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Knit happens

<Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt>

Knit happens, so heisst das Buch (Amazon Affiliate Link) von Susanne Ortner, aka Susi Strickliesel, laut Buchcover die „bekannteste Stickerin im deutschsprachigen Raum“. Sie hat vor einigen Monaten angefragt, ob ich ihr Buch lesen und rezensieren möchte. Und das mache ich doch gerne, wenn auch mit Verspätung – Susi hat aber volles Verständnis gezeigt dass mein kranker Hund vorging.

Bisher kannte ich Susi nur von Blogger Events wie dem Tag der Wolle, und dort haben wir uns gut unterhalten, folgen uns gegenseitig auf Instagram, freuen uns (hoffentlich auch gegenseitig) jeweils auf Zusammentreffen – wie letzte Woche wieder auf der H&H. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich außer Susi’s imposantem Instagram Profil nicht wirklich von ihr wusste. Das hat sich nun geändert.

Denn Susi’s Buch ist sicherlich kein Strickbuch wie man es kennt.

Der überwiegende Teil der 144 Seiten handeln von Susi, ihren Freunden, ihren Fans, ihrem Job beim Musical, und ihren Social Media Tipps. Zum Schluss kommen dann auch 20 Doppelseiten Anleitungen für Accessoires im Stil von Susi Strickliesel, ganz ähnlich wie die fertig gestrickten Modelle in ihrem Shop. Susi und ihr „herzbube“ sind selbst als Modelle auf den Fotos, und sie können die Designs sehr gut tragen!
Zu Allerletzt kommt dann noch ein Autorinnenprofil, aber nach der Lektüre des restlichen Buches wusste ich das alles natürlich schon. Der Ursprung von „Bummel“, wieso sie sich heute nicht mehr „Susistrickliesel“ als @handle aussuchen würde, den tollsten Schuhladen von Köln, und Susi’s Beharrlichkeit beim Thema Wollregal in einer gemeinsamen Wohnung, viele kleine Anekdötchen bringen Susi dem Leser näher.

Der Erfolg gibt ihr Recht

Ein Blick auf Susi’s Followerzahlen, und man muss einfach neidlos anerkennen: Sie hat Instragram begriffen. Von daher ist es natürlich sehr interessant Einblicke in ihre Vorgehensweise zu bekommen.

Grundsätzlich bin ich immer etwas kritisch gegenüber physischen Büchern zu den schnelllebigen Themen im „Neuland“. Durch die ständigen Updates der Algorithmen von Google, Facebook und Instagram, den neuen Versionen bei WordPress und Shopsystemen, ist so ein Buch schnell einfach nur noch bedrucktes Papier mit News von gestern. Im Detail ist das bei Susi’s Buch sogar schon während des Schreibens passiert, denn sie erwähnt dass durch den Wegfall von Dawanda ein Kapitel komplett neu gedacht werden musste.

Da das Grundgerüst ja aber dennoch konstant bleibt, bieten ihre Tipps einen guten Einstieg für Social Media Neulinge.

Strickliesel

Kommen wir zum Strickcontent: Ganz zu Anfang macht Susi darauf aufmerksam, dass sie ab Nadelstärke 5mm aufwärts strickt (also genau das Gegenteil von mir, ich habe dabei immer das Gefühl ich müsste Gewichte heben :D). Das war mir vorher nicht bewusst, daher war der Hinweis für mich eine hilfreiche Zusatzinfo, denn bei den Anleitungen hat Susi nur eine Ausnahme vom Chunky gemacht, und hat ein wirklich hübsches, kraus rechtes Dreieckstuch in meiner aktuellen Traumfarbe senf (gestrickt aus Lamana Como Tweed) dabei.

Anleitung Tuch Susi Strickliesel Strickliesl Como Lamana Tweed strickenAls vor einigen Jahren die dick gestrickten Accessoires „in“ waren, habe ich mich nicht damit identifizieren können, da ich – wie gesagt – nicht gut mit dicken Nadeln klar komme und bei mir als Feststrickerin (stichFEST!!) bei dicken Garnen immer nur brettartiges Textil rauskam. Viel zu warm für ein Deutschland im Klimawandel. Aber Susi’s süße Idee für ein minimalistisches Stirnband – die würde ich auf jeden Fall ausprobieren.

Hippie stirnband stricken susi stricklieselKnuffig, oder?

Insgesamt sind die Designs alle absolut bewältigbar, und liefern dank dicker Nadelstärke ein schnelles Erfolgserlebnis.

Also mein Fazit:

Susi ist eine schillernde Persönlichkeit, und genau das spiegelt ihr Buch auch wieder. Das knallpinke Cover sticht ins Auge, und auch sonst ist der EMF Verlag mit Knit Happens auf jeden Fall vom gewohnten Pfad abgewichen. Ich halte es für eine gut lesbare Einstiegslektüre für Strickneulinge, und auf jeden Fall für jeden eingefleischten Susi Fan, der mehr von seinem Idol erfahren möchte.

Verlosung

Möchtest du mehr über Susi Strickliesel erfahren? Oder für den nächsten Winter ein paar Anleitungen für peppige Knalleraccessoires haben?

Dann ist hier deine Chance: Ich verlose mein Exemplar!
(Einer von Susi’s Social Media Tipps übrigens)

Da ich von Susi’s empfohlenen Accounts so gut wie keinen kannte, bin ich gespannt welche Tipps DU für mich bereit hältst! Welchem Instagram Account, Blog, YouTube Kanal muss ich unbedingt folgen, damit ich mich im deutschsprachigen Stricknetz besser auskenne als bisher?*

Hinterlasse mir einen Kommentar unter diesem Beitrag, in dem du mir deinen Lieblingsstricker im deutschsprachigen Raum nennst, und warum ich ihm / ihr folgen sollte.
Unter allen Kommentaren verlose ich mein (gelesenes) Exemplar von „Knit Happens“ von Susanne Ortner.

*Übrigens ging es Carina ähnlich, ihre Meinung zum Buch (Affiliate Link) der 12 „bekanntesten #knittersofinstagram“ liest du hier.

Datenschutz/Teilnahmebedingungen:
Hinterlasse mir unter diesem Beitrag einen Kommentar ‚Welchen Strickerinnen im deutschsprachigen Raum sollte ich folgen?‘
Das Gewinnspiel endet am Sonntag, 14.4.2019 um Mitternacht deutscher Zeit. Den Gewinner lose ich zufällig aus und benachrichtige sie/ihn per Kommentar! Du musst mindestens 18 Jahre alt sein und Dein Wohnsitz in Deutschland. Eine Barauszahlung ist nicht möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

 

Buchinfos:

Knit happens-Stricken mit Susi Strickliesel: Strickprojekte, Social Media und mehr
Autor: Susanne Ortner
Erscheinungsdatum: 19.2.2019
Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
Verlag: Edition Michael Fischer /EMF Verlag; Auflage: 1 (19.Februar 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3960932561
ISBN-13: 978-3960932567

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Gestrickter Damast

Der rohe Diamant

Bereits letztes Jahr hat Julia für mich eine Idee getestet: Damast stricken.

Streng genommen kann man Damast nicht stricken, denn per Definition ist der immer gewebt. Durch eine unterschiedliche Struktur der Webrichtungen entstehen sogar in einfarbigem Stoff Muster, die nur bei ganz bestimmten Lichtverhältnissen deutlich sind. Auf den ersten Blick wirkt das Gewebe aber einfarbig und hat eine schlichte Eleganz. Und genau das wollte ich gestrickt nachstellen.

Mir schwebte ein Tuch vor, alltagstauglich aber elegant, vielfach kombinierbar, schlicht aber raffiniert, und auf jeden Fall riesengroß und superleicht.

Mit Lamana Garnen konnte ich mir die unterschiedliche Struktur von Kette und Schuss (so heissen die Fäden beim Weben) im Damast vorstellen, denn Lamana bietet viele Farben über die gesamte Garnpalette an. Je nach Material kommt die Farbe aber anders rüber, da sich das Licht unterschiedlich darin bricht – wie in Damast eben.

Für meine Wunscheigenschaften von leicht und luftig, elegant aber alltagstauglich, diskreter Kontrast, habe ich mich für Cusi und Milano entschieden, denn beide haben eine ergiebige Lauflänge, und der Farbeindruck von seidengrau wirkt auf dem eher matten Merino-Kaschmirgarn ausreichend anders als auf dem gebürsteten Alpaka.

Julia hat dann ein paar Nachtschichten am Tuch gestrickt, und das Ergebnis finde ich einfach mega cool:

Den Kontrastrand kennst du vielleicht schon von meinen anderen Tüchern – gerade bei besonders leichten Materialien stricke ich gerne einen deutlich schwereren Rand an, da die Tücher dann besser fallen. Wir haben knallrot gewählt, damit du auch das Potential für ein Statement Tuch siehst – ein quasi einfarbiges Muster muss ja absolut nicht farblos sein 😉

Natürlich kann man das Muster auch direkt in ausdrucksstärkeren Farben stricken, blau, rosa, curry – zum Glück bietet Lamana viele Farben über beide Hauptgarne an. Oder du strickst direkt mit Kontrast, und freust dich über ein mehrfarbiges UND mehrdimensionales Muster, dann eher wie Brokat.

