auch über die Anleitung nörgele, so schlimm kann es nicht sein… sonst gäbe es hier keine Bilder.

 

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Sage am Sonntag #2

Zwischenstand 2/x

Inzwischen sind also meine ersten zwei Wochen mit Sage auf den Nadeln verstrichen. Bisher machts noch Spaß 🙂

Die Charts habe ich mir auf A3 ausdrucken lassen; da sie weiterhin völlig unübersichtlich waren habe ich dann noch mit Buntstiften die Farben der Abschnitte eingemalt. Das konnte man bei Instagram verfolgen. Trotzdem habe ich zwei oder dreimal die falsche Farbe verstrickt. Meine ersten Sterne sind zum Beispiel rot in der Mitte, dabei sollten sie hellbraun sein. Mal sehen ob ich das wiederhole oder beim nächsten Rapport dann “richtig” mache.

Das corrugated Ribbing ist übrigens doch beige/braun geworden, mir gefällt das Zusammenspiel der Farben im Original zu gut als auch da (absichtlich) experimentierfreudig zu werden. Aber mannomann, das ist ja mal zeitaufwendig!

Das flache wird zu Runden…

Um mir das Stricken zu vereinfachen habe ich das Muster aufs rundstricken “umgedacht”. Dafür habe ich mir überlegt wie viel Nahtzugabe ich an den Seiten weglassen kann, habe das auf die Maschenprobe runtergebrochen, und mir die neue Anzahl Maschen in den Charts eingezeichnet. Für potentielle Nachstricker: Ich habe mit 1,5cm pro Seite gerechnet, also 6cm insgesamt. Das ergibt nach der Maschenprobe jeweils 5 Maschen die weggelassen werden können – insgesamt 20 –> 322 Maschen für Größe M.

Für jede Runde Bündchen hab ich mir ein kleines Bonbon als Belohnung erlaubt. Trotzdem ein echter Krampf – hat gute 3 Tage gebraucht für 16 Runden, so anstrengend war das für die Hände. Bin ich froh beim farbigen Teil angekommen zu sein. Glatt rechts in Farbe beherrsche ich dieser Tage quasi im Schlaf. Inzwischen habe ich den ersten Rapport quasi durch. Eigentlich hätte ich bis hierhin schon etliche Abnahmen machen sollen, habe ich aber nicht. Um Sage an meine Körpergröße anzupassen habe ich entschieden einen vollen Rapport unten dran zu hängen und dann die normalen Abnahmen weiter oben wie in der Anleitung zu befolgen.

Katholische Maße

Die Zwischenlänge kurz über den Po würde bei mir (180cm) doof aussehen, ich habe mir inzwischen überlegt dass ein richtiges Strickkleid viel mehr Verwendung finden würde als ein Pullover mit genau der falschen Länge 😉 Da ich mal eine katholische Schulbank gedrückt habe, und auch keine 16 mehr bin, finde ich eine Rocklänge von kurz über’s Knie passender. Kommt jetzt halt ne Wollstrumpfhose drunter. Wenn meine Rechnungen richtig sind wird das Kleid knapp über 1m lang statt 80cm im Original.

Letztes Mal wollte ich noch die Ärmel verlängern, im Moment tendiere ich zur Lösung Etuikleid: gar keine Ärmel, für Longsleeve oder Bluse drunter. Wir werden sehen wie weit meine Gedanken sind wenn ich erstmal soweit bin. Sage ist also ein Work und Think in Progress! Praktisch wäre natürlich, dass ich ungefähr die unten dran gehängte Menge Garn durch das Weglassen der Ärmel wieder raus hätte 😉

Die Aufreger der Woche

Für die Maschenprobe habe ich nicht das gesamte Muster nachgestrickt. Und bestimmt nicht in zwei Varianten. In der Anleitung steht aber nirgendwo welche Farbe man jeweils als dominanten Faden führen soll. Das ist also im Moment reines probieren. Finde ich suboptimal, denn die Effekte kann man zum Teil erst erkennen sobald man drei Runden weiter ist.

