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Von rund zu flach III – Sage

Vor annähernd zwei Jahren ist mir Sage im damals druckfrischen Büchlein mit der Windswept Collection von Marie Wallin aufgefallen. Mir war klar, das Teil muss her!

Vom vollkommenen Größenwahn besessen habe ich direkt die passenden Farben bei meiner Rowan Order mitbestellt. Bis Ende Januar lagen die Knäuel seitdem traurig im Lager und warteten auf ihren Einsatz. Denn zum Zeitpunkt meiner Bestellung hatte ich noch nie größere Muster in mehreren Farben gestrickt. Dass eine windschiefe Mütze nicht genug Übung für dieses Riesenprojekt sein würde, das war mir gottseidank klar.

In der Zwischenzeit habe ich mit größeren und kleineren Projekten meine Fair Isle Skills ganz ordentlich verbessert, und zum Glück auch sonst so einige Lektionen gelernt. Man muss davon ausgehen dass Sage ansonsten niemals fertig geworden wäre.

Im Endeffekt war das mehrfarbige Stricken das geringste Übel. Seit ich erst einmal die passende Handhaltung für mich gefunden hatte, macht es für mich kaum mehr einen Unterschied ob ich einen oder zwei Fäden gleichzeitig hantiere. Allerdings gilt das nur für rechte Maschen. Rückreihen sind möglich, aber wenig erstrebenswert. Schlicht und einfach des Komforts wegen. Denn man sieht das Muster nicht, muss dran denken den Chart rückwärts zu stricken, überall sind die Flottierfäden im Weg, und und und. Dazu die Problematik mit der Fadenspannung, und nebenbei noch auf die Farbdominanz achten. Da endet bei mir das entspannte Stricken, und ich werde zum Choleriker.

Um das Kleid in Runden stricken zu können, musste ich mir wieder den Aufbau der Klamotte überlegen:

Sageschema
Das Original Schema aus der Anleitung habe ich eigentlich nur nach unten verlängert, und die Ärmel ganz weggelassen

Auch im Original wird Sage von unten nach oben gestrickt, also vom Bündchen zum Ausschnitt. Der erste Teil war also wieder ganz leicht umzudenken: Addiere die Maschenanzahl für Vorder- und Rückenteil, schließe zur Runde, und ab geht’s. Bei der Hälfte der Maschen habe ich einen Markierer gesetzt um hinten und vorne leicht erkennbar zu haben. Da mein Sage keine Nähte haben würde, brauchte ich auch keine Nahtzugaben. Daher habe ich mir überlegt, dass etwa ein Zentimeter pro Seite, pro Teil beim Nähen verloren gegangen wäre (also insgesamt 4 Zentimeter). Anhand der Maschenprobe habe ich berechnet wie viele Maschen das sind, und habe sie weggelassen. Das war großzügig berechnet, da ich wusste dass Größe M bei mir etwas groß ausfallen würde. Beim Chart musste ich dann darauf achten, dass ich mir meinen eigenen Startpunkt einzeichne, damit das Muster auch über die verringerte Maschenanzahl aufgeht.

Einmal so weit gekommen habe ich eine Weile genügsam vor mich hin stricken können. Taschen einfügen – kein Problem, eigentlich wie in der Anleitung. Die Abnahmen für die Taille, immer schön am Rand, an Vorder- und Hinterteil gleichzeitig, für die Zunahmen danach das gleiche Spiel zurück.

Erst bei den Armlöchern kam meine wirkliche Veränderung.

Sageschema2In einigen Projekt Notizen bei Ravelry kann man nachlesen, dass die ein oder andere an dieser Stelle doch zum hin-und-her stricken übergegangen ist. Das kam für mich nicht in Frage. Meine Maschenprobe fürs rundgestrickte Muster war einfach viel fester, ein Übergang wäre am Maschenbild deutlich zu erkennen gewesen.

Außerdem kann ich Steeking! Und wer steeken kann braucht eigentlich keine linken Mustermaschen mehr. Zumindest wenn man nicht mit total rutschigem Garn strickt.

Wie im letzten flach-zu-rund Beitrag gilt es ja, die notwendigen Löcher für Kopf und Arme in den „Körperschlauch“ zu bekommen.

Dafür wird die in der Anleitung geforderte Anzahl Maschen für die Armlöcher abgekettet. Also eigentlich doppelt so viele, denn ich habe ja gleichzeitig Vorder- und Hinterteil bearbeitet und das Armloch auf beiden Seiten formen müssen.

In der nächsten Runde wird ganz normal das Muster gestrickt, bis man zu den abgeketteten Maschen kommt. Jetzt werden Steekmaschen angeschlagen. Das sind einfach Maschen, die das Loch überbrücken, und nachher zerschnitten werden. Ich habe jeweils 7 Maschen angeschlagen, davon wird immer die erste und die letzte links gestrickt, damit eine klare Trennung zum eigentlichen Kleidungsstück da ist. Außerdem nutze ich später die „purl bumps“ um die Maschen für die Bündchen aufzunehmen – das ist aber Spezialwissen.

ArmlochSageAm rechten Bildrand kann man erkennen, dass sich zwischen abgeketteten Maschen und Steekkante ein Loch gebildet hat. Die Steekmaschen erkennt man daran, dass die linken Randmaschen zwei Rillen bilden, und die Farben hier immer abwechselnd gestrickt und nicht im Muster sind.

Auch für den Ausschnitt habe ich das gleiche System genutzt. Die Maschen für die Kante still legen und mit 7 Maschen überbrücken. Sage hat dadurch am Ende eher die Form eines Trichters gehabt:

Sagetrichter
Die Maschen auf der Rundnadel vorne bilden später die Unterkante für das Bündchen am Ausschnitt

Als ich an den Schultern angekommen war, habe ich die Maschen der Vorderseite mit denen der Hinterseite durch Maschenstich / Kitchener Stitch verbunden. Dann habe ich die Steekmaschen mit einer Häkelkante abgesichert, wie man das macht habe ich hier schon mal beschrieben. Und mit aufgeschnittenem Ausschnitt ist dann auch wieder ein Kleidungsstück zu erkennen…

sagenachschnitt

Cool oder?