Und falls du spontan bist, und das Damast-Stricken direkt ausprobieren willst: Wir haben ein Garnpaket gepackt! Bis Ende des Monats gibt es das Paket zum Supersonderpreis, und mit der Beta-Version des Musters. Ab April steigt der Preis auf den regulären Materialpreis, und sobald die Anleitung ganz offiziell bei Ravelry verfügbar ist, dann noch auf einen Gesamtpreis.

Im April wird Julia alle interessierten Tester bei Ravelry betreuen, falls bei jemandem doch noch Fragen auftauchen – deine Chance auch als noch-nicht-Profi diese Techniken auszuprobieren, und bei Zweifeln an die Hand genommen zu werden.

Pssst: Mit der Kaum-Kontrast-Farbwahl haben wir natürlich die erste, kardinale Regel von Fairisle, Jacquard und Norwegermustern gebrochen. Der Vorteil ist aber, dass man wirklich Adleraugen bräuchte, um auf dem fertigen Riesentuch Fehler im Muster zu erkennen. Und so eignet sich das Tuch auch super als Erstlingswerk für Einsteiger im zweifarbigen Stricken um die Fadenspannung und das Steeken zu üben. Wie immer empfehle ich für den ersten Anfang meinen Videokurs bei Makerist.

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Ganz einfach Socken stopfen

Löcher in Wollsocken mit Flicken aus Wollresten stopfen und reparieren

StricksprechstundeLöcher in Wollsocken mit Flicken aus Wollresten stopfen und reparieren

Geht dir das auch so? Immer wenn ein Kleidungsstück repariert werden muss, gibt es diese Erwartungshaltung, dass ich mich sicherlich direkt darauf stürzen werde, und mit gleicher Hingabe Knöpfe annähe, Löcher stopfe, und Risse flicke, wie ich stricke.

Aber ich muss enttäuschen: Meine Handarbeitsskills sind wirklich nicht universell berauschend. Und das kostet ja alles echte Strickzeit. Neinnein, wer kaputt macht darf auch gerne selbst heile machen. Ich stricke währenddessen.

Zum Beispiel dieses Paar Ringelsocken aus einer meiner Lieblingskombis: Zauberball & hellgraue Regia.

Dumm nur dass ich meine gestrickten Socken in schöner Regelmäßigkeit durchlaufe.
Ich. Selbst. Ganz alleine. Kein Fremdverschulden.

Früher habe ich meine löchrigen Socken bei meiner Mutter abgegeben. Sie mag solche übersichtlichen Kleinstarbeiten, die man an einem Fernsehabend wegschaffen kann.

Nur leider sind die von ihr gestopften Socken für mich verloren. Bei ihrer Technik ist die reparierte Stelle nämlich minimal dicker als der Rest des Strumpfs. Mein linker Fuß ist aber leider immernoch empfindlich genug, dass mich diese minimale Unregelmäßigkeit humpeln lässt.

Und so landeten kaputte Socken erst im Stopfkorb, und dann in der Sockenschublade meiner Mutter. Praktischerweise hat sie nämlich die gleiche Schuhgröße, und trägt wie ich das ganze Jahr über entweder Wollsocken oder gar keine Socken.

Bei ihr halten die Socken komischerweise dann eine halbe Ewigkeit. Und ihre Sockenschublade ist proppevoll, meine dagegen gähnend leer.

Damit das nicht so bleibt muss ich entweder mehr Socken stricken, oder irgendwie die Lebensdauer der vorhandenen verlängern. Wie ich meinen Socken-Strick-Prozess optimiere, habe ich dir ja letztens schon gezeigt. Jetzt zeige ich dir, wie ich inzwischen meine Socken selber stopfe. Und zwar so, dass selbst mein Mimosen-Fuß nichts merkt.

Wollsocken stricken stopfen Wolle stricken Socken Crasy Trio mending Flexi Flips AddiDu brauchst:

– Eine löchrige Socke
– Stricknadeln in der Stärke, in der die Socken gestrickt wurden
– Ein Rest Sockenwolle in gleicher Garnstärke wie die Socken
– Eine Wollnadel

Wollsocken stopfen handgestrickt Addi Crasy Trio Regia Pairfect FlickenDa ich meine Socken aus vierfädigen Garnen, auf 2,5mm Nadeln gestrickt habe, konnte ich mein Crasy Trio von Addi, und einen Starterfaden von Regia Pairfect nehmen.

Mit einer Nadel des Trios nehme ich zwei Runden unterhalb des Lochs Maschen auf. An dieser Stelle ist das Gestrick noch stabil, hier ribbelt sich während (und nach) der Reparatur nichts auf.  Um auch die Seiten abzusichern, nehme ich zwei Maschen mehr auf, als das Loch eigentlich breit ist: jeweils eine zusätzliche an jeder Seite.

Socken stopfen sock mending handknit socksDas gleiche wiederhole ich zwei Runden oberhalb des Lochs.

Im nächsten Schritt stricke ich mit dem gelben Faden in glatt rechten Reihen von der unteren Nadel hoch, bis ich einen „Lappen“ habe, der eine Reihe länger ist als das Loch (also eigentlich eine Reihe zu kurz, denn die andere Nadel steckt ja zwei Runden oberhalb). Wichtig ist, dass ich einen langen Faden am unteren rechten Rand hängen lasse, denn den brauche ich später noch.

Auftritt: Lord Kitchener, der Namensgeber des Kitchener Stitch / Maschenstich.

Mit dieser Methode füge ich den Flicken an die Socke an. Die Kitchener Maschen überbrücken die bisher fehlende Reihe bis zur oberen Nadel.
Die Stricknadeln brauche ich danach nicht mehr. Nur noch die Wollnadel.

Wieder lasse ich einen langen Faden am Ende hängen.

Denn wir sind noch nicht fertig… Bisher wäre die Socke noch etwas undicht 🙂

Socken stopfen Tutorial Schritt für Step-by-step

Mit der Wollnadel nähe ich den Flicken jeweils eine Masche seitlich des Flickens an. Dafür nutze ich den Matratzenstich, mit dem man unsichtbare (und wichtiger: unfühlbare) horizontale Nähte in Strickstücken hinkriegt.

gestopfte Socken geflickt Flicken Wollsocken stricken Tutorial

Zu guter Letzt habe ich einen gestopften Socken, den ich sogar – wie du siehst – problemlos am linken Fuß tragen kann. Quasi eine lebensverlängernde Maßnahme für meine geliebten Wollsocken!

Und weil mir anhand des Fotos noch eine durchscheinende Stelle unter dem anderen Fuß aufgefallen ist habe ich direkt noch einen Flicken gestrickt, und dann noch mit meinem Paar Bel Ami Socken weitergemacht.

Falls du nicht so empfindliche Füße hast, und dir die zwei Nähte zum Schluß sparen möchtest: Hier gibt es ein Tutorial, bei dem der Flicken direkt beim Stricken seitlich befestigt wird. Dabei entsteht ein für mich leider deutlich verdickter Rand, ich übe also weiter an meinem Matratzenstich :-).

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Socken wie eine Maschine stricken

oder: stehst du auf den Schlauch?

Gehörst du zur Gattung der Sockenstricker/innen? So wie ich?

Für mich gibt es ja genau zwei Möglichkeiten an Fußbekleidung: Wollsocken, oder nix. Im Sommer bin ich grundsätzlich barfuß, in Sandalen oder diesen genialen Espadrilles von Havaianas mit der ultrabequemen FlipFlop Sohle.

Jedes Jahr zum Ende des Sommers gibt es dann die Zeit in der ich stur bin und weiter so tue als würde der Winter dieses Jahr ausfallen. Und direkt sobald ich einknicke kommen die Wollsocken.

Und dann trage ich sie durch bis es endlich wieder Zeit für nackerte Füße ist.

Bei meinen mindestens 10.000 Schritten pro Tag kommen dann bei gefühlten 300 Wintertagen (ich weiß der Sommer war lang, aber jetzt kommt mir der Winter schon so ewig vor) die ein oder anderen Kilometer in meinen gestrickten Socken zusammen. Und so kommen bei mir Löcher in die Teile, als hätte ich rezessives Erbgut einer Motte abbekommen 🙁

So schnell wie ich die Socken durch habe kann ich gar nicht für Nachschub sorgen. Dachte ich.

Kann ich nämlich doch. Fast wie eine Sockenstrickmaschine.