Außerdem: Der Musterchart geht über zwei volle Seiten, die erst auf DIN A3 einigermaßen erkenntlich sind. Der eigentliche Rapport sind aber oft nur um die 20 Maschen, das hätte man so viel einfacher darstellen können. Von der Nutzerfreundlichkeit her bekommt dieses Muster weiterhin keine guten Noten von mir. Trotzdem geht’s weiter, ich werde wohl noch ein paar Mal bei Marisa’s Auf den Nadeln teilnehmen können…

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Aktueller Stand:

Zu vernähende Fäden: 81

Bisheriger Verbrauch: 165g Felted Tweed

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Sage am Sonntag

Sage

So heisst Salbei auf Englisch. Und dieser Entwurf von Marie Wallin, der ehemaligen Chef Designerin von Rowan.

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Quelle: Ravelry

Seit Monaten habe ich Fingerkribbeln bei diesem Muster, und dabei ist es eigentlich doch viel zu bunt für mich. Und ich wollte eigentlich eine Kofte. Außerdem mal ein paar fixe Projekte nebenher, eigentlich nicht wieder so ein Monsterding für Monate…

Und doch bin ich uneigentlich schwach geworden. Auch weil ich endlich mal wieder mit Felted Tweed stricken wollte. Für meinen Geschmack ein oft leichtfertig unterschätztes Garn.

Seitdem ich das Anleitungs PDF gekauft habe bin ich allerdings etwas geschockt. Das wird nicht nur ob der schieren Projektgröße eine Monsteraufgabe… es werden kleinere Nadeln benutzt als sonst für Felted Tweed, die Mustercharts sind auf den ersten Blick unbrauchbar, Marie Wallin möchte außerdem dass ich Fair Isle hin und her stricke. Zu guter Letzt kommen meine Augen überhaupt nicht damit klar, wenn die Ärmelmusterung nicht synchron zum Körpermuster ist.

Hat da jemand aus Versehen Salbei geraucht?????

Ehrlich gesagt finde ich 8 € ne ganz schöne Stange Geld für eine Anleitung mit der ich persönlich so nicht arbeiten kann. Da hatte ich von einer so erfahrenen Designerin auch mehr erwartet. In meinem alten Job haben wir sehr viele “Usability” Tests gemacht, also ausprobiert wie der Kunde mit den Features unserer Seiten klarkommt. Diese Anleitung wäre im Usability Lab mit Sicherheit durchgefallen.

Einige (erfahrene) Strickerinnen haben das Design trotzdem “bewältigt”, alle lieben das fertige Teil und fast alle fluchen über die Anleitung. Besonders ausführlich kann man das auch bei Fröbelina nachlesen… (zwei Monate werde ich wohl nicht schlagen können).

Aber… der verdammte Ehrgeiz ist geweckt. 

Dank Ravelry kann ich die Anmerkungen von den anderen studieren und hoffentlich aus ihren Erkenntnissen Lehren ziehen. Offenbar finden auch (fast) alle anderen die Idee eine derartige Menge linker Fair Isle Maschen zu stricken eine Strafe, daher ist das rundstricken schon vielfach erprobt *puh*.

Auch der Tipp die Charts auf 200% auszudrucken ist bei quasi jedem Projekt zu lesen. Gut dass ich neben einem Architekten wohne, auf A4 waren die Kästchen mit dreiundrölfzig quasi identischen Farb-Symbolen echt nicht zu entziffern.

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Das ist eine DIN A4 Seite…

Und wenn ich jetzt schon so ein Himmelfahrtskommando unternehme, dann dürft ihr mir dabei natürlich über die Schulter schauen und schadenfreudig lachend über meinen Irrsinn den Kopf schütteln.

Bisheriger Fortschritt:

Das Garn liegt bereit und ich habe eine Maschenprobe im Muster gemacht (hin und her gestrickt!!!!!), gedämpft und in Form gezuppelt. Sieht soweit gut aus, ich komme auf haargenau die gleiche Maschenprobe wie in der Anleitung! Übrigens ist Felted Tweed nach dem Dämpfen viel weicher als im Knäuel – es wird kein kratziges Büßerhemd.