Wie Sage dann fertig aussieht habe ich euch ja schon hier und hier gezeigt.

Übrigens: Da ich für mein persönliches Sage alle Farben bereits so lange vorher geordert hatte, habe ich noch alle Originalfarben aus der Anleitung zur Verfügung gehabt. Inzwischen ist die Farbe Hedgerow (das grün) nicht mehr im Programm. Da ich jeweils eine Verpackungseinheit ins Lager gelegt hatte, habe ich jetzt die übrigen Knäule in den Shop gestellt. Falls sich also jemand jetzt ein eigenes Sage zutraut: Hier geht’s lang zum Felted Tweed DK. Das Muster bekommt ihr hier, direkt von Marie Wallin.

 

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Von flach zu rund II – Yarrow

 

Yarroworiginal
Original

yarrowhochkant
Vereinfacht, verlängert, geliebt!

Um mal das Pferd von hinten aufzuzäumen: Yarrow ist fertig, und sieht dem Original sehr ähnlich. Aber erinnert ihr euch noch an die Benotung des „Lösungswegs“ im Mathematik Unterricht? Das Endergebnis mag aussehen wie von meinem Banknachbarn (in dem Fall Rowan selber), aber mein Lösungsweg ist völlig anders.

Wie ich gestern angekündigt habe, versuche ich euch meine Herangehensweise zu erklären. Dazu fange ich erstmal mit Pullover-Theorie an:

Grundsätzlich ist ein Pullover wirklich simpel aufgebaut. Denn wenn man stark vereinfacht besteht das Grundmodell aus drei Schläuchen. Einer mit einer kleineren Öffnung oben (Kopf), und zwei Löchern an der Seite (Ärmel); außerdem zwei nach unten enger werdende Schläuche für die Arme.

Wer schonmal einen Loop-Schal gestrickt hat weiß: Einen Schlauch zu stricken ist die einfachste Übung. Ausreichend Maschen anschlagen, immer in Runden hoch stricken (gerne glatt rechts), abketten, fertig. Da immer die rechte Seite gestrickt wird, ist das Maschenbild im Zweifel viel gleichmäßiger als bei hin-und-her gestrickten Schals etc.

Aber wie bekommt man die passenden Öffnungen in den Körperschlauch, und wie befestigt man die Ärmel? yarrowparts

Eine Möglichkeit ist Einzelteile aneinander zu nähen. Also Rücken, Brust und zwei Ärmel stricken, und alles aneinander sticheln. So hat sich die Designerin von Yarrow, Marie Wallin, das gedacht. Für richtig alte Hasen ist das vermutlich die ultimative Lösung. Sie bietet auch wirklich Vorteile: Die einzelnen Teile sind recht klein, man schleppt keinen ganzen Pullover mit sich rum. Am Ende können die Einzelteile auch einzeln in Form gespannt werden, so optimal kann man ein komplettes Kleidungsstück leider nicht spannen.

Andererseits bin ich kein Fan. Man braucht schon etwas Erfahrung um bei den Teilen zu wissen – passt das? Was ist mit der Nahtzugabe?  Außerdem unterbrechen (selbst die saubersten) Nähte so unschön das glatte Maschenbild, zum Teil sind sie im Weg, und bei manchen Materialien neigen sie auch noch besonders zum pillen. Sehr zu meiner Schande muss ich auch gestehen, dass Pulloverteile gerne ein paar Wochen liegen bleiben bevor ich die Disziplin zum nähen finde…

yarrowschemaIV
Am Ende wollen wir also mit möglichst wenigen Nähten dieses Ergebnis

Im Fall von Yarrow erspare ich mir daher die Nähte an den Seiten, den Schultern, und entlang der Ärmel.

Dafür musste ich aus den Angaben für Vorderteil und Rücken den „Körperschlauch“ denken. Das ist relativ einfach, ich schlage einfach die Maschen für beide hintereinander an und schließe die Runde. Da ich keine Nahtzugabe brauche, kann ich noch Maschen am Rand weglassen, oder nicht. Bei Yarrow habe ich das nicht gemacht, ich versuche am Sonntag beim Sage nochmal genauer darauf einzugehen.

Bis unter die Arme kann ich jetzt einfach einen Schlauch stricken – mit dem Lacemuster aus der Anleitung.

Als nächstes habe ich dann die Ärmel gestrickt. Dazu habe ich einfach die Maschen auf einem Nadelspiel verteilt, die Runde geschlossen, und mit den Zunahmen der Anleitung auf die gewünschte Länge zwei Schläuche gestrickt. Da meine Arme überdurchschnittlich lang sind, habe ich ein paar Zentimeter dran gehängt. Dafür habe ich die Ärmel mit einem gut sitzenden Pullover verglichen.

Der nächste Schritt ist etwas friemelig, aber im Grunde auch ganz einfach. Und zwar werden die Ärmel jetzt an den Körper angestrickt. Dazu werden unter den Armen einige Maschen still gelegt, sowohl am Ärmel als auch am Körperschlauch. Diese Maschen werden später per Maschenstich unsichtbar (und unfühlbar) vernäht.

Bei Yarrow zeigt sich hier eine Besonderheit, denn es gibt keine Armkugel. Die Ärmel werden eigentlich auf der Höhe der Achseln angenäht, Brust und Rückenteil hängen quasi über die Schultern nach unten. yarrowschemaI

Also habe ich den rot markierten Bereich einerseits hoch zum Ausschnitt gestrickt, ihn aber auch gleichzeitig an den Ärmel befestigt. Und warum nähen, wenn ich doch viel besser stricken kann? (Nebenbei bemerkt garantiert meine Variante dass wirklich Masche auf Masche trifft, hier konnte nix schief werden.)