Und zwar habe ich Ende 2018 wirklich nach einer Sockenstrickmaschine gesucht. Bin dann hinten über gefallen was die Preise angeht, und habe beschlossen dass das nix wird, denn die Dinger sind wahnsinnig teuer. Und brauchen Platz. Und das kurbeln dauert auch seine Zeit. Und es bindet einen an einen Ort. Dabei sind Socken doch mein Lieblings-Unterwegsprojekt.

Auftritt: Schlauch

Im Endeffekt strickt so eine Sockenstrickmaschine ja erstmal nur einen Schlauch. In der Grundausstattung strickt man dann per Hand Spitzen, Ferse und Bündchen dran. Man kann auch Zubehör kaufen und mit Erfahrung und Geduld kann man auch wohl eine ganze Socke stricken, aber ich habe weder Erfahrung noch Geduld, außerdem keine Strickmaschine.

Aber nen Schlauch kann ich stricken. Und das sogar unterwegs.

Das habe ich mir selbst bewiesen, und habe bei einer Wochenendreise nach Lissabon einfach anstelle von „richtigem“ Strickzeug ein Sockenwunder und ein Knäuel Sockenwolle mitgenommen. Und dann zwei turbulente Flüge, einige Bahnfahrten, im Hotel, auf Hafenmauern, im Café damit verbracht 100g Sockenwolle in einen langen, glatt rechten Schlauch zu stricken. Stumpf? Ja! Optimal für Schönwetter-Urlaub zu zweit. Beim Sockenschlauch kann man Stadt erleben, plaudern, laufen, Film gucken, Kaffee trinken, die Aussicht genießen und auf einmal ist der Schlauch fertig. Zack. Nenn mich Strickmaschine. (Dann hatte ich zum Glück noch Wolle für ein zweites Mini-Projekt, denn der Kurztrip dauerte deutlich länger als die Sockenschlange)

Eine Schwalbe macht keinen Sommer
und ein Schlauch ist keine Fußbekleidung.

Aber siehe da: 100g 4-fädiges Garn ergeben eine Schlauch, der genau lang genug ist um daraus 4 (in Worten: vier!!!) Socken in Größe 40/41 zu machen. Zwei komplette Paar! Mit ganz schön langem Schaft!

Man muss nur (:-)) den Schlauch vierteln, Löcher für Fersen, und aus Sockenwollresten Füllungen für Fersenlöcher, Bündchen und Spitzen machen.

Wollreste habe ich noch und nöcher. So viele, und in so vielen Farben, ich könnte passende Kontraste zu jedem noch so verrückten Schlauch machen.

Meinen portugiesischen Schlauch habe ich aus einem Strang KnitPicks Stroll im Farbverlauf „Northern Lights“ gestrickt. Sehr pastelliges türkis mit lila und blau und etwas grün. Eins dieser Garne, das mich im Strang immer wieder anlacht und dann für fast alles zu bunt ist. Außer für glatt rechte Socken. Aber wann stricke ich schon mal glatt rechte Socken in einer Farbe? In Lissabon. Mit Aussicht.

 

Im Flugzeug fragte mein Sitznachbar noch ob ich so eine Zugschlange für vor die Tür stricken würde… eigentlich auch ne Idee, aber mein Bedarf an Socken ist größer.

Willst du auch Socken stricken können wie eine Maschine?

Dann brauchst du:

Unterwegs:

ein Knäuel Sockenwolle – für die Zukunft werde ich für meine Größe nur noch 50g Knäuel wie Sisu, Mérida oder die kleinen Regias nehmen. Das reicht dann für ein Paar, man strickt nicht so lange und muss nur einmal teilen.

ein Sockenwunder – zum stumpf im Kreis stricken kann ich es echt nur empfehlen. Man kann natürlich auch mit dem Nadelspiel, Crasy Trio oder Magic Loop stricken, aber das wird halt eine ewige Schieberei.

Daheim:

Mind. eine extra Nadel in gleicher Stärke zum Maschen aufheben – ich empfehle zwei lange Rundstricknadeln mit spitzesten Spitzen, zB. mit den spitze HiyaHiya Ultimate Sockset Spitzen.

Sockenwollreste in passenden Kontrastfarben – für die vier Socken habe ich insgesamt etwa 20g gebraucht.

Kleine Schere

Vernähnadel 

Unterwegs:

Schritt 1: 

Schlag‘ mit einem provisorischen Anschlag deine gewünschte Maschenzahl an und stricke einen Schlauch bis dir das Garn ausgeht. Leg‘ die letzte Runde entweder auf einer Nadel oder einem Faden still. Schlange fertig.

Ab Schritt 2 empfehle ich nicht mehr unterwegs zu sein.

Schritt 2: 

Teile die Schlange in 2 Teile.

Dafür musst du ins Gestrick schneiden. Aber nicht wie beim Steeken, sondern nur ein einzelner Schnipp durch ein Maschenglied.

Dann ribbelst du vom Schnitt eine halbe Runde nach links, und eine halbe Runde nach rechts (wichtig! Du brauchst auf beiden Seiten den angeribbelten Faden später zum vernähen, also bitte nicht komplett schneiden oder nur in eine Richtung ziehen).

Je nachdem wie es dir lieber ist, kannst du die Maschen aus der Runde obendrüber und der untendrunter vorher oder nachher jeweils auf eine Nadel nehmen, ich mache das gerne vorher, daher brauche ich zwei Rundstricknadeln mit spitzesten Spitzen – spitze ist das HiyaHiya Ultimate Sock Spitzen Set, s.o. ;-).

Schritt 3:

Such dir passendes Kontrastgarn raus, und stricke eine Spitze unten an die Schlauchhälfte, die oben den provisorischen Anschlag hat. Leg diesen Teil zur Seite.

Schritt 4:

Nimm die andere Schlauchhälfte und stricke mit der noch steckenden Nadel ein Bündchen in Kontrastfarbe. Dass ich gerne mit dem Tubular Bind-off abkette habe ich schonmal gezeigt.

Nur bei 100g Schläuchen: Schritt 5:

Halbiere jetzt die Schlauchhälfte wieder wie oben, stricke eine Spitze an den Teil mit Bündchen, und ein Bündchen an den anderen Teil. Wiederhole diesen Schritt für die andere Schlauchhälfte.

Schritt 6: 

Löse den provisorischen Anschlag und stricke wieder ein Bündchen, stricke eine Spitze an die stillgelegten Maschen vom Schlangenende. Jetzt sollten alle Sockenteile eine Spitze und ein Bündchen haben.

Schritt 7:

Leg die Socke so hin, dass die Spitze genau flach liegt.

Miss ab, wo die Ferse hingehört. (In meinen Sockenanleitungen gibt es die Maße für Nachtragsfersen in allen Größen von 28-48.)

Markiere die Hälfte der Maschen, die für die Ferse gebraucht werden. Stelle sicher, dass du genau die Maschen erwischt, die weiter unten die Spitze bilden!

Schneide wieder durch ein Maschenglied relativ mittig, ribbel nach links und nach rechts, jeweils bis zur Markierung am Rand.

Nimm die Maschen rund ums Loch auf, und strick eine Nachtragsferse rein. Dafür gibt es im Internet viele Varianten, ich erkläre „meine“ Art in meinen Sockenanleitungen.

Vernähe die Fäden.

ZACK FERTIG!

Nachteile dieser Methode: 

Zack fertig ist etwas übertrieben. Die letzten Schritte sind nix für Memmen und/oder Anfänger. Für meinen 100g Schlauch habe ich einen Stricktag nur für die letzten Schritte gebraucht, und das war halt nicht unbedingt sozialtaugliches Stricken.

Vorteile:

Der Schlauch war umso sozialtauglicher. In der Zeit, in der ich Schlauch gestrickt habe, hätte ich nix anderes gestrickt, von daher hat kein „echtes“ Projekt gelitten. Ich rechne das also als quasi komplett zusätzliches Projekt, zwei Paar Socken, die ich ohne diese Methode niemals geschafft hätte. Mein innerer Optimierer ist dazu außer sich vor Freude, dass genau nullkommanull Rest vom bunten Verlaufsgarn geblieben ist. Denn wo hätte ich den schön verstricken können? Stattdessen habe ich noch ein paar Kleinstmengen verbraucht. CheckCheckCheckundDoppelCheck!

Übrigens bieten ja inzwischen viele Handfärber kleine Socksets an, 100g einer Hauptfarbe, und einen Ministrang mit passendem Kontast. Mit dieser Wannabe-Strickmaschinen-Methode könnte man noch wirklich den letzten Meter optimal verstricken…bei mir wandern jetzt nach und nach die „nur für glatt rechts geeignet“en bunten Sockenwollen in die Handtasche, und mit der Schlauchmethode habe ich zu Weihnachten genug Socken für mich, Familie, Freunde und die halbe Nachbarschaft… zumindest wenn mich das ganze Jahr jeder Termin etwa 5min versetzt 🙂

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Die Deckenburg

Hast du früher auch gerne eine Höhle aus deiner Bettdecke und den Kissen gebaut, und dort gelesen?