Beim Lesen ist mir aufgefallen, dass alle Kanten an den Bündchen hellbeige sind. Neeeeeeeee, bei mir nicht. Das ist mir zu empfindlich. Also Entschluss gefällt: die Bündchen werden dunkel.

Halblange Ärmel geht leider auch gar nicht, ich persönlich trage ja Wollpullis wenn mir kalt ist, und dann müssen auch die Unterarme warm sein. “Schmuckärmel”… ein diskretes Hervorblitzen der Klunker hat eh mehr Stil 😉

Im Moment plane ich für die Ärmel zu steeken oder sie einzustricken. Das hin und her stricken bedeutet ja auch immer doppelt so viele Fäden zum vernähen zu haben. Aber vielleicht verlässt mich bis so weit oben auch die Weisheit, und ich beisse in den sauren Apfel um sicher die richtige Ärmelform zu bekommen.

Außerdem tendiere ich dazu das ganze etwas zu verlängern (wenn schon Monsterprojekt, dann richtig), und es eher in Richtung Kleid zu machen. Dafür werde ich vielleicht hinten im Rücken einen Steek machen und eine Knopfleiste einbauen. Aber das entscheide ich dann nochmal wenn es wirklich soweit ist… kommt Zeit kommt Rat quasi.

Bis dahin werde ich euch noch den ein oder anderen Zwischenstand präsentieren können…

Sageswatch

Ich verlinke Sage auf Marisa’s Linksammlung “Auf den Nadeln Januar

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Fairisle Trick

Entspannte Fair Isle Runden

Gehört ihr auch zu den Feststrickern? Bei mir liegt es glaub ich daran, dass ich erst häkeln gelernt habe, und immer schön die Maschen festgezurrt habe – jedenfalls muss ich beim Stricken drauf achten die Maschen locker lässig aus dem Handgelenk zu zaubern. Die Problematik potenziert sich bei den mehrfädigen Techniken dann noch um ein Vielfaches, sobald ich das Garn auch um Mittel- / Ringfinger wickle, verkrampfen sich meine Maschen wie von selbst…

Bei den rundgestrickten Dreieckstüchern (Dimasq / Thistles) hat sich die Situation merklich entspannt, sobald die Runde groß genug für 80cm Rundnadeln war. Mit Magic Loop kann ich gar kein Fair Isle stricken, wo auch immer das Kabel rausguckt verzerrt sich das Maschenbild ins Groteske. Auch von anderen habe ich schon gehört, dass kleinere Fair Isle Arbeiten wie Mützen, aber insbesondere Handschuhe, auf dem Nadelspiel aussehen als hätte das Muster eine ausgeprägte Zellulitis.

Nun ist mir letztens ein hilfreicher Trick aus Norwegen zugetragen worden…und zwar:

Auf links stricken!!!!

Nein, ich bin nicht verrückt geworden, und ich rücke auch nicht von meiner Weigerung ab Muster in linken Maschen zu stricken, nein!!! Das Geheimnis ist, das Rundgestrick auf links zu drehen, so dass die Flottierfäden außen liegen. Und zwar so:

FairIsleTrick
Das ist übrigens Handschuh #21 vom Dale Adventskalender “Julevotter”

Einfache Geometrie: Der äußere Umfang eines Kreises ist immer größer aus der innere.

Wenn die Fäden außen herum geführt werden, können sie keine “Abkürzungen” mehr nehmen, die Flotten werden quasi dazu gezwungen locker um alle neuralgischen Nadelübergänge herum zu wandern.

Haken an der Sache:

Ist eigentlich keiner. Im ersten Moment ist es etwas ungewohnt das Gestrick zwischen sich und den Nadeln zu haben, und auf einmal gegen den Uhrzeigersinn zu stricken. Aber die Maschen werden weiterhin rechts gestrickt, und sobald man ein paar Runden hinter sich hat löst sich auch der Stricknadelsalat von ganz alleine. Also reine Übungssache, und ein bisschen flexibel muss das Strickgehirn ja auch bleiben 😉

Jedenfalls habe ich diese Technik jetzt anhand von 24 kleinen Julevotter-Handschuhen ausprobiert, und filigranste Muster über 26 Maschen auf einem Nadelspiel gestrickt. Bombastisch!