Bei anderen Schulterformen arbeite ich sonst mit Abnahmen an Ärmel und Körper gleichzeitig, hier habe ich mir die Technik der verkürzten Reihen mit Wrap & Turn zunutze gemacht. Und zwar habe ich Vorder- und Rückenteil getrennt fertig gestrickt – also quasi nach Anleitung – und immer die letzte Körpermasche mit einer Ärmelmasche zusammengestrickt. So geht das aber wirklich nur, wenn es gar keine Armkugel gibt, denn wie man oben im Bild erkennt werden zwei gerade Stücke miteinander verbunden.

Und so gehts:

Schritt1yarrow
Die äußerste Körpermasche wird mit der innersten Ärmelmasche zusammengestrickt

Den Maschenmarkierer habe ich vor die letzte Masche des Körpers gesetzt, damit ich die letzte Masche immer frei greifbar hatte.

schrittIIyarrow
Wrap & Turn (Umwickeln & Umdrehen)

Danach wird der Faden nach vorn genommen, die nächste Masche abgehoben, Faden wieder nach hinten gelegt, Masche zurück auf die linke Nadel gelegt, und die Arbeit wird gewendet. Klingt kompliziert, ist aber so einfach wie der englische Name… die Masche wird umwickelt, und es wird eine Rückreihe gestrickt. Am Ende der Rückreihe wird der andere Ärmel mit der gleichen Technik befestigt.

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Und so sieht die „Naht“ nachher aus. Die Löcher und Drehungen sind Teil von Yarrow, das Lacemuster wiederholt sich am Armausschnitt

Ganz ohne linke Maschen bin ich also nicht ausgekommen. Aber gute 90% habe ich mir gespart 😉

Auch an den Schultern habe ich wieder verkürzte Reihen gestrickt: Anstatt Maschen abzuketten, habe ich einfach jede Reihe weniger Maschen gestrickt, und die „abgeketteten“ auf der linken Nadel liegen gelassen. So konnte ich die Schulter formen, und anschließend mithilfe des Maschenstich auch die Schulternähte unsichtbar machen.

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Mir gefällt das Ergebnis sehr gut.

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Sage am Sonntag #7

Dass ich mir im Mai Gedanken zu meinen Winteroutfits mache, das hat es ehrlich gesagt noch nicht gegeben. Aber jetzt wo Sage fertig ist, und hier auf einem Kleiderbügel hängt und mich anlacht, da kann ich nicht anders: Während ich die Wintersachen in die hinteren Schrankecken räume, halte ich immer mal wieder ein Teil ans Sage dran und stelle Kombinationen zusammen.

Das komische ist: Sage ist ein Wechselbalg! Mit weißer Bluse und schlichten Ballerinas wird es zu einem konservativen Büro Outfit, während es mit einem Longsleeve in petrol und passenden Schuhen gut zu einer Verabredung mit meinen Mädels getragen werden kann. Ehrlich gesagt bin ich positiv überrascht. So viele Farben und Muster in einem Teil können ja sehr sehr schnell zu verrückt für ein Alltagsteil werden. Und ich werde von allzu knalligen Klamotten auch gerne mal erschlagen, also ich fühle mich total verkleidet und fühle mich gar nicht wohl in meiner Haut. Aber nicht in Sage!

sagefinished3

Bei den aktuellen Temperaturen konnte ich mich partout nicht in eins der geplanten Winteroutfits zwängen, aber ein Beweisfoto musste schon sein.
Es ist noch reichlich Platz im Kleid, sollte es mal einen harten Winter geben ist auch ein Pullover drunter eine Option. Das ist übrigens der Hauptgrund für meine Entscheidung die Ärmel aus dem Original wegzulassen: In dieser Fassung ist Sage für Herbst bis Frühjahr als Schicht im Zwiebellook einsetzbar.

Da so viele Farben im Gestrick vorkommen, kann man mit Strumpfhosen, Shirts und Blusen experimentieren…fast alles passt irgendwie dazu. Auch eine Kurzarmbluse kann ich mir gut drunter vorstellen. Wir werden sehen, was der Winter bringt.

Alles in allem bin ich wirklich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Dass der Weg etwas beschwerlich war habe ich ja zur Genüge festgehalten. Für meine Begriffe habe ich mit meinen Änderungen das stricken deutlich vereinfacht, daher zeige ich euch in der kommenden Woche ein paar Techniken, mit denen man viele Anleitungen von unnötigen Schwierigkeiten befreien kann indem man rundstrickt.

 

Was beim nächsten Mal noch anders würde

Bündchen

Die nach Anleitung gestrickten Bündchen unten und an den Taschen. An Ausschnitt und Armen war ich schon schlauer, denn die zweifarbigen Bündchen sind tendenziell überhaupt nicht dehnbar, eher fester als das eigentliche Kleid. Nur durch rigoroses Dämpfen habe ich die Bündchen flach gezwungen. Und trotzdem wellen sie sich schon wieder. Momentan überlege ich Gummifäden einzunähen, denn auf Dauer werden die nicht besser.

Farben

An ein paar Stellen habe ich aus Versehen zu falschen Farben gegriffen. Das sieht gar nicht schlecht aus, und da würde ich beim nächsten Mal noch etwas mehr „Fehler“ machen.