Ich kann mich persönlich nicht daran erinnern wirkliche Konstruktionen gebaut zu haben, sondern einfach nur dass ich den Lärm von drei Brüdern aus meinem Reich aussperren wollte, mir die Decke über den Kopf gezogen habe, ein paar Kissen drumherum, damit Platz für Lampe, Buch und Luft blieb, fertig war meine Ruhezone.

Ein Blick auf Pinterest zeigt eine etwas andere Ausprägung: Das „Blanket Fort“, frei übersetzt eine Deckenburg.

Erwachsene bauen mit / für Kinder/n (die sind offenbar keine notwendige Bedingung, das innere Kind reicht aus), richtige Zelte aus Decken, Teppichen, Laken, Besenstielen und Kissen. Teilweise sind diese Kuschelhöhlen für Übernachtungsparties im Garten, teilweise aber auch semi-permanent im Kinderzimmer aufgebaut. Teilweise ähneln die Konstruktionen schon Bedouinenzelten, richtig mit Lampions und Sitzkissen.

Fast ein bisschen schade, dass ich damals nicht auch so tolle Zelte gebaut habe. Aber ich glaube der Sinn und Zweck sind der gleiche: Ein Geborgenheitsgefühl, umgeben von weichen Stoffen und gedämpftem Licht. Ein Ort zum Wohlfühlen und Kraft tanken.

Von daher macht es wohl Sinn, dass Sylvia McFadden ihr quadratisches Riesentuch „Blanket Fort Shawl“ genannt hat. Warm, wohlig und groß genug um darin einen blöden Tag zu verschlafen.

Mir ist das Design um Weihnachten herum bei Ravelry über den Bildschirm gekommen. Eigentlich hatte ich vorgehabt für meine Nichte – die im Februar erwartet wird – ein eigenes Muster zu entwerfen, aber hier passte einfach alles:

Das Tuch wird in Worsted-Weight Garn gestrickt, also relativ dick. Das hatte ich für das Winterbaby sowieso angepeilt. Das Lace Muster finde ich dabei toll, denn es sieht einerseits etwas mädchenhaft aus, ohne zu verspielt zu sein, und andererseits hält es beim Stricken die Spannung aufrecht.

Bei der Garnwahl musste ich etwas über meinen Schatten springen, und praktische Gesichtspunkte über persönliche Befindlichkeiten stellen: Ich habe mit Superwash Garn gestrickt. Genauer gesagt mit Rowan Pure Wool Worsted.

Grundsätzlich habe ich einige Gründe, warum ich Superwash wenn möglich/sinnvoll vermeide, dazu aber ein andermal mehr Details. In diesem Fall mussten meine Wünsche hinter der Lebensrealität zurückstehen:

In der Schweiz gibt es für Angestellte kleinerer Unternehmen nur sehr begrenzte Elternzeit, dafür aber die Möglichkeit die Kleinsten bereits einige Wochen nach der Geburt in Tagesbetreuung zu geben. Nun ist die werdende Mutter nicht die erfahrenste Wollwäscherin, und die Tagesbetreuer/innen haben sicher auch anderes zu tun, als ständig Milchflecken von Babydecken sanft einweichen zu lassen. Wenn mein Werk also ein langfristigeres Deckenfort für die Kleine sein soll, dann muss es ohne viel Tamtam mit in die Maschine können.

Für meinen Neffen habe ich damals diese Decke aus Lamana Como gestrickt, das kann auch bei 30° in die Maschine, allerdings waren die betreffenden Eltern auch lange mit ihm zuhause und haben Nachhaltigkeit und Liebe zum Material über Bequemlichkeit stellen können – und ich habe glücklich zur „richtigen“ Wolle gegriffen.

Was beide Decken gemein haben: Sie sind quadratisch, und groß genug um sie auch als Tuch zu tragen. Das finde ich total praktisch, denn so kann die Mama unterwegs die Decke um den Hals und das Baby am Bauch tragen. Am Ziel angekommen, gibt es direkt eine angewärmte Liegefläche für den Zwerg, die auch noch praktischerweise nach Mama riecht.

Zum Projekt:

Ich habe fast genau 500g verstrickt – Die Anleitung gibt die empfohlene Menge als 990 Yards an, und das kommt mit 5 Knäuel à 219 Yards sehr gut hin.
Ganz entgegen meiner üblichen Tendenzen habe ich mich fast zu 100% an die Anleitung gehalten. Meine einzige Änderung war, dass ich deutlich kleinere Nadeln genommen habe. Und das obwohl ich ja eh schon als (stich)fest strickend bekannt bin.
Wieso?
Das leidige Superwash Thema.
Eins ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Superwash wächst und wächst und wächst. Das erste Mal in der Wäsche, zack mindestens ne Nummer größer. Dazu leiert es auch noch über die Lebensdauer aus, aber das schlimmste ist die erste Wäsche.
(Ich bin ja eh schon Verfechter der Maschenprobe, aber wer Superwash einfach mal so nach Gefühl verstrickt und nachher in seinem Pulli zu ertrinken droht, der hat es fast schon verdient ;-))

Meine „Maschenprobe“ war eine Decke aus dem gleichen Garn, die ich vor einigen Jahren gestrickt habe. Anhand meiner Notizen von damals habe ich beschlossen, dass mir das Gestrick nach Wäsche (jaaaaa, Maschenproben muss man waschen, damit sie überhaupt was aussagen) am besten von einer 4mm Nadel gefiel, also 0,5 mm kleiner als in der Anleitung empfohlen. Aber das Original ist ja auch nicht aus Superwash Garn gestrickt.

Obwohl ich das Ganze wirklich gut durchdachte hatte, kamen auch mir zwischendurch Zweifel. Das Gestrick wurde bombenfest, ein Baby hätte sich auf den Abnahmen im Lacemuster blaue Flecken liegen können, es wirkte fast als hätte ich sehr feste Knoten ins Muster integriert. Der Rand war so fest, dass er richtig Stand hatte. Wenig kuschelig…

Doch die Wäsche und ein paar Stunden auf den Spannmatten haben mir Recht gegeben. Quadratisch, weich und locker fallend – genau wie es sein soll. Jetzt stimmt auch die Maschenprobe mit der Anleitung überein. Hätte ich diese Maschenprobe vor der Wäsche gehabt, dann müsste die Nichte demnächst unter einem löchrigen Lappen ohne Form liegen.

Ach ja, quadratisch. Da kommen wir zu den drei Dingen, die ich bei einer weiteren Decke anders machen würde:

  1. Die Garnwahl (wenn sinnvoll) anpassen. Bergamo oder Alpakka Ull würden sich super eignen, beides Mischgarne aus Wolle & Alpaka ohne Superwash Ausrüstung. Wolle macht leicht, Alpaka warm, beide sind sehr angenehm auf der Haut, und beide lassen sich steeken, denn:
  2. Das nächste Blanket Fort würde rund gestrickt und geschnitten. Die immer länger werdenden Rückreihen in glatt links haben richtig genervt. Ich würde es machen wie bei meiner Kjell Decke, und die Blende über dem Steek wäre auch wieder ein schönes Detail.
  3. Der letzte Abschnitt der Decke wird kraus rechts gestrickt. Das finde ich im Nachhinein stilistisch nicht so schön, vor allem ist es aber ein kleiner Fallstrick: Das kraus rechte dehnt sich nicht so sehr in die Breite wie das Lace Muster, das Tuch trotzdem ins Quadrat zu spannen ist mehr Krampf als nötig. Wenn ich diesen Teil nochmal so stricken würde (unwahrscheinlich), dann würde ich hier mindestens eine halbe Nadelstärke hochgehen.

Insgesamt finde ich die Anleitung aber wirklich toll, das Muster ist so einfach, dass ich nach kürzester Zeit blind vor’m Fernseher stricken konnte. Die Anweisungen sind klar und deutlich, sowohl als Chart als auch ausgeschrieben, und eignet sich auf jeden Fall für Anfänger und sicher als erster Versuch mit englischen Mustern.

Für die Nichte ist es hoffentlich für eine ganze Weile eine Deckenburg zum geborgen fühlen. Und ich plane schon mal das Erwachsenen Garten-Blanket-Fort für den Sommer. Mit Lampions, Gin Bar und Strickecke 😉

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X Mitts

Fingerlose Handschuhe mit X

Sind bei dir die Tage auch so farblos im Moment?

Berlin zeigt uns – wie jeden Winter – die kalte, dunkle und ungemütliche Schulter. Gefühlt wird es nicht hell, die einzige Farbe ist grau, und nicht mal der Hund hat Lust seine Runden zu machen.