Wenn ich doch diese Kur gegen Maschenzellulitis übertragen könnte…ich könnte mir ein Leben als Strickeremitin leisten 😉

 

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Eek a Steek

Der Dimasq KAL hat angefangen!

Bei mir hat es bisher nur zur Maschenprobe gereicht, da ich eine kleine Abwandlung stricke: Mein Dimasq wird diesmal ein Stranded Schal, kein Tuch. Bedingt durchs Musterschreiben habe ich ja schon je ein Doubleface und ein Stranded Tuch, und Schals sind ja doch vielseitiger einsetzbar als Tücher…

KAL

Schal vs Tuch

Auch der Stranded Schal wird – wie das Tuch – rundgestrickt. Wieso? Weil es viel viel viel viel einfacher ist, immer nur die Vorderseite zu stricken, als das Muster auch rückwärts in linken Maschen mit Flotten im Weg zu stricken.

Da ich aber keinen Loopschal haben möchte, werde ich den Schal an einer Seite durchschneiden müssen.

Und damit sind wir beim Thema des Tages: Eek a Steek! (Igitt ein Steek)

Heute hat zufällig Marisa gefragt, wie andere Strickerinnen das mit dem “Steek” machen. Wenn du jetzt kritisch die Augenbraue hebst, und dich fragst ob wir sonst noch Probleme haben, dass wir im September über gegrilltes Fleisch reden wollen: Nicht Steak, Steek 🙂

Keine Sorge, das Konzept vom Steek scheint sich in Deutschland wirklich noch nicht besonders weit rumgesprochen zu haben – dabei ist es eine Technik, mit der man sich das Leben so viel einfacher machen kann! Zumindest wenn man gerne farbige Muster strickt. Auf Englisch gibt es eine tolle Zusammenfassung von Eunny Jang.

Carina vom Häkelmonster hat letztens spekuliert, ob Norwegerinnen vielleicht schon mit Stricknadeln in der Hand geboren werden. Das scheint nicht der Fall zu sein, mir Halbwegerin waren laut meiner Mutter jedenfalls keine beigelegt. Aber: Steeking scheint uns einfach im Blut zu liegen. In norwegischen Strickanleitungen  wird das einfach als naturgegebenes Können vorausgesetzt.

Schnipp Schnapp und weiter im Text

Ganz so naturgegeben war mein erster Steek nicht! (Halbblut reicht wohl nicht) Aber inzwischen habe ich den Dreh raus, und das geb ich euch natürlich gern weiter:

Wie schon gesagt, Steeks stehen im Zusammenhang mit Norwegen, Norwegerpullis, Fair Isle Stricktechnik etc.

Und zwar werden diese Muster ja mit mehreren Fäden gleichzeitig gestrickt, die in “Flotten” hinter der Arbeit hergeführt werden. Alle paar Maschen werden die Fäden miteinander verwebt, damit die Flotten nicht zu lang werden. Aber egal wie häufig man das macht, die Rückseite sieht immer ein bisschen unübersichtlich aus.

So sieht die Rückseite von Stranded aus - die Flotten

Man kann solche Muster auch hin- und her stricken. Entweder indem man die Musterreihen mit einfarbigen Reihen unterbricht (also die Rückreihe nur einfarbig macht), oder indem man das Muster in den Rückreihen rückwärts in linken Maschen strickt. Das ist machbar, empfehle ich aber eher für Menschen mit leicht masochistischen Tendenzen oder zu viel Zeit und Nerven.

Da ich über keins dieser Charaktermerkmale verfüge, stricke ich rechts und rund, wie bei einer Mütze oder einem Loop.

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Und wie wird das Runde zum Eckigen?