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Zwischendurch hatte ich einige Bedenken, ob mir das Kleid am Ende passen würde. Die Ab-und Zunahmen habe ich ja wirklich genau nach Anleitung gemacht. Erst durchs dämpfen bin ich genau auf die Maschenprobe gekommen, vorher wirkte alles etwas knapp. Gestrick aus felted Tweed ist ohne dämpfen einfach sehr dicht und fest, ergo enger. Nächstes Mal würde ich die Taille noch ein wenig stärker betonen, denn im Moment könnte ich noch eine relativ fortgeschrittene Schwangerschaft im Sage unterbringen. Gerade von hinten sieht man, dass der Stoff noch Falten werfen kann…

Garnmenge

Der angegebene Garnverbrauch im Muster ist für meine Variante deutlich zu großzügig. Klar, ich habe die Ärmel weggelassen, aber dafür habe ich einen kompletten Musterrapport unten dran gehängt. Trotzdem habe ich insgesamt 4 Knäuel überhaupt nicht gebraucht und von fast allen Farben noch Reste. Wenn es mich wieder zu einem solchen Großprojekt treibt bin ich daher schlauer: Mit so vielen Mustern überall ist die Farbpartie der einzelnen Farben wirklich nicht wichtig. Man könnte also beruhigt erstmal nur ein Knäuel jeder Farbe kaufen, gemächlich vor sich hin stricken, und immer erst bei Bedarf Nachschub heranholen.

Sooooo, das war’s mit der Sage am Sonntag Reihe. Hoffentlich kann das Ergebnis (und die kommende Hilfestellung) noch einige von euch ermutigen so ein Großprojekt anzustricken. Wie sagt man so schön: #knitfasterwinteriscoming. Zumindest irgendwann. Aber jetzt geht’s erstmal mit warmen Temperaturen und passenderen Themen weiter 🙂

 

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Sage am Sonntag #6

Es ist soweit

sage bindoff

Nach beinahe drei Monaten auf meinen Nadeln habe ich heute die letzten Maschen an meinem Sage abgekettet!

Wie man oben erkennen kann habe ich die Maschen von der Nadel an der Innenseite festgenäht, eine etwas zeitaufwändige Methode, die ich für die Bündchen an den Armlöchern und dem Ausschnitt eingesetzt habe. Die Schultern hatte ich vorher mit einem Kitchener Stitch (wie heißt der eigentlich auf deutsch?) geschlossen.

Da ich die Öffnungen für Kopf und Arme mit Steekmaschen überbrückt hatte, standen an den Rändern die verhäkelten Kanten über. Das sieht nicht schön aus, und ist an Stellen mit viel Reibung immer etwas riskant – nicht dass da nachher doch mal was aufgeht und sich von meinem Körper abribbelt…

Bei Strickjacken werden die Schnittkanten häufig innen mit einem Webband an der Knopfleiste angenäht, das gibt Stabilität und Sicherheit und war auch meine erste Idee. Drei Alternativen an Webband hatte ich schon besorgt, habe mir dann aber doch überlegt, dass Webband in den Achseln scheuert, ich die Rundung des Ausschnitts bestimmt nicht mit der Maschine ins Strick genäht bekomme und so weiter und so fort.

Außerdem habe ich mit dem einnähen der Maschen gute Erfahrungen gemacht, wenn es darum geht ein beständiges Ergebnis zu haben: Während andere Abschlusskanten oftmals ausleiern, oder am Anfang zu stramm sind, oder über die gesamte Länge nicht gleichmäßig fest werden, so sitzt diese Kante bombenfest. Jede Masche wir an ihre zugehörige Masche weiter unten angenäht, das garantiert einen wunderbar gleichmäßigen Anblick – auf Dauer. Dass praktischerweise die Schnittkante mit den Häkelmaschen im umgeklappten Bündchen verschwindet, und mit dauerhaftem Gebrauch innen einfilzt, das kam mir dazu noch richtig gut gelegen.

Über die letzten Tage habe ich also fast gar nicht gestrickt, sondern gehäkelt, geschnitten und genäht. Auch sehr befriedigend. Zumindest rede ich mir das ein, denn die Nähnadeln werden mich noch eine Weile weiter begleiten (s.u.)

Übrigens sollten die Bündchen in der Anleitung braun auf weiß sein, ich habe die Vorderseite weiß auf braun, und die Rückseite uni braun gestrickt. Das finde ich alltagstauglicher, denn gerade am Hals und den Achseln kommen einige Drogerieartikel zum Einsatz, die auf weiß unschöne Flecken hinterlassen können – Abgewählt!

Da ich das untere Bündchen am Knie unsäglich anstrengend fand (rechte Maschen weiß, linke Maschen braun), habe ich an den oberen Bündchen einfach abwechselnd rechte Maschen in braun und weiß gestrickt, dann drei Runden braun (als Umklappkante) und dann 1rechts 1 links in braun bis zur unteren Kante. Lustigerweise sind diese Bündchen deutlich flexibler geworden als dieser Alptraum eines jeden Handgelenks den ich ganz zu Anfang gestrickt habe.

Genug geschwafelt, ich gebe euch den Blick frei auf das (fast) fertige Objekt:

sagefinished

Fast fertig, weil die dreihundertdreiunddrölfzigtausend Fadenenden natürlich noch nicht fertig eingenäht sind (Das sind die Beulen an der rechten Seite). Das folgt in Kürze, und dann soll es auch noch viel mehr Bilder mit den diversen kleinen Details und Tricks und Kniffen geben. Vielleicht schmeiss ich den Fummel sogar fürs Foto mal über 😉 Auf Instagram konntet ihr diese Woche ja schon ein Bild vom frisch geschnittenen Sage an mir sehen.

Ich freu mich schon fast ein bisschen auf das miese Wetter, das für diese Woche angekündigt ist…

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Sage am Sonntag #5

Endspurt

Ein kleiner Spoiler vorneweg: Voraussichtlich befinde ich mich in der letzten Woche, in der Sage noch „auf den Nadeln“ ist. (Es sei denn wir zählen die Wollnadeln beim vernähen der Fadenenden noch dazu ;-))

Tatsächlich bin ich noch 3 (Mini-)Runden vom Abketten entfernt. Das könnte man in einer Stunde runterstricken. Werde ich auch heute Abend noch in Angriff nehmen. Seit vor Ostern bin ich leider nicht mehr dazu gekommen, denn inzwischen hat mein Sage monsterhafte Dimensionen angenommen, die mich aufs zuhause stricken beschränken. Aber es musste ja ein knielanger Sage für 180cm Mensch werden, dass der irgendwann in keinen Projektbeutel mehr passen würde war irgendwie klar. Zum Glück muss ich jetzt wenigstens nicht die Schulter Vorder-/Rückseite 4x einzeln stricken, sondern habe weiterhin alles auf einer Rundnadel.