Bretone gähnt Tongue out TuesdayUm nicht dem Trübsinn zu verfallen ist jedes Mittel recht, aber ganz besonders brauche ich Farbe für die gute Laune. Wie gut dass ich mir im Herbst einen Strang Wolle aus dem Stash gegriffen habe, und drauf los gestrickt habe. Denn als Ergebnis habe ich ein Paar gute-Laune-Fingerlinge für mich, ein Paar als Weihnachtsgeschenk, und eine Anleitung für dich.

Gestatten: Die X-Mitts.

Was eigentlich als kleine Fingerübung für eine Zugfahrt begann ist zu einem wahren Meisterstück, und wahrscheinlich schon jetzt mein meist-getragenes Strickstück aller Zeiten geworden:

Prio eins hatte natürlich die Passform.

Erfahrungsgemäß brauche ich für den Alltag einfach Handschuhe, mit denen ich alles machen kann. Ständiges An- und Ausziehen ist mit Hund, Handy und Handtasche einfach nicht drin. So kam es bisher immer, dass ich tolle Handschuhe gestrickt und dann doch nicht getragen habe. Die x Mitts trage ich dagegen tatsächlich seit Wochen jeden Tag. 

Prio zwei: Reversibilität!

Häh? Wendbarkeit.

Von Anfang an gefiel mir die Innenseite der Handschuhe fast genauso gut wie die Außenseite. Doch mit keiner gewöhnlichen Konstruktion wollte es so aussehen und gelingen, dass auch der Daumen optimal sitzt & beidseitig hübsch anzusehen ist.

Der erste Versuch scheiterte kläglich.

Zum Glück habe ich eine ähnlich besessene Prototypentesterin, und nach etlichen Tüfteleien an zwei Testobjekten hat es dann alles hingehauen. Die Lösung ist nichts für blutige Anfänger, aber wenn du bereit bist der Anleitung genau zu folgen, lernst du eine vermutlich komplett neue Konstruktion kennen. Inzwischen zeigt der Alltagstest sogar, dass wir die Mitts genau gleichmäßig auf links und rechts tragen… denn beim Ausziehen zieht man sie fast automatisch auf links, so genau sitzen sie.

Prio drei: Spaß anne Freude

Das i-Tüpfelchen an einem Design ist natürlich immer, wenn es richtig Spaß macht danach zu stricken. Die Mitts sind so ein Projekt. Die Kombinationsmöglichkeiten der Garne sind schier endlos.

Du hast ein Knäuel verrücktes Verlaufssockengarn im Stash? Raus damit und auf die Nadeln! Kombiniert mit einer einfarbigen Sockenwolle kommt es erst richtig zum strahlen.

Dir liegt es eher etwas ruhiger, wohlmöglich hast du selbst bei diesem Wetter nichts gegen Grau in Grau? Aber Handschmeichler sollen sie sein? Wie wäre es mit Milano wie mein zweites, verschenktes Paar? Oder eine Luxusvariante in Cardiff Small?

Du willst die Handschuhe auch beim Straße fegen tragen? Kein Thema, such dir doch einfach zwei Farben vom robusten Sisu aus, oder probiere eine Kombi aus Regia und einem Zauberball! Vielleicht hast du aber auch einfach ein paar Garnreste in passender Stärke, und kannst mit den insgesamt 250m Garnverbrauch etwas Stash abbauen.

Das Tollste: Das eigentliche Muster ist super einfach. Du kannst dich komplett auf die Konstruktion konzentrieren, und damit du sicher keine Schwierigkeiten hast gibt es (wie inzwischen immer bei meinen englischen Mustern) für jeden Stolperstein einen Link mit Tutorials.

Die Hauptsache ist nur, dass du deine Maschenprobe im Auge hast! Denn für den optimalen Sitz brauchen die Fingerlinge auf jeden Fall „negative ease“, sollen also beim Tragen etwas gedehnt werden. Meine 2,5mm Nadel ist dabei nur eine Richtschnur, alle Testerinnen mussten signifikant fester stricken als sie es gewohnt waren. 

Die Anleitung für die Mitts gibt es bei Ravelry und auf loveknitting, ich freue mich darauf vielleicht bald dein Paar als Ravelry Projekt zu sehen?

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Bon Bonn Bonnet?

<Dieser Beitrag enthält PR Samples. Garne & Strickmühle sind mir von den Herstellern zur Verfügung gestellt worden. Eine Vergütung ist nicht gezahlt worden, und alle Aussagen über die Produkte entsprechen meiner persönlichen Meinung>

Diesen Winter bekomme ich ein neues „brorsbarn“ – das ist schwedisch für „Bruderkind“, also Kind eines Bruders, anders gesagt: ich werde wieder Tante.

Das gibt mir die Gelegenheit wieder ganz rasche Mini-Mini-Maschen zu stricken. Mit 1,5 Jahren braucht es nämlich für den „großen“ Neffe schon erstaunlich viele Maschen, vor allem wenn man mit dem Anfang vergleicht. Das sind dann auch direkt nennenswerte Garnmengen.

Dank vieler Goodiebags und Probeknäule der letzten Jahre, haben sich im Stash aber etliche Einzelknäule in DK und dicker angesammelt, und zwei davon habe ich direkt mal für den neuen Erdenbürger verbraucht, und auch noch eine neue Anleitung daraus gemacht: Das Waldi’s Bonnet.

Schon im August habe ich aus Silk 4 Milk von Rosários4 den Prototypen gestrickt – da war gerade frisch die Neuigkeit gekommen. Das Garn habe ich auf dem Tag der Wolle 2017 bekommen, aber wegen „Was mache ich aus einem Knäuel DK“ erschwert mit „Wie verhält sich wohl dieses Fasergemisch“ noch nicht angestrickt gehabt.

Die Faserzusammenstellung ist wirklich einzigartig: Seide und Cashmere sind mit Milchfaser versponnen. Total spannend. Und weich. Und Handwäsche. Hmmm. Zum Glück werden Mützchen ja nicht soooo dreckig, also ein Minimützlein angeschlagen.

Aber nicht irgendein Minimützlein.

Waldi

Waldi ist so richtig putzig, und ich glaube auch ziemlich gut durchdacht. Grundsätzlich ist es als Neugeborenengröße ausgelegt, aber da von oben gestrickt wird, könntest du auch bis zu jeder anderen Größe weiterstricken. Das Muster ist einfach, und schon von meinen „Waldemar“ Socken bekannt – Waldi… ist klar, oder? Zum Abschluss bekommt ein Teil des Bonnets Hasenzähnchen, die bilden nachher einen hübschen Rahmen um das Gesicht. Im Nacken strickst du stattdessen einen Tunnelzug ohne Zähnchen, es soll ja nichts pieksen.

Durch den Tunnelzug kommt dann ein iCord. Den habe ich beim Prototypen auf einem Nadelspiel gestrickt… zäh wie Kaugummi, aber was macht man nicht alles…

Fazit zum Garn: Super! Gewaschen und gedämpft ist es in Form geblieben, hat nicht gepillt, und hat ein irrsinnig klares Maschenbild. Sieht auf den ersten Blick fast aus wie Baumwolle, fasst sich aber viel weicher an. Jetzt wo ich weiß, wie toll dieses Garn ist, habe ich mich schon beim Tagträumen von einem großen Sommerpulli erwischt.

Waldi II 

Diesmal habe ich Fourteen von Juniper Moon Farm gewählt. Das ist noch ganz frisch vom Tag der Wolle 2018. Es besteht zu 90% aus Merino & 10% Cashmere – wobei das Merino mit wahnsinnigen 14 Mikron (daher fourteen) quasi schon weicher ist als das Cashmere. Und wieder Handwäsche…

Aber auch wahnsinnig knuffig und kuschelweich. Ich befürchte dass dieses Garn deutlich empfindlicher ist. Merino ist ja immer pill-anfällig, und vom Griff her kommt das auch hier hin. Aber auf einem Babykopf sollte nicht zu viel Beanspruchung auftreten, von daher hat das Knäuel hier vielleicht seine Optimalbestimmung gefunden. Wirklich viele andere Einsatzmöglichkeiten hätte es bei meiner Pilling-Antipathie für mich kaum gegeben.

Icord

Diesmal habe ich den iCord auf einer Prym Strickmühle gekurbelt. Und was soll ich sagen, nach Anlaufschwierigkeiten zwischen mir und der Anleitung, werde ich NIE wieder anders meine Kordeln machen. Im Kopf habe ich schon eine laaaaange Liste mit Projekten, die mit Kordeln verbessert werden könnten… ich kurbel jetzt den Stash weg 🙂


Die Mühle funktioniert im Grunde genommen wie eine Strickliesl – nur dass du nur kurbeln musst. Den Rest übernehmen Haken und Schnapper in der Strickmühle – das ist so kinderleicht, damit kannst du Mann oder Kind bestimmt super beschäftigen.