Wenn wir uns zum Beispiel traditionelle Norwegerpullis anschauen, so werden die überlicherweise von unten nach oben rund gestrickt, und an den Schultern geschlossen. Da der Mensch aber in einem über den Kopf gestülpten, gestrickten Sack recht handlungsunfähig ist muss ein Pulli irgendwie Armlöcher bekommen.

Also schneidet man an den Seiten jeweils ein Loch und strickt / näht den Ärmel in dieses Loch.

Nein, wir haben keine Zauberkräfte, auch unser Gestrick würde aufribbeln, wenn wir da einfach so reinschneiden. (*es gibt da eine Ausnahme, aber das führt zu weit) Also wird alles unternommen um die Schnittkante abzusichern: Erstens strickt man ein paar Maschen mit alleinigen Absicht diese zu zerschneiden. Damit man die gut erkennt, und damit hier keine langen Flotten stören, strickt man die am besten im Schachbrettmuster:

Diese Maschen werden abwechselnd und versetzt gestrickt, das erhöht die Stabilität beim Schneiden

Wenn das Gestrick soweit ist, hat man zwei Optionen für die Steeknaht

Maschine

Nähmaschine geht fix und kann nachher leichter versteckt werden. Ich persönlich habe das noch nie gemacht, da ich keine Möglichkeit bei Dreieckstüchern sehe wie ich den Maschinenfuß in die Spitze bekomme. Laut meinen Recherchen geht es aber super einfach:

Zickzacknaht links und rechts der gewünschten Schnittkante, zwischen den beiden Nähten her schneiden, fertig ist angeblich die Kiste.

Häkeln

Diese Variante nutze ich beim Dimasq. Dafür muss man allerdings feste Maschen an etwas dranhäkeln können. Toll erklärt ist das im Tutorial von Kate Davies, einer unglaublich kreativen Strickdesignerin aus Schottland.

Aber da es ihr Tutorial nur auf Englisch gibt, gibt es hier meine Variante auf Deutsch:

Steek1
Eine Luftmasche um die Häkelnadel legen
Steek2
In die oberste Masche am Rand einstechen
steek22
Den Faden unter der Masche herziehen, es liegen zwei Maschen auf der Häkelnadel. Dann den Faden durch beide Maschen durchziehen (Feste Maschen häkeln)
steek3
Bei jeder Masche unter den beiden “Maschengliedern” herstechen und eine Reihe von festen Maschen bis zur unteren Kante häkeln. JEDE Masche muss verhäkelt werden!
steek4
Wenn die erste Reihe unten zu Ende gehäkelt ist, musst du an der anderen Seite der Schnittmaschen von der unteren Kante nach oben häkeln. Du musst einmal von oben und einmal von unten häkeln, damit die Maschen sich voneinander “weglehnen” (s. Bild)
steek5
Wenn du beide Seiten abgehäkelt hast, kommt jetzt die Schere zum Einsatz. Ganz vorsichtig, und Masche für Masche schneidest du zwischen den Häkelkanten her.
steek6
So sieht die Schnittkante dann aus

 

Sollte die Kante nachher sichtbar sein – wie bei Marisa’s Loppa Jacke, oder wie beim Dimasq – dann kann man auch schon beim Stricken Vorkehrungen treffen um nachher eine schöne Kante nachzurüsten. Das steht dann in der jeweiligen Anleitung drin.

Und das hat doch gar nicht weh getan! Wenn du jetzt auch Lust bekommen hast – unser KAL läuft noch bis Ende des Jahres…Dimasq kann ja noch unter ein paar Weihnachtsbäumen landen.

 

 

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Auf den Nadeln Muni

Muni?

Ja, so wie Kimye und Brangelina müssen Mai und Juni bei mir auch zusammengefasst werden. Muni 🙂

Ihr werdet es erahnen können…es gibt immernoch kein Internet. Die Zeitangabe weiterhin: unabsehbar.