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Um weiterhin in Runden zu stricken, habe ich die Armlöcher und den Ausschnitt vorn und hinten zwar abgekettet, bzw. stillgelegt, aber an ihren Stellen jeweils 7 Steekmaschen aufgenommen. Im Bild erkennt man die linken Maschen am Steekrand gut, aus denen werde ich später für die Kante Maschen aufnehmen. Das habe ich in meiner Stranded Dimasq Anleitung genauer erklärt.

Ganz neu für mich wird die Versäuberung der Steekkante sein. Bei Dimasq habe ich (wie schon bei Pinneguri’s Thistle Shawl) einen Rand angestrickt, den umgeklappt und dann angenäht. Könnte man hier theoretisch auch machen, aaaaaaaaaber: Bei einem Tuch ist mir die etwas wulstige Kante ganz recht, es fällt durch das zusätzliche Gewicht sehr schön. Bei den Armausschnitten muss ich erst noch sehen, wie ich zu einer Wollwurst unter den Armen stehe. Alternativ könnte man auch ein Webband nehmen, und damit die Steekmaschen an der Rückseite festnähen und versäubern.

sagesteek2

Für den Hals-Ausschnitt habe ich übrigens über 60 Maschen durch 7 Steekmaschen ersetzt, das beult natürlich enorm. Die unteren Ränder an Hals und Nacken sind nicht abgekettet, sondern nur stillgelegt. So wird das Halsbündchen auf jeden Fall schön gleichmäßig. Man muss nur die ersten Runden Nadelsalat überstehen.

Das Seil der aktiven Rundnadel ist inzwischen viel zu lang, ich mache eine Art Maxi-Magic-Loop um nicht wechseln zu müssen. Eigentlich könnte ich diese letzten Runden aber sehr gut auf einem Nadelspiel stricken. Aber für die 3 Runden komme ich auch noch mit dem 100cm Seil zurecht.

Bei Facebook bin ich Mitglied einer Fairisle und Musterstrickgruppe, da wird Sage aktuell auch noch (mindestens) 2x gestrickt. Die Bilder sind der Hammer! Das Muster ist offenbar sogar genau nach Anleitung zu bezwingen, man muss nur vielleicht etwas geduldiger sein als ich es bin. Dank rundstricken werde ich ja „nur“ die Hälfte der Fadenenden zu versorgen haben, aber schon  damit werde ich den Geduldsfaden sehr sehr stramm gespannt halten.

 

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Sage am Sonntag #2

Zwischenstand 2/x

Inzwischen sind also meine ersten zwei Wochen mit Sage auf den Nadeln verstrichen. Bisher machts noch Spaß 🙂

Die Charts habe ich mir auf A3 ausdrucken lassen; da sie weiterhin völlig unübersichtlich waren habe ich dann noch mit Buntstiften die Farben der Abschnitte eingemalt. Das konnte man bei Instagram verfolgen. Trotzdem habe ich zwei oder dreimal die falsche Farbe verstrickt. Meine ersten Sterne sind zum Beispiel rot in der Mitte, dabei sollten sie hellbraun sein. Mal sehen ob ich das wiederhole oder beim nächsten Rapport dann „richtig“ mache.

Das corrugated Ribbing ist übrigens doch beige/braun geworden, mir gefällt das Zusammenspiel der Farben im Original zu gut als auch da (absichtlich) experimentierfreudig zu werden. Aber mannomann, das ist ja mal zeitaufwendig!

Das flache wird zu Runden…

Um mir das Stricken zu vereinfachen habe ich das Muster aufs rundstricken „umgedacht“. Dafür habe ich mir überlegt wie viel Nahtzugabe ich an den Seiten weglassen kann, habe das auf die Maschenprobe runtergebrochen, und mir die neue Anzahl Maschen in den Charts eingezeichnet. Für potentielle Nachstricker: Ich habe mit 1,5cm pro Seite gerechnet, also 6cm insgesamt. Das ergibt nach der Maschenprobe jeweils 5 Maschen die weggelassen werden können – insgesamt 20 –> 322 Maschen für Größe M.

Für jede Runde Bündchen hab ich mir ein kleines Bonbon als Belohnung erlaubt. Trotzdem ein echter Krampf – hat gute 3 Tage gebraucht für 16 Runden, so anstrengend war das für die Hände. Bin ich froh beim farbigen Teil angekommen zu sein. Glatt rechts in Farbe beherrsche ich dieser Tage quasi im Schlaf. Inzwischen habe ich den ersten Rapport quasi durch. Eigentlich hätte ich bis hierhin schon etliche Abnahmen machen sollen, habe ich aber nicht. Um Sage an meine Körpergröße anzupassen habe ich entschieden einen vollen Rapport unten dran zu hängen und dann die normalen Abnahmen weiter oben wie in der Anleitung zu befolgen.

Katholische Maße

Die Zwischenlänge kurz über den Po würde bei mir (180cm) doof aussehen, ich habe mir inzwischen überlegt dass ein richtiges Strickkleid viel mehr Verwendung finden würde als ein Pullover mit genau der falschen Länge 😉 Da ich mal eine katholische Schulbank gedrückt habe, und auch keine 16 mehr bin, finde ich eine Rocklänge von kurz über’s Knie passender. Kommt jetzt halt ne Wollstrumpfhose drunter. Wenn meine Rechnungen richtig sind wird das Kleid knapp über 1m lang statt 80cm im Original.