Vielen vielen Dank an Prym dass ich dieses tolle Ding ausprobieren darf, ihr habt es geschafft dass mehrere Erwachsene mit großen Augen und viel Geduld im Treppenhaus gekurbelt haben – nur um zu sehen wie lang wir so ein Band bekommen. (Ach ja, das ist auch der einzige mögliche Nachteil, wenn du nicht im vierten OG wohnst: die Länge deiner Kordel ist von deinem Abstand zur Erde begrenzt. Am Ende der Kordel hängst du ein Gewicht ein, und sobald das den Boden berührt, funktioniert das Ganze nicht mehr. Aber wir haben noch keine Verwendung für die vierte-Stock-Kordel gefunden, und die Mützenbändsel waren mit 180cm Körpergröße locker machbar.)

Im Vergleich sieht man dann auch noch, dass die Mehrarbeit am Nadelspiel auch nach einer Wäsche deutlich unregelmäßiger ist. Noch ein Argument mehr für eine Strickmühle*.

Was ist denn nun ein Bonnet?

Laut Definition im Internet ist ein Bonnet eine unter dem Kinn geknotete Haube, die von Frauen oder Kindern getragen wird. Das Bändsel macht also den Unterschied zwischen einem Bonnet und einer gewöhnlichen, deutschen Haube.

Dein Waldi

Hast du auch das eine DK Knäuel Luxusgarn herumliegen? Und bekommt jemand ganz spezielles ein Baby, das so ein Häubchen aus Luxusgarn tragen könnte? Dann kannst du dir dein eigenes Waldi’s Bonnet stricken! Die Anleitung gibt es hier, und falls du (wider Erwarten) noch Bedarf an einem absoluten Traumgarn hast, empfehle ich die Cardiff Large.

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(manche) Männer sind Schweine

<Komplett strickfreier Beitrag – aber das musste mal raus>

Seit Monaten trage ich mich mit dem Gedanken eine neue Rubrik im Blog zu machen: „Food for Thought“ – grob übersetzt in etwa Nahrung zum Nachdenken. Komplett strickfrei. Stattdessen ein Rezept und einige meiner Gedanken zum aktuellen Zeitgeschehen.

Seit Monaten schiebe ich das vor mir her, weil ich denke: Food Blogs können das eine besser, und über Politik, Geld und Religion sollte man im Internet lieber erst gar nicht anfangen.

Aber „thought“ muss mal raus:

Es geht gerade eigentlich um ein erstmal ausschließlich amerikanisches Thema: Brett Kavanaugh.

Dieser Mann, den Trump für den obersten Gerichtshof in Amerika nominiert hat. Zugegeben, er hätte Mutter Theresa vorschlagen können, und die Demokraten hätten etwas an ihr auszusetzen gehabt. So verbohrt sind inzwischen beide Seiten, das muss man ganz offen mal sagen.

Und als die ersten Vorwürfe kamen, Kavanaugh habe als Teenager übermäßig getrunken und sei Mädchen gegenüber übergriffig geworden, da war ich versucht des Teufels Advokat zu sein. Denn wenn nur Kandidaten mit blütenreiner Weste und einer Jugend im Kinderchor für öffentliche Ämter tragbar sind; wenn es nicht mehr akzeptiert wird aus Fehlern gelernt zu haben, dann würden wir in Zukunft nur noch von helikopter-beelterten Kindern aus heile-Welt-Haushalten regiert.

Eine gewisse Erfahrung mit menschlichen und sozialen Abgründen, gepaart mit dem Willen die Zukunft für andere positiver zu gestalten, das finde ich persönlich vielsprechender als einen optimal geschmacksneutralen Lebenslauf. Wie gesagt: wenn aus Fehlern gelernt wurde.

Doch dann kam die Anhörung vor dem Justizkomitee des Senats. Eine ehemalige Mitschülerin von Kavanaugh brachte ihre Vorwürfe souverän vor, er habe – mit einem Freund – vor 35 Jahren auf einer Feier versucht sie zu vergewaltigen.

Das mag man glauben oder auch nicht, für uns Europäer ist das Thema damit auch eigentlich gegessen.

Aber ist es das wirklich?

Denn für mich beginnt mit den Reaktionen auf die Aussagen die für mich ganz nahe Problematik: in meinem Umfeld zweifelt nicht eine einzige Frau daran, dass solche Vorfälle gang und gäbe sind. Wir haben sie alle schon direkt oder indirekt erlebt.

Die männlichen Reaktionen dagegen gehen davon aus, dass Frauen latent übertreiben. Klar gibt es sowas mal, aber das sind dann nur dunkle Gestalten, „keiner von uns“. Das mag dann eine soziale, religiöse oder nationale Abgrenzung sein, aber „keiner von uns“ auf jeden Fall. Und warum würde man 35 Jahre schweigen?

Nimmt man dazu diesen Artikel aus der Washington Post, dann fällt mir auf: Vielleicht reden wir wirklich nicht genug darüber. Wir – die Frauen.

Wie häufig wir Frauen von „einem von uns“ behandelt werden, als wären wir Objekte zum Lustabbau, das behalten wir fast immer für uns.

Wenn mal ein Mann aus meinem Umfeld dabei war, dann fiel er aus allen Wolken, konnte nicht fassen wie ich so ruhig bleibe. Natürlich bleibe ich ruhig. Für mich ist das, zwar nicht gerade Alltag, aber Routine. Mir wurde beigebracht mich aus der Situation zu entfernen und den Mann nicht zu provozieren. Ich weiß dass ich körperlich schwächer bin.

Und zum Glück waren alle Vorfälle bisher so „harmlos“, dass ich die gleiche Taktik verfolgen kann wie gegen Flugangst: Ich lasse mir die Welt nicht von Angst und Sorge kleiner machen. Klar, ich bin vorsichtig, steige in keine Propellermaschine der drittklassigen Airline einer Bananenrepublik, und natürlich laufe ich nicht nachts betrunken im kurzen Rock alleine durch die Gegend.

Garantiert es mir körperliche Unversehrtheit? Nein. Auch erstklassig gewartete Flugzeuge können verunglücken, und auch mit konservativer Kleidung kann mir der falsche Mann begegnen.

Aber: Im Gegensatz zu meinen Vorkehrungen in Bezug auf drittklassige Airlines, wird meine Vorsicht von „guten“ Männern eher als übertrieben empfunden. Denn die „guten“ Männer wissen nicht, wie oft uns die „schlechten“ begegnen. Sie sind nicht dabei. Sie sehen es nicht, wenn mal wieder eine fremde Hand in der vollen Bahn an unseren Hintern krault. Wenn wieder mal jemand seine sexuelle Befriedigung höher stellt als unsere Rechte.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir unseren Freunden, Brüdern und Söhnen, unseren Männern, Neffen, Lehrern und Trainern, all den guten Männern in unseren Leben mit voller Offenheit erzählen was uns immer und immer wieder passiert.

Dass unsere Bedenken allein im Dunkeln heim zu gehen, nicht die „mädchenhafte“ Version von den Monstern unterm Bett ist, und dass wir niemandem den Abend versauen wollen, sondern dass uns da draußen eine andere Art von Mann begegnet als sie. Dass wir nicht alles unbedacht sagen oder tun können, weil solche Männer uns „falsch verstehen“.

Nicht immer. Aber leider noch viel zu häufig.

Mein lehrreichstes Erlebnis war beispielsweise überhaupt nicht körperlich. Der Betreffende war nicht einmal im gleichen Raum.
Er sollte neue Kabel zu legen, und hat „Kabel legen“ für Code gehalten.
Er: Anzügliche Textnachrichten.
Ich: Auftrag storniert. Nummer blockiert.
Ergebnis:

  • 1.  Keine neuen Kabel. Bis heute nicht.
  • 2. Unbekannte Handwerker treffe ich nicht mehr alleine.

So ist meine Welt eben doch etwas kleiner. Findet komischerweise jeder vollkommen normal.
Aber dass ich nicht möchte, dass meine persönlichen Daten ungefragt weitergegeben werden, das wird immer wieder mit zum Himmel rollenden Augen und leichtem Seufzen aufgenommen…

Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir reden.

 

 

 

 

 

 

 

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Tag der Wolle 2018

Katze müsste man sein…

(Dieser Beitrag enthält PR Samples ohne Ende, außerdem wurde ich vom OZ Verlag zum Event eingeladen – nimm dich also in Acht vor überwältigender Werbung)

Katzen haben dem Sprichwort nach sieben Leben, richtig?
Ungefähr die Anzahl, die ich inzwischen bräuchte um meine Garnvorräte aufzubrauchen…
spätestens seit dem vergangenen Wochenende.

Der OZ Verlag hat eine kleine Tradition begründet, als sie vor zwei Jahren das erste Mal zum Bloggerevent in Berlin eingeladen haben. Im letzten Jahr zog das Event dann nach Freiburg um, und wieder durfte ich dabei sein. Am vergangenen Wochenende ging es für mich (und viele viele weitere Bloggerinnen und Blogger!!) wieder nach Freiburg.