Also bin ich spontan zu meiner Freundin Morgan nach Sardinien gefahren. Genau die richtige Entscheidung! Sardinien war traumhaft! Selbst bei mittelmäßigem Wetter habe ich mich komplett in Alghero verliebt. Die Farben, die Geschichte, die Muster, so viel zu entdecken! Und da ich die erste Zeit allein war und Hunde gehütet habe, hatte ich auch reichlich Zeit für mein aktuelles Monsterprojekt:

Dimasq

Dimasq – Erinnerungen an Damaskus, heisst mein neues Tuch, denn die Inspiration stammt aus meiner Zeit in Damaskus 2008. Damals waren mein Bruder und ich für einen Monat nach Syrien gereist um einen Sprachkurs zu machen, und um uns die vielen Weltkulturerbestätten im Land anzusehen. Das war mit Sicherheit DIE Reise meines bisherigen Lebens. Ein Lichtstrahl durch die Decke im Suq erleuchtet mich :-)Im historischen Suq von Damaskus schenkt ein traditioneller Teemann aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit den Erinnerungen an Land, Leute und Kultur, schmerzen die Nachrichtenbilder vermutlich einfach noch mehr. Nach Palmyra konnte ich damals nicht mit, ein Sonnenstich hatte mich komplett außer Gefecht gesetzt. Wie es aussieht, wird sich die Gelegenheit so schnell nicht wieder bieten.

Im Winter, als ich gerade mein Thistle Tuch fertig gestrickt hatte, habe ich jedenfalls mal wieder die alten Bilder auf meinem Rechner durchgeklickt, und dabei bin ich an diesem Bild hängen geblieben: Mein Urlaubsbild von einem Fliesenmuster Wie raffiniert ist bitte das Fliesenmuster in der Mitte? Und in meinem Kopf fing es an zu rattern…das müsste doch nach der Bauart von Thistle in ein Tuch zu stricken sein…Also skizziert, excel angepasst, probiert, angestrickt, korrigiert, wieder eine Maschenprobe, und siehe da: Das Muster geht auf!

Ich habe es ein wenig interpretiert, denn das Original hätte großflächiger werden müssen, dafür sind dann häufiger lange einfarbige Sequenzen nötig, und das macht bei der Fair-Isle Technik direkt auch lange Flottier-Fäden auf der Rückseite –> gaaaaaanz schlecht für ein Tuch, dass ja auch mal an Ketten, Haarspangen oder so hängen bleiben kann. Also ist das hier dabei rausgekommen:

Mein erster Musterentwurf Dimasqmeine erste Maschenprobe vom Muster

 

 

 

 

 

 

 

 

Als ich bei Instagram meine ersten Fortschritte gepostet habe, ließ mir Sina von Shining strickt einen Kommentar da, und irgendwie sind wir dazu gekommen, dass sie Dimasq teststrickt. Das ist eine glückliche Fügung, denn Sina kam mit einer absolut bombastischen Idee um die Ecke: Kann man das wohl auch als Double-Face stricken?

Double What? Double Face!

Von Double Face hatte ich schon mal gehört, aber ausprobiert hatte ich das noch nie. Also wieder hingesetzt, recherchiert, nachgerechnet, angestrickt, Fazit: Jo das geht! Und nicht nur das, es geht richtig gut! Denn durch die perfekte Symmetrie braucht man nur eine Musterschrift für beide Seiten. Jetzt stricke ich also parallel Dimasq mit zwei Techniken und schreibe an der Anleitung. Kleine Warnung: Beide Techniken sind nicht unbedingt für Anfänger geeignet, aber absolut schaffbar. Zwei Arten Dimasq Die blau-graue Variante stricke ich aus Regia Sockenwolle, das hat sich schon beim Thistle bewährt. Für das Double Face Tuch nutze ich mein heißgeliebtes Cardiff Cashmere, und was soll ich sagen: Ich bin noch begeisterter! Selbst die Reise nach Sardinien (im Koffer) hat keine Noppen zur Folge gehabt.

Sobald das Muster fertig ist, wollen Sina und ich einen kleinen Knit-Along veranstalten, wer Lust hat kann sich gern schonmal melden, dann gebe ich Bescheid wenn ich soweit bin.
Hier geht’s erstmal ab zu: Maschenfein’s Auf den Nadeln Aktion, und zum Creadienstag.