Letztes Mal wollte ich noch die Ärmel verlängern, im Moment tendiere ich zur Lösung Etuikleid: gar keine Ärmel, für Longsleeve oder Bluse drunter. Wir werden sehen wie weit meine Gedanken sind wenn ich erstmal soweit bin. Sage ist also ein Work und Think in Progress! Praktisch wäre natürlich, dass ich ungefähr die unten dran gehängte Menge Garn durch das Weglassen der Ärmel wieder raus hätte 😉

Die Aufreger der Woche

Für die Maschenprobe habe ich nicht das gesamte Muster nachgestrickt. Und bestimmt nicht in zwei Varianten. In der Anleitung steht aber nirgendwo welche Farbe man jeweils als dominanten Faden führen soll. Das ist also im Moment reines probieren. Finde ich suboptimal, denn die Effekte kann man zum Teil erst erkennen sobald man drei Runden weiter ist.

Außerdem: Der Musterchart geht über zwei volle Seiten, die erst auf DIN A3 einigermaßen erkenntlich sind. Der eigentliche Rapport sind aber oft nur um die 20 Maschen, das hätte man so viel einfacher darstellen können. Von der Nutzerfreundlichkeit her bekommt dieses Muster weiterhin keine guten Noten von mir. Trotzdem geht’s weiter, ich werde wohl noch ein paar Mal bei Marisa’s Auf den Nadeln teilnehmen können…

sageII-1

Aktueller Stand:

Zu vernähende Fäden: 81

Bisheriger Verbrauch: 165g Felted Tweed

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Auf und neben den Nadeln im August

Kinder wie die Zeit vergeht?!

Wie geht eigentlich die Zeit so schnell rum? Gefühlt schreibe ich gerade erst automatisch 2015 anstatt 2014, und schon sind wir im August…

Stricktechnisch waren die letzten Wochen nicht meine produktivsten, aber abseits der eigentlichen Nadeln habe ich ne Menge geschafft.

Fertig Genadeltes

 

Wollsocken im Sommer

 


Brokenseedblog

Mein erstes vollständiges Paar Socken ist fertig geworden! Vorher hat es bisher nur zu einem Single Socken gereicht, aber der bekommt auch noch nen Partner, versprochen. Das komplette Paar ist aus dieser Anleitung, die es gratis bei Ravelry zum Download gibt.

Das Muster nennt sich Broken Seedstitch Socks, auf Deutsch: Unterbrochenes Perlmuster. Und das ist auch eigentlich der Clou. Man strickt quasi Perlmuster in der bunten Wolle, aber unterbricht es immer mit einer Runde weiß. Ganz simpel, sieht aber raffiniert aus.

 

Das Strumpfband für die nächste Hochzeit.

strumpfbandblog

Meine Freundin Morgan heiratet im September, und ich hatte ihr ein Strumpfband versprochen. Von den Nadeln ist es, gaaaaanz leicht gespannt hab ich es auch, jetzt wird es mit durchsichtigem Elastikband versehen, und ab geht die Post nach Italien. Die endgültige Pracht zeige ich euch erst nach der Feier, das hier ist nur das „Herzstück“: ein estnisches Muster aus vier Herzen.

 

Aktuell noch auf den Nadeln

 

Ravello

Jaaaaaaaa, der sollte schon lange fertig sein. Aber die Ärmel treiben mich wirklich in den Wahnsinn. Ich bin ja wirklich begeistert vom Woolfolk Garn, aber…es ist halt so dermaßen fein, ich mag das nicht mit schwitzigen Händen stricken. Es ist mir auch zu schade um es schon als Faden zu strapazieren, das bekommt man nachher nicht mehr schön hin.

Also liegt Ravello in seinem Beutel, hier und da strick ich eine Runde Ärmel, aber wirklicher Fortschritt sieht anders aus. Er darf nur nicht zum Dauer-UFO werden.

Ravello – ich habe heute leider kein Bild für dich, du hast dich diesmal einfach zu wenig verändert.

 

Maschenproben

Aus diversen Gründen stricke ich gerade hauptsächlich kleine Pröbchen. Einmal für meinen zu strickenden Winterpulli aus Cashmere Large, aber dann auch um Garne für den Shop zu testen und zu beschreiben, und um neue Ideen auszuprobieren.

 

Jenseits der Nadeln:

 

Dimasq KAL

Das Muster für das Stranded gestrickte Dimasq Tuch ist ja inzwischen bei Ravelry online, und auch bei mir im Shop könnt ihr es kaufen. Aber Sina und ich hatten ja angekündigt: Es wird einen Knit Along geben, in dem ihr entweder stranded oder doubleface stricken könnt. In den nächsten Tagen folgt also das Doubleface Muster, ich schreibe eifrig.

Die Gruppe für den KAL gibt es übrigens schon, moderiert von Sina und mir. Anfangen werden wir am 1.9.2015, bis dahin ist die Gruppe aber schon offen, es soll da ja noch einige Fragen zu Fadenhaltung, Farbdominanz und so weiter geben, und bei der Garn- und Farbwahl hilft ja die Schwarmintelligenz auch oft weiter.

Da ich immer noch abseits vom „Neuland“ (= Telekom lässt mich weiter warten) bin, wird Sina erstmal viel von der Moderation übernehmen. {Achtung: schriftlicher Wutanfall} Wenn ihr jemanden bei diesem Trantütenverein in Bonn kennt, gerne mal ein gutes Wort für mich einlegen, vielleicht tut sich irgendwann mal etwas. Bisher darf ich nur hoffen (!) im September eine analoge Telefonleitung für schlappe 17,90€/Monat zu bekommen, damit ich wenigstens das Funkloch im Haus austrickse wenn ich mal die Treppe runterfallen sollte. Ich glaube im russischen Hinterland ist es einfacher (und billiger) Internet zu bekommen als knapp nördlich von Münster. {Ende Wutanfall}

 

Shop

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Im Shop gibt es eine neue Ordnung, ihr könnt jetzt nach Hersteller unterteilt die Garne anschauen. Das wurde langsam wirklich nötig, denn ich bin fleißig dabei die neuen Herbst Winter Garne von Rowan online zu stellen. Dabei gibt es für mich die ein oder andere positive Überraschung. Dass ich Fine Art lieben würde…nun ja, das war mir irgendwie klar. Aber es ist halt wirklich ein Luxusgarn, damit kann man einfach nicht jeden Tag stricken.