Inzwischen ist es wirklich wie eine Mini Klassenfahrt: Wann sonst essen, trinken, stricken, fotografieren UND schlafen wir alle am gleichen Ort? Niemand muss heim zu Kind und Hund, keiner muss noch Auto fahren, und bis auf das gemeinsame Hotelfrühstück haben wir am nächsten Tag keine Not früh aufzustehen.

Daher vorneweg: Vielen Dank für die Einladung, liebes OZ Team! Vielen Dank für die tolle Umsorgung, und den wunderbaren Anlass mal wieder mit Gleichgesinnten schnattern zu können. Aber auch vielen Dank an die tollen Hersteller, die ein Interesse daran hatten uns kennenzulernen, unsere Meinungen zu hören, und mit uns über die Wünsche und Ansprüche an ihre Firmen zu reden.

Foto: liebster bester Lutz aka maleknitting

Teil des Tags der Wolle ist ein großes „Wollbüffet“, mit den neuen und den bewährten Qualitäten von Materialien (ausdrücklich nicht nur Wolle, sondern auch tolle Nadeln, Tassel-Maker, Pompom-Maker etc.). Das ist ein toller Anblick, den du dir zum Beispiel auf Lutz Instagram Account in den Story Highlights angucken kannst. Er hat so tolle Bilder gemacht, und so wunderbar redaktionell aufbereitet, da will ich dir nicht verwackelte Schnappschüsse vorsetzen 😉

Ich zeige dir stattdessen, was ich für mich mit nach Hause gebracht habe.

Der Eulenbag (Erkennungszeichen vom Mini Stricktreff mit Julia & Saskia) war prall gefüllt, aber doch noch in Maßen. Dieses Mal waren Ansprechpartner der Firmen dort, so dass ich lieber Informationen über die Hersteller und Garne im Gespräch gesammelt habe, und mir bei wirklichem Interesse passende Mengen für geplante Kopfprojekte schicken lasse.

Mitgekommen sind also nur Garne, bei denen ich mir Ein-Knäuel Projekte vorstellen kann (oder eben zwei):

Portugiesische Pracht: Rosários4

An allererster Stelle war da ganz klar dieses knallige Merinogarn von Rosários 4 aus Portugal. Im letzten Jahr habe ich von dieser Firma die Bio-Wool zu einem Kinderpullover verstrickt und ganz vergessen die Anleitung fertig zu schreiben. Das Garn ist so wunderbar, da wollte ich auch dieses probieren, obwohl ich ja überhaupt kein Merino Fan bin.

Liliana von Rosários und ich haben uns abends noch lange an der Hotelbar unterhalten, und ich habe viel über die Firma und ihre Philosophie erfahren. Sie hat mich dann noch gebeten das neue Knitting Notebook zu testen, und das mache ich natürlich gerne!

Ich habe leider kein Bild für dich: Schöller & Stahl

Ein Traditionsunternehmen, das ich (trotz wiederholtem Lobgesang des sehr geschätzten Herrn Fricke von meinem Großhändler) nie richtig auf dem Schirm hatte. Am Wollbüffet war alles abgegrast, so dass ich diese Firma wahrscheinlich unter „ferner liefen“ verbucht hätte. Nur über ein zufälliges Gespräch mit Rieke und später auch dem Geschäftsführer von Schöller + Stahl, Herrn Schmickler, bin ich sehr sehr gespannt darauf, endlich eine filzfreie Sockenwolle ohne klassisches Superwash Verfahren, und vollkommen frei von Mottenschutzgift zu testen. Ich bekomme netterweise demnächst etwas davon zum testen zur Verfügung gestellt.

Rock mich von den Socken: Opal

Vierfädige Sockenwolle kann man nie zuviel haben. Knallbunte vierfädige Sockenwolle schon eher. Aber ich spiele so gern mit bunten Verlaufsgarnen als Kontrast in meinen Mustern. Opal stellt in Deutschland her und unterstützt mit der Linie „Schafpate“ die Wanderschäferei im Land. Das allein macht kein gutes Garn, aber man sollte es mal ausprobiert haben. Das zweite Knäuel lag am Ende des Abends wieder da, und Garn alleine liegen lassen kann ich ja nicht. Übrigens gab es dazu auch das Nadelspiel der Firma Pony, von der auch eine Rundnadel im Goodiebag war. Sylvie hat so überschwänglich gelobt, das muss probiert werden. Sie rät dringend mal an den Nadeln zu reiben…

Ooooh, you give me Fever: Knittingfever

Diese zwei Schönheiten mussten mit. Da war ich ausnahmsweise schnell genug. Aber natürlich habe ich nur jeweils ein Knäuel gegriffen – so können sich möglichst viele ein Bild von der Marke machen. Beide Garne sind von Knittingfever, einem amerikanischen Unternehmen. Beide haben Merino und Cashmere Anteil, das blaue außerdem Seide. Ich werde beides mal anhand von Mini Projekt-chen testen, aber vorneweg kann ich schon sagen: Irre wie unterschiedlich sich zwei Garne aus sehr ähnlichen Rohstoffen anfühlen können!

Der große Unbekannte: Novita

Die finnische Firma Novita war mit mehreren Qualitäten angereist, ich habe „nur“ die Sockenwolle gesehen. Im nordischen Raum ist Novita ein absoluter Begriff, ich kannte aber bisher nur die 6-fache und die 8-fache Sockenwolle, und das ist üblicherweise nicht meine Kragen/Schuhweite. Aber jetzt hab ich gerade ein Paar dicke Socken aus norwegischer Wolle fertig, da hat mich das 8-fach dann doch mal gereizt. Dass ein Knäuel nicht reicht ist mir gerade noch rechtzeitig aufgefallen, zwar gab es nur noch zwei unterschiedliche Farben, aber das stört weder Karlsson noch sonst einen großen Geist.

Das 4-fache habe ich auch noch gesehen – und wirklich vergleichen kann ich ja nur in meiner gewohnten Stärke. Die erste Spitze habe ich im Zug zurück gestrickt, und dieses Garn ist auf jeden Fall ungewohnt. Claudia hatte noch nachts die dicke Wolle angebrochen, und hat mich morgens mit ihrer Meinung neugierig gemacht, so dass ich gerade auch noch 8-fädige Socken stricke um mir ein eigenes Bild zu machen. Natürlich habe ich heute auch noch Hintergrundinformationen bei der Finnin vom Dienst, Eeva eingeholt… die Banderole hat mich nämlich auf eine falsche Fährte geschickt, und ich hätte fast einen kapitalen Fehler gemacht.

Twist Again: Die Prym Yoga Nadeln

Wie schon in den beiden letzten Jahren war wieder Prym anwesend. Deutsche Familienunternehmen liegen mir am Herzen, und von den Ergonomics bin ich seit dem ersten Event total hin und weg gewesen. Die Yoga’s hatte ich schon auf der H&H gesehen aber nicht ausprobiert, jetzt habe ich mein eigenes Paar, werde also mal wieder ein verzopftes Muster stricken müssen um dir mehr zu diesen Bewegungskünstlern sagen zu können. Witzig aussehen tuen sie auf jeden Fall!

Mein Star des Abends: Die Mannschaft

So, und wo wir dann bei Nadeln sind: Ich muss mal wieder sagen, dass Tanja die allerbeste ist! Wer mir die Lieblingsschoki aus dem Norwegenurlaub mitbringt hat eh für alle Zeiten nen Stein im Brett. Wer aber nach Wochen noch erinnert, dass ich eine meiner Addi Trio Nadeln zwischen den Dielen versenkt habe, und mir eine Ersatznadel aus dem eigenen (durch im-Zug-vergessene-Nadel unbrauchbaren) Trio mitbringt, damit ich Handschuhe stricken kann obwohl Addi gerade 20 Wochen Lieferzeit hat, dem gebührt mein ewiger Dank! Und zu allem Überfluss bringt sie mich mit ihrem herrlichen Humor so wunderbar zum Lachen – schön dass es dich gibt, liebe Tanja!

Das gilt natürlich auch für alle anderen Kolleginnen und Kollegen, die jetzt nicht namentlich erwähnt sind. Ich bin wirklich froh diesen Termin trotz etlicher Widrigkeiten doch noch geschafft zu haben, denn euch zu sehen macht aus Stricken einen „Mannschaftssport“.

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Einmal bitte von Allem

Mitbringsel aus Bergen

Irgendwann vor ein paar Wochen hat es mich gepackt.

Ich war gerade dabei meine Reiseplanungen für August / September zu machen, und die Menge an Terminen hat mir kurz den Atem genommen. Berlin, Bayern, Bremen, Baden Württemberg, NRW, teilweise 800 km am Tag auf der Autobahn. So viele Kilometern, wie ich da plante, fahren andere Leute wahrscheinlich im ganzen Jahr. Und mir wurde schlagartig klar: Ich brauch ne Pause um das durchzuhalten.