Der Knüller bisher ist für mich Alpaca Merino von Rowan. Auf dem Knäuel eher gar nicht mein Fall. Sieht irgendwie „pibberig“ aus wie wir Westfalen sagen – will heissen empfindlich und wackelig. Die Kettenstruktur wirkt nicht als könnte man das einfach verstricken. Zum Glück habe ich aber auf meine super Rowan Repräsentantin gehört und das Garn geordert. Es strickt sich wirklich wie von selbst und nebenbei. Meine fast 90-jährige Großtante bekommt es für ihren nächsten Pullover, denn das Maschenbild ist der Hammer! Wir haben zu mehreren eine Maschenprobe gemacht, unterschiedliche Spannung und alles, das Maschenbild sieht immer aus wie gemalt. Zöpfe sehen toll aus, das Bündchenmuster ist genau so elastisch wie man es haben will, ein Traum!

Und da meine Großtante immer sagt dass ihr das Stricken so viel Freude macht, sie aber einfach nicht mehr die Lust hat sich sklavisch konzentrieren zu müssen um gleichmäßig zu stricken: Alpaca Merino wird dein neues Lieblingsgarn Tante Mari-Anne 🙂

Die anderen Garne stell ich euch mal bei Zeiten vor, ihr könnt aber auch etwas im Shop stöbern, ich gebe mir wirklich Mühe in den Beschreibungen rüberzubringen, warum ich mich für dies oder jenes Garn entschieden habe. Die neuen Texte sind daher reichlich umfangreich, was die Saisonumstellung etwas zeitraubend macht. Aber ich hoffe ihr habt einen Mehrwert davon.

 

Hummeln im Hintern

Ja und neben Shop und KAL kann ich einfach meinen Kopf nicht abstellen und habe noch eine Vielzahl an Ideen rumschwirren, probiere spontane Eingebungen aus, skizziere und verwerfe nebenbei das ein oder andere. Ich nenne das mal Kreativität, früher hätte ich das wohl kopflose Konzentrationsschwäche genannt 🙂

Aber hier geht’s jetzt erstmal ab zu Marisa’s Auf den Nadeln Aktion

 

 

 

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Reisevorbereitung

Vorfreude ist die beste Freude

Jede gute Reise beginnt doch eigentlich mit der Vorfreude, die hoch kommt sobald man sich für ein Ziel entschieden hat…

Unser Ziel steht ja jetzt auch schon fest: Dimasq.

Wir können also mit der „Reisevorbereitung“ starten, und uns schon mal theoretisch mit Dimasq beschäftigen. Anstelle eines Phrasenbuchs mit dem Grundwortschatz unseres Gastlandes gibt’s aber für diese Reise andere Grundlagen zur Einstimmung:

Bei Technikfragen…

Ihr ahnt wahrscheinlich schon, dass wir für Dimasq ein paar Techniken brauchen, die über die Strickbasics hinausgehen. Und wie ich schon bei meinem Thistle-Résumé geschrieben habe: Vorbereitung ist die halbe Miete. Daher möchte ich euch in den nächsten Wochen ein paar Denkanstöße, Tricks und Kniffe zu den Tüchern vorstellen. Viele Blogger haben schon richtig tolle Tutorials geschrieben, auf deren Posts werde ich also verlinken. Nur wo ich das Gefühl habe, dass ich noch etwas hilfreiches ergänzen kann, oder wo ich partout keine deutschen Erklärungen finde, da werde ich mein Bestes geben und selber Erklärungen basteln.

Der erste Schritt: das richtige Garn

Für Stranded in Damascus habe ich Sockenwolle von Regia verstrickt

Auch wenn wir noch eine Weile mit Trockenübungen verbringen werden, so macht es doch Sinn, dass ihr euch schon einmal grundsätzliche Gedanken zu euerm Wunschgarn macht. Passend zum Start des KAL werde ich „Bausätze“ mit geeigneten Materialien im Shop anbieten, mein heutiger HW Order Termin mit Rowan hat sich in der Hinsicht allein schon gelohnt! Aber falls ihr genaue Vorstellungen habt, ein absolutes Lieblingsgarn habt, oder, oder, oder, und ein anderes Garn nutzen wollt, dann wird es die Anleitung auch ohne Paket geben.

Leider sind nicht alle Garne gleich gut für die beiden Dimasq Tücher geeignet.

Einerseits muss man bei der Garnwahl überlegen wie widerstandsfähig das endgültige Produkt sein soll. Bei meinen Tüchern bin ich davon ausgegangen, dass ich mal irgendwo gegen stoße, sie etwas Reibung – denkt an Taschenhenkel – aushalten müssen, und dass sie am Hals leicht an Ketten und Haarspangen hängenbleiben. Mein Hund ist leider ein zusätzliches, grobmotorisches Risiko für so ein Tuch. Ergo: Belastbar muss die Wolle sein. 

Als nächstes stellt sich die Frage nach der Fadenstärke. Zum Glück ist die Maschenprobe bei Dimasq in Bezug auf Fadenstärke irrelevant. Das Muster würde theoretisch auch mit einer richtig dicken Wolle aufgehen. Theoretisch! Praktisch ergibt das zweifarbige Stricken bei beiden Methoden einen ordentlich dichten Stoff.

Dicht = warm. Dicht + dicke Wolle = ganz schnell zu warm. 

Aber zu dünn sollte das Strickgarn auch nicht sein. Für das rundgestrickte Tuch empfehle ich eine Stärke zwischen Sockengarn und dünnen Garnen wie Summerlite. (Hier eine Erklärung zu englischen Garnstärken). Wichtiger ist das aber beim DoubleFace Tuch! Ich habe Cardiff Cashmere benutzt, empfohlene Nadelstärke ist 3,5-4,5mm. Diese Empfehlung habe ich bisher immer gut befolgen können, aber beim DoubleFace Dimasq benutze ich zu diesem Garn jetzt eine 2,5mm Nadel, und ich könnte gut noch0,25mm runtergehen. Die Fadenspannung bei dieser Technik ist einfach loser. Sucht euch also besser kein zu dünnes Garn aus, wenn euch ein DoubleFace Dimasq vorschwebt.

 

Solltet ihr unsicher mit eurer Garnwahl sein, eine Maschenprobe ist sowieso ratsam! Aber dazu demnächst mehr…

 

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Der Nest-Bau-Kasten

Eine warme Schlafmöglichkeit für die Brut

Gestern ist der Nachwuchs meines Cousins auf der Welt angekommen: Es ist ein kleines Mädchen!

Für den Neuzugang wollte ich gerne ein Willkommensgeschenk bereit haben. Heraus gekommen ist dabei mein ‚Nest-Bau-Kasten‘:

Man nennt ja die Zeit kurz vor der Geburt auch die Nestbauphase, das wollte ich aufgreifen. Das Geschenk ist also ein Wärmespender für menschliche, und einer für tierische Brut 🙂
Beide Eltern sind sehr musikalisch, die Mama ist sogar Musiklehrerin. Daher kam mir die Idee das ganze Geschenk an den Kinderliedern von die Vogelhochzeit anzulehnen. Sie da: ein Vogelhaus. Für die beiden Schwedenfans in falunrot. Dazu eine Babydecke.

Tock-Tock-Tock; was klopft denn da im Ei?

Bis gestern wussten nicht mal die Eltern, ob eine kleine Henne, oder ein Hahn die Familie erweitern würde. Die Oma gab daher den Tipp, sich an Naturtöne zu halten.

nestbaukasten4Gehorsamst habe ich Pure Wool Worsted in den Farben hellbeige und creme doppelt genommen und eine Wagendecke gestrickt. Ohne jetzt Babys diskreditieren zu wollen, so müssen ihre Sachen ja doch was häufiger gewaschen werden … Pure Wool Worsted kann man bei 30C in die Waschmaschine stecken!
Das Muster ist wirklich ganz ganz einfach, ein krauser Rand und ein rechts gestrickter Mittelteil.
Das Ergebnis erinnert mich in meiner Farbkombi an Sandstrand.
Und am Sandstrand sieht man oft Vogelspuren, also habe ich auf die fertige Decke auch noch „Vogelabdrücke“ gestickt.

Nestaukasten1Ab damit in den Nistkasten, fertig ist der Nest-Bau-Kasten!

Und falls ihr auch einen haben / verschenken wollt: hier habe ich ihn als Gesamtpaket zum selber stricken zusammengestellt.

Hoffentlich fühlen sich die tierischen und menschlichen Beschenkten Pudel-wohl in ihrem neuen Wärmespender.

Willkommen im Leben kleine Nichte zweiten Grades, wir sehen uns im Sommer bestimmt in Schweden!

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colorful Campside

Das girly girly Tuch

Hui! Die letzte Woche habe ich versucht einen Endspurt einzulegen, und das Geburtstagsgeschenk für meine Mutter doch noch rechtzeitig fertig zu bekommen. Hat nicht geklappt. Aber fast… dazu demnächst mehr. (Meine Instagram Buddies wissen schon mehr ;-))

Heute widme ich einen ganzen Post meinem FO (=finished object), dem verschenkten Campside aus Alpaca Cotton. Ich hatte ja schon letzten Monat über die jeweilige Entstehungsphase berichtet, jetzt also einmal in all seiner Pracht: colorfulcampside1 Das Tuch habe ich an die Freundin meines kleinen Bruders verschenkt. Eigentlich hatte ich ihr mal (im Eifer des Gefechts) Handschuhe mit girly Details versprochen, das war aber dann doch zeitlich etwas überambitioniert. Und auch wenn Campside II zuerst einfach ein Nebenbeiprojekt war, das Muster hat auch beim zweiten Mal extrem viel Spaß gemacht. Die kleinen Veränderungen am Ende waren dann noch das Sahnehäubchen.

Jara hat in London ein kleines Modelabel gestartet. Von den Farben ihrer aktuellen Kollektion habe ich mich für die Farbwahl für ihr Tuch inspirieren lassen. Wie schon berichtet hat das neue Tuch also einen pinken Rand bekommen. Dazu habe ich mit einem Restgarn zu einem i-cord abgekettet. Diese Art des Rands mag ich als Abschluss an vielen Projekten; gerade an Tüchern gibt es der Kante ein wenig extra Gewicht und damit Struktur. campsideicord An den pinken Rand habe ich eine Quaste aus dem letzten Meter Garn genäht. Auch die Quaste sorgt mit ihrem Gewicht dafür, dass das dreieckige Tuch auch wirklich dreieckig fällt. Außerdem habe ich noch einige Löcher des Musters mit bunten Restgarnen umhäkelt. Die bunt gerahmten Löcher sind wild über das Tuch verteilt, wenn es getragen wird blitzen immer nur einzelne aus dem grauen Teil hervor. Und das sieht dann so aus:

jara Viel Spaß mit Colorful Campside, Jara!

Einer der Gründe warum ich so gern stricke: die unendlichen Möglichkeiten das Projekt an seinen Träger anzupassen.Wer hätte gedacht dass Jara und ich einmal das gleiche Grundmodell Schal tragen würden, und es zu beiden so gut passen würde.

Hier findet ihr das fertige Tuch in meinen Ravelry Projekten.