Bergen ist mein Ruhepol

Also habe ich einen Flug gebucht. Mehr Kilometer. Aber für ein Wochenende in der alten Heimat – zum Ausspannen.

Zur Erholung finde ich es immer gut an einen bekannten Ort zurückzukehren, also keinen Erlebnisdruck zu haben. Ich kenne Bergen, denn ich habe dort mal gelebt. Es ist der regenreichste Ort Europas, und nach diesem Sommer sehnte ich mich quasi danach bei Nieselregen im Café der Bibliothek zu sitzen, Strickzeug und Bücher um mich zu verteilen, und Luft zu holen. Nebenbei wollte ich mal wieder schauen was es bei (Strick-)Literatur und Garn an Neuigkeiten gibt. Und für den Winter einen Vorrat an Süßigkeiten anlegen 🙂

Der ursprüngliche Plan ist etwas abgewandelt worden, da ich dann doch nicht alleine geflogen bin. Und das war sogar noch toller als erhofft. Denn das Nieselwetter blieb aus, und bei Sonnenschein alleine drinnen sitzen ist halt doch nicht meins.

Bücher habe ich tatsächlich keine gekauft. Dafür aber in der Bibliothek geschmökert und notiert nach welchen Büchern ich online suchen muss. Zwei Strickbücher, ein Sachbuch über die Exilregierung und den Widerstand gegen die Nazibesatzung, und ein Roman werden’s. Zum Glück liefert Bokkilden.no auch nach Deutschland.

Garn allerdings… 

Meine ursprüngliche Planung war es zum Fabrikverkauf von der Hillesvåg Ullvarefabrikk zu fahren. Das wäre von Bergen aus eine halbe Stunde mit dem Bus gewesen – absolut machbar. Aber dann war für den geplanten Tag einfach phänomenales Wetter angesagt…also Planänderung.

Wir sind dann „kurz“ in den Husfliden gegangen, da gibt es auch Hillesvåg Garn. Teurer zwar, aber dafür haben wir ja die Bustickets gespart und Zeit gewonnen.

Hillesvåg

Es sind 3 Stränge Vilje (100% Lammwolle) in weiß, und 4 Stränge Sølje in unterschiedlichen Blautönen mitgekommen. Sølje ist Pelsull, also Wolle vom Pelzschaf. Das wollte ich immer schonmal ausprobieren. Beide Garne haben die gleiche Maschenprobe, und können laut Banderole gut kombiniert werden. Prima – das könnte doch eine tolle Strickjacke für mich werden.

Und da ich kein Reiseprojekt mehr hatte, gab es außerdem ein Knäuel Sockenwolle Hillesvåg „Fjord. 80% Wolle, 20% Nylon, nicht superwash behandelt – und ausdrücklich filzanfällig. Aber das muss ja nicht immer schlimm sein.

Übrigens auch nur gut, dass ich den Strang an der Markierung (yay wie clever!)geteilt habe, sonst hätte ich nach dem ersten Socken nicht mehr ausreichend Garn für den zweiten gehabt. Denn der erste Eindruck trügt: Was aussieht wie ein handelsübliches Sockengarn in Deutschland, ist deutlich dicker. Nur 250m / 100g, Regia und Konsorten haben 400m. Das Sandnes Sockengarn Sisu, übrigens auch 80% norwegische Wolle / 20% Nylon, liegt mit 350m / 100 g ziemlich genau dazwischen.

Trotzdem habe ich ganz „normale“ Socken auf 2,5mm Nadeln angeschlagen. Die sind laut Banderole auch empfohlen. Dann wieder geribbelt, denn glatt rechts sah total langweilig aus. Im „Petty Harbor“ Muster kommt das tolle Garn viel besser zur Geltung. Am Ende der 50g habe ich ein langes Bündchen und die Ferse aus einem Rest Alpakka Strømpegarn von Sandnes gestrickt. Das ist eigentlich auch eher ein 6-fädiges Sockengarn, aber auf den dünnen Nadeln habe ich jetzt mit der dicken Wolle eine locker aber gut sitzende, recht dicke Socke über 60 Maschen gestrickt. Wenn ich bald wieder in Gummistiefeln mit dem Hund vor die Tür muss, dann juble ich. Gut eingesetzte ca. 7€!

Rauma

Beim Husfliden gibt es immer auch Rauma. Und da hatte ich einige Wünsche. Mitgekommen ist aber gar nicht so viel.

550 g Lammwolle. In Grau und Blau – also keine Überraschung.

Eigentlich wollte ich unbedingt Spælsaugarn von Rauma haben. Auch so ein rassespezifisches Garn, weich, und dank langer Stapellänge soll es nicht pillen, dafür toll glänzen.

Ich hätte es im Husfliden bekommen können, aber das Etikett „møllbehandlet“ (Gegen Motten behandelt) hat mich abgehalten. Denn das bedeutet, dass mithilfe eines Gifts ein Mottenbefall verhindert werden soll. Mein Arzt warnt aber so dringend vor diesem Nervengift, dass ich das Spælsaugarn tatsächlich liegen gelassen habe.

Auch von den Klassikern, 3-tråd und Finull, habe ich die Finger gelassen. Es ging ja auch um Platz im Koffer, da musste hausgehalten werden. Ich wollte lieber eine Pullovermenge in einem schön dünnen Garn haben… Lammwolle war da perfekt.

4 Knäuel anthrazit werden der Hintergrund, die helleren blauen und grauen Farbtöne werden der Kontrast.

Mein Gesamteinkauf beim Husfliden lag bei 140€ – für 1350g Wolle… und da sag mal jemand dass Norwegen so teuer ist 😉 (Beim Bier danach ist übrigens der Eindruck wieder zurecht gerückt worden)

Wir waren auch zwischendurch noch in einem anderen Garnladen, am Norwegian Spirit im Hauptbahnhof kommt man kaum vorbei. Saskia hatte mich gebeten eine Farbe Sølje mitzubringen die es beim Husfliden nicht gab. Leider war auch hier die passende Farbe nicht ausreichend vorrätig.

Unwollig in Bergen

Nach meinem Kaufrausch haben wir es uns in Bergen gut gehen lassen, sind gewandert, Boot gefahren, haben Fischsuppe, Wal und Rentier gegessen. Erst am letzten Tag haben wir wieder wolliges Programm gemacht. Übrigens habe ich in der ganzen Zeit nicht einmal eine halbe Socke gestrickt 😮

Strickmuseum


Etwas außerhalb von Bergen, in Salhus, befindet sich das norwegische Strickmuseum – dort wurde übrigens damals der Rekordversuch vom Schaf zum Pulli unternommen, hier kannst du über diese Folge norwegisches Slow TV nachlesen.

Unser Rückflug ging erst abends, und zeitlich kam der Abstecher genau hin, also ab dafür. Und ich kann dir diesen Ausflug nur empfehlen. Zugegebenermaßen ist man dort scheinbar nicht wirklich auf ausländischen Besuch eingerichtet, zwar ist der Einführungsfilm auf englisch untertitelt, aber für den Rest des Museums habe ich simultan übersetzt.

Dafür ist das Museum wirklich für jeden was. Unsereins kann den Weg der Wolle vom Kardieren bis zur Nähstube nachvollziehen, das „mannfolk“ wird von den historischen Maschinen beeindruckt. Jeder Schritt wird vorgeführt, wir haben vor lauter Staunen komplett die Zeit vergessen.

Am Ende habe ich noch ein kleines Souvenir aus dem Museumsshop mitgenommen, denn das Museum stellt ein eigenes Garn her. Auf der historischen Zwirnmaschine wird Kammgarn von Hillesvåg versponnen. Tolle melierte Farben, mehrere Fäden aus der gleichen Farbfamilie verzwirnt.

Für meine Minimaschen habe ich kleine Mengen blau, grün und rot gekauft. Aber am tollsten fand ich den „Restzwirn“: Eine Grundfarbe wird mit Restfäden der bunten Farben verzwirnt. Dabei werden mehrere Farben wie bei einem Bobbel verknotet. Einen Mini-Strang musste ich einfach haben. Er ist dünner als die einfarbigen Stränge, daher werde ich ihn mit Sockenwolle zu einem Sainte Chapelle zu stricken.

Zu guter Letzt habe ich noch einen Kontraststrang zu den Kinderfarben gekauft, einen weißen Restbestand vom Festivaltvinn vom Bergen Strikkefestival 2017 – dieses Strickfest wird im Museum ausgerichtet. Ende diesen Monats übrigens wieder. Nächstes Jahr werde ich versuchen dazu passend zurückzukommen. Hoffentlich wieder mit so tollem Wetter!

Abschließend kann man nur sagen: Wo kann man toll Urlaub machen (und Garn shoppen)?